Landshut/Straubing Serbisches Gras für niederbayerische Kiffer: Gericht verurteilt Kurier

Aufgrund finanzieller Probleme hat Zlatko K. spontan das Angebot eines Bekannten angenommen, sechs Kilogramm Marihuana nach Deutschland zu schmuggeln. Foto: dpa

Ein Mitglied war Zlatko K. nicht. „Ich wusste nur, da ging's um Gras.“ Aufgrund finanzieller Probleme, so der 32-Jährige gestern vor dem Landgericht, habe er spontan das Angebot eines Bekannten angenommen, für einen Kurierlohn von 1.000 Euro sechs Kilogramm Marihuana per Fernreisebus von Serbien nach Deutschland zu schmuggeln.

Auftraggeber war eine mutmaßliche Drogenbande, deren Köpfe sich derzeit im Rahmen eines anderen Verfahrens ebenfalls wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor der sechsten Strafkammer verantworten müssen. Zlatko K. wurde wegen Beihilfe zum vorsätzlichen unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubter Einfuhr zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

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Folgt man der Staatsanwaltschaft, taten sich die beiden Köpfe des Drogenrings Anfang Oktober 2015 mit einem serbischen Landsmann zusammen, um fortan arbeitsteilig Marihuana aus Serbien nach Deutschland zu schmuggeln und es hier gewinnbringend an Großabnehmer im Raum Niederbayern/Oberpfalz zu verkaufen. Dabei holte der serbische Landsmann in der Heimat auf Weisung eines der Haupttäter die Betäubungsmittel vom Hersteller ab und übergab diese an wechselnde Kuriere, die ebenfalls von einem der Köpfe beauftragt wurden.

Die Kuriere schmuggelten das Marihuana sodann mit Fernreisebussen über die Grenzen. In Deutschland angekommen, übergaben sie es schließlich den Köpfen, die – offiziell als Autohändler tätig - es in ihre Fahrzeughalle nach Straubing brachten, von wo aus es wiederum verteilt wurde. Die beiden Autohändler werden sich ihren Verteidigern zufolge kommende Woche zu den Vorwürfen äußern.

Laut Anklage hieß der Kurier am 19. Dezember Zlatko K. Ursprünglich war ein anderer Kurier beauftragt worden. Diesem erschien der Transport des Marihuanas allerdings zu riskant und so beauftragte er den Angeklagten. Folgt man Zlatko K., so war der ursprüngliche Kurier ein Bekannter von ihm, der, als er von dessen, aus einer Selbständigkeit resultierenden finanziellen Problemen hörte, diesem den Job anbot.

K. bezeichnete das Ganze vor Gericht als „Ruck-Zuck-Aktion“: Zwei Tage nach dem Angebot habe er bereits den Reisebus bestiegen. In Serbien habe er dann seinen Bekannten getroffen, der ebenfalls per Auto angereist war. Gemeinsam habe man dann die Drogen abgeholt. Trotz Gewissensbisse habe er dann mit der Reisetasche den Fernreisebus bestiegen.

Reingeschaut habe er nicht in die Tasche; „aber die war schon schwer“. Auf die Spur des 32-Jährigen waren die Ermittler erst durch eine Telefonüberwachung gekommen. Wie der Gruppenleiter vor Gericht sagte, sei man im Rahmen der Ermittlungen gegen die Haupttäter auf den Bekannten von Zlatko K. gestoßen. Dieser habe bei der Vernehmung seine Mittäterschaft eingeräumt – „den Namen des Angeklagten wollte er aber partout nicht verraten“.

Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und einem Monat. Verteidiger Marc Wederhake schloss sich bezüglich der rechtlichen Wertung den Ausführungen des Staatsanwaltes an und stellte die Höhe des Strafmaßes in das Ermessen des Gerichts. Wederhake bat allerdings um eine milde Strafe: Sein Mandant habe aus einer Lebenskrise heraus gehandelt.

Die sechste Strafkammer blieb dann auch am unteren Rahmen des Strafmaßes. Wie Vorsitzender Richter Ralph Reiter in der Urteilsbegründung sagte, sei Zlatko K. immerhin nur „ein Kurier, kein Mitglied“ gewesen. Allerdings habe er mit seiner Tat einer mutmaßlichen Drogenorganisation Beihilfe geleistet. Als straferschwerend habe man zwei Vorstrafen und die Menge des geschmuggelten Rauschgifts werten müssen.

Zugute habe man dem Angeklagten „eine gewisse Notlage“ gehalten; auch eine Drogensucht habe man positiv berücksichtigt, auch wenn diese nicht die Ausmaße einer schweren Abhängigkeit gehabt habe. Durch sein Geständnis, so Reiter, habe K. die Beweisaufnahme wesentlich erleichtert.

Vor allem aber habe der 32-Jährige die Angaben seines Bekannten bestätigt, der im Verfahren gegen die mutmaßlichen Haupttäter als Hauptbelastungszeuge eine entscheidende Rolle spiele. „Da geht es dann sicher um die Glaubwürdigkeit“, sagte Reiter in Hinblick auf die Verteidigerriege der beiden serbischen Autohändler.

Zlatko K. sagte vor Gericht, er sei froh, heute „reinen Tisch“ gemacht zu haben; er wolle positiv in eine straffreie Zukunft blicken. Die Pechsträhne des 32-Jährigen war nicht von Dauer gewesen: Einen Tag vor seiner Festnahme hatte Zlatko K. von dem Unternehmer, für den er als Selbständiger gearbeitet hatte, eine Festanstellung angeboten bekommen.

 

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