Landshut Klinikum macht 2018 Minus von knapp sieben Millionen

Trotz verbesserter Auslastung hat das Landshuter Klinikum das Jahr 2018 mit einem negativen Gesamtergebnis abgeschlossen. Großen Anteil daran haben vor allem die gestiegenen Personal- und Materialkosten. Foto: Klinikum Landshut

Mehr Geburten, eine verbesserte Auslastung und eine gestiegene Fallschwere: Das sind die positiven Entwicklungen, die das Klinikum Landshut im Geschäftsjahr 2018 verzeichnen konnte. Trotz des Leistungszuwachses wurde das Jahr aber mit einem negativen Gesamtergebnis von 7,05 Millionen Euro abgeschlossen. 2017 betrug das Minus noch 2,86 Millionen Euro. 

In der vergangenen Woche wurde der Jahresabschluss ausführlich im nichtöffentlichen Teil der Plenarsitzung des Stadtrats diskutiert, zuvor hatte bereits der Aufsichtsrat des Klinikums das Zahlenwerk verabschiedet. Das teilten das Landshuter Klinikum und die Stadt am Montag mit. 

„Dieses Ergebnis lässt sich im Wesentlichen durch die gestiegenen Personalaufwendungen und die hohen Materialkosten erklären“, so Dr. Philipp Ostwald, der im Januar 2019 als Geschäftsführer im Klinikum Landshut angetreten ist. Insgesamt wurden 59.410 Patienten im Jahr 2018 versorgt: 23.576 Fälle stationär und 35.834 Fälle ambulant. Der Case Mix Index, der die Fallschwere beschreibt, fiel höher aus: Der CMI wurde von 1,069 (2017) auf 1,078 im Jahr 2018 gesteigert. Die Auslastung ist ebenfalls um über drei Prozent auf 74,93 Prozent gestiegen. „Das ist der hervorragenden Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verdanken“, sind sich Dr. Ostwald und Oberbürgermeister Alexander Putz, der zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrates am Klinikum ist, einig.

Enormer Kostendruck am Landshuter Klinikum

Insgesamt schenkten mehr Eltern dem Klinikum Landshut ihr Vertrauen: 804 Kinder sind im Klinikum zur Welt gekommen, das sind 74 mehr als 2017. In der Notaufnahme wurden 33.516 Patienten behandelt. 41 Auszubildende konnten ihre Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger abschließen. Hier kooperiert das Klinikum unter anderem mit dem Kinderkrankenhaus St. Marien, dem BKH Landshut, dem BRK Landshut und dem Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe in Vilsbiburg.

Den positiven Entwicklungen steht ein enormer Kostendruck gegenüber. „70 Prozent unserer Kosten sind Personalkosten. Für eine hochwertige medizinische Versorgung brauchen wir aber unsere hervorragend ausgebildeten Fachkräfte. Das ist ein Bereich, in dem wir nicht sparen wollen und dürfen“, betont Dr. Ostwald. Gerade Fachpflegekräfte werden massiv gesucht. Etwas Entspannung erwartet Ostwald durch die neu geregelte Vollfinanzierung der Pflegepersonalkosten ab 2020. „Aber: Wir leiden unter dem Fachkräftemangel und den schwierigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen mit einer überbordenden Bürokratie und einer Unterfinanzierung der Krankenhäuser. Für die Unterstützung des Unternehmens durch unseren Träger, die Stadt Landshut, sind wir deshalb sehr dankbar“, so Ostwald weiter.

Putz: "Gesundheitswesen ist sehr stark reguliert"

Kritik an den von der Bundespolitik vorgegebenen Rahmenbedingungen für Krankenhäuser übt auch OB Putz: „Das Gesundheitswesen ist sehr stark reguliert. Wie die Vorjahre war auch 2018 durch einen hohen wirtschaftlichen Druck gekennzeichnet, unter denen viele Kliniken zu leiden haben. Unser Klinikum ist da also keine Ausnahme.“

Laut einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung KPMG 2018 verzeichneten sechs von zehn Krankenhäuser in Süddeutschland Verluste, bei öffentlichen Kliniken sind es sogar 78 Prozent. „Die bestehende Schere zwischen den stark steigenden Personalkosten und den dazu nur relativ gering ansteigenden Basisfallwerten belastet die Krankenhäuser bundesweit und auch das Klinikum Landshut“, ergänzt der Klinikums-Geschäftsführer.

Klinikum will Qualität weiter steigern

Ungeachtet dessen konnte das Klinikum die hohe Qualität in der medizinischen Versorgung 2018 weiter steigern. So wurde das Klinikum von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) als Onkologisches Zentrum zertifiziert – ein Meilenstein in der Versorgung von Krebspatienten in der Region. Generell wurde der onkologische Schwerpunkt weiter ausgebaut. Durch zahlreiche weitere (Re-)Zertifizierungen – beispielsweise die Rezertifizierung des Alterstraumazentrums – wurden die hohen Qualitätsstandards bestätigt. Und mit Carsten Raab trat in der Unfallchirurgie ein neuer Chefarzt an, der die Schulter- und Ellbogen-Chirurgie weiter ausbaute. „All das zeigt: Pflegepersonal und Ärzte des Klinikums leisten tagtäglich sehr gute Arbeit zum Wohl der Patienten. Diese optimale medizinische Betreuung wollen wir unseren Bürgern auch künftig vor Ort anbieten können“, sagt OB Putz.

Dafür wurden auch 2018 wieder wichtige Weichen gestellt. So ist beispielsweise die Bau- und Ausstattungsplanung für den Neubau der Bettenhäuser des Klinikums freigegeben worden. Die geplanten neuen Bettenhäuser sollen die in die Jahre gekommenen bestehenden Gebäude ersetzen. Der Neubau der Küche ist bereits in vollem Gange. Mitte des Jahres 2018 wurden außerdem die neuen Klinikum-Apartments mit insgesamt 111 Wohnungen für die Mitarbeiter und insbesondere für Auszubildende eröffnet. 

Wirtschaftliche Situation weiter angespannt

Auch für 2019 bleibt die wirtschaftliche Situation angespannt. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, so Ostwald. „Unser Dilemma ist, dass wir in gutes Personal investieren, und das kostet Geld. Diese Kosten müssen wir an anderer Stelle wieder reinholen – etwa indem wir effizienter werden, die Infrastruktur verschlanken und Mittel gezielter einsetzen. Unseren hohen medizinischen Qualitätsanspruch werden wir beibehalten.“ Um das wirtschaftliche Ergebnis nachhaltig zu verbessern, sei aber nicht zuletzt die Bundesregierung in der Pflicht, sagt der Geschäftsführer: „Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter steht unser Auftrag, die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung in und um Landshut, weiterhin im Mittelpunkt. Das Haus ist sehr gut gefüllt und wir sehen, dass viele Patienten das Klinikum zufrieden verlassen.“

Einen weiteren Artikel zu diesem Thema lesen Sie auf idowa.plus oder in Ihrer Tageszeitung vom 16. Juli 2019.

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