Landkreise Kelheim und Landshut Alternative Friedhofsgestaltung

Friedhof Eremia in Unterlenghart. Foto: Alex Bauer

Der Friedhof. Ein Ort der Stille, Besinnung, des Gedenkens, aber auch der Trauer. Eine Begegnung mit der Vergänglichkeit des eigenen Lebens und derer unserer Liebsten. Doch nicht immer muss ein Friedhof auch dieses Gefühl der Schwere oder Bedrückung ausstrahlen und vermitteln. Zwei Friedhöfe – der Naturfriedhof Eremia in Bruckberg und der Alte Friedhof in Saal an der Donau – weichen von anderen Gedenkstätten ihrer Art ab und eröffnen eine neue Sichtweise auf die letzte Ruhe.

In Unterlenghart, einer Gemeinde von Bruckberg, befindet sich Eremia – mitten in den Isarauen. Nach einem kurzen Aufmarsch, vorbei an einer kleinen Weide mit Kühen, erreichen wir den Waldfriedhof. Es wirkt alles ziemlich schlicht. Keine großen, prunkvollen Gräber, wie man sie von herkömmlichen Friedhöfen kennt. An den einzelnen Bäumen befinden sich in den Boden gesteckte Täfelchen mit Namen, Geburts- und Sterbedaten, schlichte Blumen, vereinzelt Kreuze und kleine Ornamente aus Holz.

Besondere Grabpflege

Julian Franke, der Sohn von Biwi Köppel, dem Schöpfer von Eremia, führt uns durch den Friedhof und erklärt uns, was die Ruhestätte ausmacht: „In diesem Waldfriedhof ist besonders, dass die Pflege die Natur übernimmt. Man muss gar nicht viel machen, man kann pflegen, mit Waldblumen und Pflanzen beispielsweise, aber der Wald übernimmt eigentlich die Pflege selbst.“ Die Natur liefert abhängig von der Jahreszeit unterschiedliche Schauspiele, die die Optik der Gräber verändern: Die Insekten im Sommer, das bunte Laub im Herbst, der Schnee im Winter oder der Frühling, der alles wieder grün werden und erblühen lässt.

„Bei uns ist es wichtig, dass der Wald ein Wald bleibt und seine Würde erhalten bleibt“, so erläutert Julian uns die Philosophie von Eremia. Gipsengel oder größere Veränderungen am Grab seien demnach nicht erlaubt. Wer dennoch Grabpflege betreiben will, kann Waldpflanzen oder Schnittblumen ablegen. Die Regeln sind streng, aber haben einen verständlichen Hintergedanken: „Wenn Jeder sein eigenes macht, dann verliert der Wald, was ihn eigentlich ausmacht, und deswegen müssen wir darauf achten, dass alles sehr waldnah bleibt“.

Spaziergang statt bloßer Grabbesuch

Der Waldfriedhof besteht aus zwei großen Gebieten: Dem Trauerwald und dem Kunstwald. In letzterem sind keine Grabstätten, sondern Kunstwerke von Biwi Köppel zu finden. Auch der Trauerwald an sich ist in einzelne Bereiche unterteilt, darunter die Weiße Wolke, die Feenwiese, das Buchenfeuer, der Maronigarten oder Golgatha. Diese unterscheiden sich nicht nur vom Namen her, sondern auch in Bezug auf die dortigen Baumarten, ihre Lage und dadurch auch auf die generelle Stimmung, die sie vermitteln.

Es ist angedacht, dass man nicht nur ein einzelnes Grab besucht und anschließend wieder den Heimweg antritt, wie man es von klassischen Friedhöfen gewohnt ist. Stattdessen lädt der Wald zu einem kleinen Spaziergang ein, bei dem man den Verstorbenen gedenken, verschiedene Eindrücke der Natur erleben und das Zwitschern der Vögel genießen kann. Ein alternatives Konzept von Friedhof, aber dennoch eine Ruhe in Frieden.

Alter Friedhof erstrahlt in neuem Licht

Auch in Saal an der Donau dient der Alte Friedhof nicht mehr ausschließlich dem Gedenken an Verstorbene. Im Jahr 2014 bewarb sich die Gemeinde für das Leader-Förderprogramm, mit dem Gedanken, den alten Friedhof zu erhalten und zu sanieren.

Seit etwa 60 Jahren finden hier keine Bestattungen mehr statt. Bei einer Umgestaltung wurde eine Freilichtbühne, ein Arkadengang und ein Wasserlauf ergänzt, die dem Friedhof eine neue Bedeutung zuweisen: Er soll einladen, die Geschichte der Gemeinde am eigenen Leib zu erfahren. Täfelchen am Arkadengang zeigen die Geschichte von Saal anhand wichtiger Eckpunkte auf und auch die Inschriften an den einzelnen Grabsteinen lassen erahnen, wie die frühere Bürgerschaft aufgebaut war.

Lesen Sie den vollständigen Artikel im NIEDERBAYERN TV Magazin, Ausgabe 9.

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