Landkreis München Forschungsreaktor mit hochangereichertem Uran

Der Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München soll bis auf Weiteres mit hochangereichertem Uran laufen. Umweltschützer kritisierten am Donnerstag, eine Vereinbarung des vormaligen CDU-geführten Bundesforschungsministeriums und des bayerischen Wissenschaftsministeriums lege keinen verbindlichen Umrüstungstermin fest. Damit werde erneut versucht, atomrechtliche Bestimmungen zu unterlaufen.

Wegen der Nutzung von mit zu 93 Prozent angereichertem Uran ist der Reaktor umstritten. Atomgegner sprechen von waffenfähigem Material. Sie klagen vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gegen den Betrieb, der seit 2010, spätestens aber seit Ende 2018 illegal sei. Es müsse mindestens auf unter 50 Prozent angereichertes Material verwendet werden. Die Betriebsgenehmigung von 2003 gab vor, baldmöglichst auf einen niedriger angereicherten Brennstoff umzurüsten.

Die Vereinbarung von 2020, die erst jetzt bekannt wurde, sei ein weiterer Versuch der TU München als Betreiberin, die Umrüstung hinauszuzögern, sagte Richard Mergner, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern. Die Grünen-Abgeordnete im Landtag, Rosi Steinberger, sprach von einem herben Rückschlag für den weltweiten Versuch, die Verbreitung von atomwaffenfähigem Material einzuschränken. Hauke Doerk vom Verein Umweltinstitut München, kritisierte, die Öffentlichkeit sei nicht informiert worden.

Der Reaktor, der wegen der Pandemie und zur Behebung von Schäden seit 2020 stillsteht, soll dieses Jahr wieder anfahren - mit dem bisherigen Brennstoff. FRM II-Sprecherin Anka Görg sagte, es werde unter Hochdruck an einem neuen Brennstoff gearbeitet. Drei Alternativen würden auf ihre Tauglichkeit untersucht. Zum Jahresende sollten die Ergebnisse vorliegen, dann entscheide die Politik. Görg betonte, das hoch angereicherte Material sei in diesem Zustand nicht waffenfähig.

Dem Vernehmen nach könnte der Prozess bis zu einer tatsächlichen Umstellung Jahre dauern. Umstritten ist, wie aufwendig die Umrüstung ist. Umweltschützer sagen, dies sei vergleichsweise einfach. Görg erläuterte hingegen, der Brennstoff müsse zuvor qualifiert und industriell herstellbar sein. "Wann ein fertiges Element mit dem neuen Brennstoff im Reaktor eingesetzt wird, kann man aufgrund des Qualifizierungsverfahrens nicht sagen."

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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