Landkreise Rottal-Inn und Passau Risikofaktor Bahnübergang?

Wie sicher sind die Bahnübergänge zwischen Eggenfelden und Passau? Wir haben nachgefragt. (Symbolbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Immer wieder kommt es an der Bahnstrecke zwischen Eggenfelden und Passau zu tragischen Unfällen. Viele Bahnübergänge sind nicht beschrankt oder durch ein Lichtsignal gesichert. Doch ist das tatsächlich ein Grund für Unfälle?

Eine 56-jährige Autofahrerin überquert morgens mit ihrem Auto die Gleise. Dass ein Zug heranbraust, übersieht die Frau. Ihr Auto hat keine Chance gegen die Wucht der Eisenbahn. 200 Meter weit wird der Wagen mitgeschleift, bis der Zug zum Stehen kommt. Noch an der Unfallstelle stirbt die Frau an ihren schweren Verletzungen.

Dieser Unfall, der sich Anfang Juli bei Kühnham ereignete, ist leider keine Seltenheit. Zu oft kommt es in den Landkreisen Passau und Rottal-Inn zu tödlichen Kollisionen mit Zügen. Schuld daran seien zu schwach gesicherte Bahnübergänge. Das sieht zumindest der Landtagsabgeordnete von den Grünen Toni Schuberl so. Er fordert Abhilfe. Und nimmt in seine Medienmitteilung gleich im ersten Satz Andreas Scheuer in die Pflicht.

"Im Wahlkreis von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer liegt eine der gefährlichsten Eisenbahnstrecken Deutschlands", schreibt er am 11. Juli. "Allein auf der Strecke zwischen Passau und Eggenfelden gibt es 105 Bahnübergänge, davon haben lediglich 36 Schranken oder Lichtzeichen, alle anderen haben nur ein Andreaskreuz."

Laut Toni Schuberl sei dies auf vielen Ebenen problematisch. Das mache die Züge langsam, laut und gefährlich, weil sie abbremsen und hupen müssen, aber trotzdem immer wieder Unfälle geschehen. Die Rottalbahn wäre aus Sicht Schuberls jedoch eine wichtige Verkehrsverbindung, um die massiven Pendlerströme nach Passau zu reduzieren. Dazu müsse sie jedoch schneller, leiser und sicherer werden.

Dass er dies im Wahljahr 2021 gleich zur Personalfrage werden lässt, verwundert nicht. „Wir brauchen endlich einen Verkehrsminister, der die Probleme auf der Schiene im Passauer Land löst“, fordert er daher.

Faktenlage zur Gefahr unbeschrankter Bahnübergänge

Wir nahmen dies zum Anlass und haben beim Polizeipräsidium Niederbayern nachgefragt: Wie gefährlich ist die Bahnstrecke zwischen Eggenfelden und Passau wirklich?

Ein Blick in das Vorjahr liefert erste Hinweise. So ereigneten sich im Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern "insgesamt 13 Verkehrsunfälle an Bahnübergängen, davon sechs mit Personenschaden und sieben mit Sachschaden. Bei den sechs Verkehrsunfällen mit Personenschaden wurden zwei Personen getötet und sechs Personen leicht verletzt", teilt die Behörde mit. Bei den beiden Getöteten handelte es sich um Jugendliche, die trotz gesenkter Schranke zu Fuß über die Gleise gehen wollten und von einem Zug erfasst wurden.

An fehlenden Lichtzeichen oder Schranken lag es also nicht. Der Blick ins aktuelle Jahr zeichnet ein ähnliches Bild.

Im ersten Halbjahr 2021 haben sich im Zustandigkeitsbereich des Präsidiums insgesamt sechs Verkehrsunfälle an Bahnübergängen ereignet. "Nach einer Einzelauswertung konnte ich hier zwischen beschrankt und unbeschrankt unterscheiden", so Polizeioberkommissar Maximilian Bohms. "Bei allen sechs Unfällen waren entsprechende Lichtzeichenanlagen in Betrieb. Bei vier Unfällen waren auch Schranken vorhanden, die entweder gerade abgesenkt wurden oder bereits waren."

Die Zahlen bestätigen keine regional höhere Gefahr durch unbeschrankte Bahnübergänge.

Fazit zum vermeintlichen Unfallschwerpunkt Rottal-Bahn

Auf der Bahnlinie zwischen Eggenfelden und Passau ereigneten sich im ersten Halbjahr 2021 insgesamt vier Verkehrsunfälle, davon zwei mit drei leicht verletzten Personen.

Laut Maximilian Bohms sei "aufgrund der geringen Anzahl von Unfällen dennoch keine Unfallschwerpunkte an beschrankten beziehungsweise unbeschrankten Bahnübergängen oder an der Bahnstrecke Eggenfelden-Passau auszumachen."

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