Die Skulptur wirkt in der Öffentlichkeit, sie redet laut auf dem Marktplatz. Die Zeichnung hingegen wahrt die Stille des intimen Zwiegesprächs.

Kein Wunder also, dass das zeichnerische Werk Fritz Koenigs, der an diesem Freitag (22. Februar) vor zwei Jahren starb, im Bewusstsein vieler Zeitgenossen weniger präsent ist als seine plastischen Arbeiten. Dennoch steht der Zeichner Koenig dem Bildhauer um nichts nach, und die These, dass er ihn in seinen besten Momenten sogar überragt, lässt sich mit guten Gründen vertreten. Das Besondere an der Kunst des Landshuters Koenig (1924-2017) ist ein schwebendes Ausharren in machtvollen Gegensatzspannungen. Formal gesehen ist das die Polarität zwischen geometrischer Reduktion und sinnlicher Rückbindung an die atmende Lebendigkeit des Menschenleibes. Im Ausdrucksgehalt ist es der Antagonismus von strotzender Vitalität und Hinfälligkeit, von sensueller Daseinslust und Vergänglichkeitsschauer, von Eros und Tod. Diese beiden Polaritätsspannungen überlagern und durchdringen einander; keine könnte ohne die andere begriffen werden.

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