Landshut Nach tödlichem Unfall steht fest: Kran war überladen

Bisher gab es keine Erklärung, warum ein Kran das Auto von Klaus N. unter sich begrub. Ein Gutachten zum Unfallhergang gibt Aufschluss. Foto: Mathias Adam Quelle: Unbekannt

Von Rita Neumaier.
Den 20. April 2012 wird Angelika N. niemals vergessen. Es war der Tag, an dem ihr Mann in seinem Auto unter einem umstürzenden Kran starb. Wie es zu dem Unfallkam, schien bislang unerklärlich. Mittlerweile gibt es ein Gutachten, in dem festgestellt wurde, dass der Kran zum Unfallzeitpunkt deutlich überladen gewesen sein soll.

Laut dem Gutachter, einem Sachverständigen für Kräne und Baumaschinen, beförderte der Turmdrehkran einen mit Beton gefüllten Behälter von rund 2000 Kilogramm, er hätte aber nur rund 1300 Kilo laden dürfen. Der Lasthaken habe damit eine Überlastung von 45 Prozent getragen. Ein Lastmomentbegrenzer hätte eigentlich eine solche verhindern sollen. Der Gutachter stellte an ihm jedoch Schleifspuren fest. Dies deute darauf hin, dass ein fester Gegenstand dazwischengeklemmt worden sei. An dem Sicherhungselement sei manipuliert worden, um es außer Funktion zu setzen, stellt der Gutachter fest.

Der Tag, an dem Klaus N. in seinem silbergrauen Peugeot genau in dem Augenblick vor einer Ampel an der Niedermayerstraße hielt, als der Kran umstürzte, war ein Freitag. Er stürzte zunächst in eine Baugrube und begrub anschließend das Fahrzeug von Klaus N. unter sich. Zur Zeit des Unfalls hatte es geregnet. "Aus dem Gutachten geht nicht hervor, dass das Wetter am Einsturz schuld war", sagt Angelika N.. Sie ist froh, endlich eine Erklärung für die schicksalhaften Umstände beim Tod ihres Mannes zu haben.

Das Schicksal fuhr mit

Klaus N. der in Weihenstephan arbeitete, befand sich auf dem Heimweg von der Arbeit. Der 62-Jährige war der erste, der an der Ampel hielt. "Wäre er nur einen halben Meter weiter vorn oder hinten gestanden, hätte der Kran nur das Auto erwischt", ist ein Gedanke, der Angelika N. quält. Hinter dem Auto ihres Mannes parkten mehrere Fahrzeuge, die nicht beeinträchtigt wurden, unter anderem auch ein Bus. Seine Frau hatte ihn gegen 14.30 Uhr daheim erwartet. Um 15 Uhr hörte sie in den Nachrichten von dem Kranunfall. Weil ihr Mann auf Anrufe auf seinem Handy nicht reagierte, fuhr sie ihm schließlich entgegen. "Ich dachte schon, dass er in den Unfall verwickelt war und vielleicht verletzt wäre", erzählt die 59-Jährige. Dann sah sie sein zerstörtes Auto auf der Fahrbahn stehen.

Frage nach Verantwortung

Angelika N. muss fast täglich an der Baustelle vorbeifahren, an der ihr Mann tödlich verunglückte. Es fällt ihr sehr schwer. Von der Firma, die den Kran betrieben hat, hat sie nie eine Entschuldigung oder eine Beileidskarte gekommen. Für sie ist klar: "Denen ist es nur um ihren Profit gegangen; da musste es schnell gehen, weil Freitag war, und deshalb wurde der Kran überladen."

Sie will gegen die zuständige Firma klagen. "Ich will, dass sie zu ihrer Verantwortung steht." Schließlich sei die Ursache für den tragischen Unfall doch zu erklären. "So ein Kran fällt doch nicht einfach um.."

Klaus und Angelika N. waren 40 Jahre lang verheiratet. Zwei Tage nach seinem Tod kam ihr zweites Enkelkind zur Welt, auf das er sich sehr gefreut habe. "Er wollte bald in Altersteilzeit gehen, um mehr Zeit für seine Familie zu haben", sagt Angelika N.. Dass ihr Mann so plötzlich starb, ist für die jäh zur Witwe gewordene Frau "ein totaler Schock". Das Unternehmen hat bisher jegliche Zuständigkeit zurückgewiesen, wie auch der 51-jährige Kranführer, der unverletzt geblieben war.

Auf Anfrage der hat der zuständige Bauunternehmer bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme abgegeben.

 

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