Landkreis Landshut Putz und Dreier fordern schnellen Impfstoffnachschub

Die Verteilung des Corona-Impfstoffs sorgt auch in der Region Landshut für Spannungen. Landrat Dreier und Oberbürgermeister Putz kritisieren das Hick-Hack um die Liefertermine mit deutlichen Worten. (Symbolbild) Foto: dpa

Mit deutlichen Worten haben der Landshuter Landrat Peter Dreier und Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz die Verzögerungen bei der Vergabe des Impfstoffs kritisiert. In den Impfzentren in Stadt und Landkreis könnten täglich hunderte Menschen gegen das Coronavirus geimpft werden - dafür reicht der Impfstoff aktuell aber bei Weitem nicht aus. 

Die Liefertermine des Impfstoffs sorgten bereits am Mittwoch für deutliche Spannungen. So verlautete aus dem Bundesgesundheitsministerium zunächst, dass eine für die erste Januar-Woche geplante Lieferung ausfallen würde. Nach Kritik aus mehreren Bundesländern - darunter auch Bayern - ruderte das Ministerium zurück. Nun soll es doch schon am 8. Januar eine neue Lieferung des begehrten Impfstoffs geben - danach dann aber erst wieder am 18. Januar.

Alexander Putz und Peter Dreier haben für dieses Vorgehen keinerlei Verständnis, wie sie in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung betonen: „Tag für Tag sterben in Deutschland etwa 1.000 Menschen an oder mit dem Coronavirus, auch in Stadt und Landkreis Landshut sind beinahe täglich Opfer zu beklagen. Trotz aller Einschränkungen bleibt die Zahl der Neuinfektionen auf einem viel zu hohen Niveau. Jeder Tag Verzögerung bei den Impfungen kostet also Leben, verursacht großes Leid für unzählige betroffene Familien und zwingt uns darüber hinaus eine Verlängerung der leider alternativlosen Beschränkungen bis hin zum Lockdown auf – mit allen negativen Folgen für die Zivilgesellschaft, die Wirtschaft und die Bildungschancen unserer Kinder.“

"Das ist ziemlich dilettantisch"

Alexander Putz wird auf Nachfrage unserer Zeitung sogar noch deutlicher: "Ich finde es unglaublich, wie kurzfristig hier die Informationen tröpfeln. Das Ganze sieht nach Plan- und Hilfslosigkeit aus", so der OB. Hätte der Bund von Anfang an eingestanden, dass erst Mitte Januar großflächig mit dem Impfen begonnen werden kann, hätte man anders mit der Situation umgehen können. "Aber so zu tun, als erfolgte am 27. Dezember der 'große Start', um danach einzugestehen, dass es hinten und vorne am Nachschub mangelt - das ist ziemlich dilettantisch", findet Putz. 

Der Oberbürgermeister und der Landrat formulieren deswegen eine deutliche Forderung in Richtung Berlin: „Die Bundesregierung steht in der Pflicht, unverzüglich eine lückenlose Lieferkette für den Impfstoff sicherzustellen und ihre ursprünglich kommunizierten Zeitpläne einzuhalten.“ Darauf hätten sich die Länder ebenso wie die kreisfreien Städte und Landkreise verlassen. „Unsere Impfzentren vor Ort sind – wie von Bund und Freistaat gefordert – bereits seit 15. Dezember einsatzbereit, wir könnten ab sofort täglich hunderte Menschen impfen“, sagen Putz und Dreier. „Woran es jetzt noch mangelt, ist allein der Impfstoff. Dieses Problem fällt in die Zuständigkeit des Bundes, der daher schnell eine tragfähige, dauerhafte Lösung finden muss.“

Andernfalls laufe die Politik Gefahr, das Vertrauen der breiten Bevölkerungsmehrheit leichtfertig zu verspielen. „Bisher ziehen weite Teile der Bürgerschaft beim Infektionsschutz vorbildlich mit. Ihnen, vor allem aber auch den Ärzten und dem Pflegepersonal in den Krankenhäusern, die sich seit einem Dreivierteljahr bis zur Erschöpfung um schwerkranke Covid-19-Patienten kümmern, sind wir es schuldig, die Impfungen so rasch wie irgend möglich voranzutreiben“, mahnen Putz und Dreier. Denn: „Einen anderen Weg aus der Pandemie und damit zurück zum normalen Leben gibt es nicht.“

OB und Landrat wollen nun aufs Temp drücken

Dieser Weg sei ohnehin weit und erfordere Geduld – selbst wenn der Bund die aktuell bestehenden Lieferengpässe beseitigen und Impfstoff im zugesagten Ausmaß zur Verfügung stellen würde, so OB und Landrat weiter. Das verdeutlichen die Zahlen für die Region Landshut: „Allein in der Stadt gehören etwa 7.000 Personen der höchsten Priorisierungsstufe 1 an. Sie sind also entweder über 80 Jahre alt oder Bewohner beziehungsweise Beschäftigte eines Seniorenheims oder haben als Ärzte und Pfleger in einem Krankenhaus direkten Kontakt mit Covid-19-Patienten. Geht man in dieser Priorisierungsgruppe von einer Impfbereitschaft von 70 Prozent der Berechtigten aus, wären das in Landshut rund 5.000 Menschen. Weil für jeden zwei Impfungen erforderlich sind, bräuchten wir also circa 10.000 Impfdosen, um alle aus der höchsten Priorisierungsstufe zu impfen, die das möchten“, rechnet Putz vor.

Bislang seien der Stadt bis inklusive der dritten Kalenderwoche 2021 jedoch nur rund 1.500 Dosen in Aussicht gestellt worden. Danach könne die Stadt Landshut nach jetzigem Stand mit wöchentlich etwa 600 Dosen kalkulieren. „Das heißt: Es würde bis April dauern, ehe wir die Impfwilligen der höchsten Priorisierungsstufe versorgt haben.“ Alle anderen Bürger müsse man dann entsprechend länger vertrösten.

Das könne nicht das letzte Wort sein, finden Putz und Dreier: „Unser Anspruch muss es sein, im Interesse der Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger jetzt aufs Tempo zu drücken und aufzuholen“. Die Landkreise und kreisfreien Städte hätten mit den vom Freistaat finanzierten Impfzentren binnen kürzester Zeit die erforderliche Infrastruktur für die bundesweite Impfkampagne geschaffen und auch das nötige medizinische Personal dafür akquiriert. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass bei uns auch nichts ruckeln wird, sondern dass alles gut funktioniert", so Dreier und Putz. "Jetzt muss aber der Bund seinen Teil beitragen – und der besteht darin, die schnelle und flächendeckende Versorgung mit Impfstoff sicherzustellen. Das wäre unser Wunsch für den Beginn des Jahres 2021.“

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