Landesliga Südost Tomas Zapotocny: 20 Prozent Talent, 80 Prozent Arbeit

Spielt seit Sommer für den TSV Bogen: Innenverteidiger Tomas Zapotocny. Foto: Charly Becherer

Tomas Zapotocny hat eine erfolgreiche Profikarriere hinter sich. Er feierte Aufstiege, Meisterschaften und Pokalsiege. Seit dem Sommer spielt er in der Landesliga für den TSV Bogen.

Als Tomas Zapotocny im Juni probeweise beim Landesligisten TSV Bogen mittrainierte, da hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Nicht nur, weil er als ehemaliger Profifußballer viel Qualität mitbrachte. Sondern vor allem, weil er es als ältester Spieler war, der am Ende des Trainings noch die Trainingsutensilien wegräumte. Dass Zapotocny das weiterhin macht, auch nachdem er vom Landesligisten fest verpflichtet worden ist, spricht für den Charakter des 38-jährigen Tschechen. „Mit Zapo haben wir einen Glücksgriff getätigt. Er steht für Werte und eine tolle Einstellung – und ist darüber hinaus natürlich auch sportlich eine Top-Verstärkung für unser Team“, sagt Sportdirektor Helmut Muhr.

Es ist durchaus als Coup zu bezeichnen, was den Rautenstädtern im Sommer mit der Verpflichtung Zapotocnys gelungen ist. Der Innenverteidiger hat eine lange Karriere im Profifußball hinter sich, gewann Titel in der Türkei und seinem Heimatland Tschechien. Er war Nationalspieler und lief in der Champions-League-Qualifikation auf. Warum es ihn dann ausgerechnet nach Bogen verschlug? „Ich wollte noch einmal etwas anderes sehen. Aus Deutschland hatte ich zwei Angebote und habe mich dann für Bogen entschieden, weil sie sich sehr um mich bemüht haben", erklärt er.

Zapotocny ist neben Pepe Warminski und Torhüter Lukas Krbecek der einzige Spieler im Bogener Kader, der bislang alle Ligaspiele bestritten hat. Das unterstreicht, mit welcher Einstellung er an diese Aufgabe herangegangen ist. Das Niveau in der Landesliga hat ihn dabei durchaus überrascht. „Als ich hergekommen bin, dachte ich, ich könnte locker mitspielen“, sagt er, und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: „Aber das ist überhaupt nicht der Fall. Das Niveau ist gut, ich würde es zwischen der zweiten und dritten tschechischen Liga einordnen. Jedes Team hat junge Spieler, die sich beweisen wollen. Da muss ich viel mit meinem Kopf und meiner Erfahrung lösen.“

Viel Erfahrung, gute Einstellung

Für Zapotocny war es eine große Umstellung. Trainierte er als Profi noch nahezu täglich, so sind es nun nur noch ein oder zwei Mal, die er pro Woche die rund 165 Kilometer lange Strecke von seinem Heimatort Pribram nach Bogen zurücklegt. In der Bogener Mannschaft will er vor allem seine Erfahrung einbringen und eine gute Arbeitseinstellung vorleben. „Unsere vielen jungen Spieler können sich von Zapo einiges abschauen in Sachen Einstellung und Mentalität“, sagt Sportdirektor Muhr. Und Trainer Stefan Dykiert meinte im Laufe der Vorrunde einmal: „Bei dem, was er schon alles erlebt hat, strahlt er schon auf die Mitspieler aus. Wenn Zapo im Spiel etwas sagt, dann wird das gemacht.“

Was dem erfahrenen Defensivakteur an der neuen Liga besonders gefällt, ist die Einstellung der Spieler. „Ich liebe die Mentalität hier“, sagt er. Auch in Bogen war er über die Charaktere positiv überrascht, wie er sagt und nennt als Positivbeispiele Kapitän Balthasar Sabadus und Patrick Fuchs. "Jeder arbeitet hart und will immer einhundert Prozent geben."

In Tschechien sei das größtenteils anders. „Wir haben bei jungen Spielern einige Probleme. Die sehen meistens erst das viele Geld oder das große Auto, vergessen dabei aber den Weg, den sie dafür zurücklegen müssen.“ Bei Zapotocny war das schon immer anders. „Ich hatte nie das größte Talent“, blickt er zurück. Bei ihm seien vielleicht 20 Prozent Talent gewesen, aber 80 Prozent harte Arbeit. So hat er sich Schritt für Schritt nach oben gekämpft und eine Laufbahn hingelegt, mit der er „sehr zufrieden“ ist.

Er begann in der Jugend seines Heimatclubs Pribram. Über Liberec, wo er zum Schluss Kapitän war und zweimal tschechischer Meister wurde, läutete er eine internationale Karriere ein. Er spielte in Italien für Udinese Calcio, stand Weltstars wie Francesco Totti, Pavel Nedved oder Clarence Seedorf gegenüber. „Das war einfach super“, sagt er.

Zweimal Meister in der Türkei

Seine schönste Zeit erlebte er aber in der Türkei. Hier wurde er zweimal Pokalsieger mit Besiktas Istanbul und zweimal Meister, einmal mit Besiktas und einmal mit Bursaspor. „In der Türkei war ich mit meiner Familie sehr glücklich“, sagt der Vater von drei Kindern (Adela/15, Filip/10 und Agata/6). Seiner Frau Vendula ist Zapotocny unheimlich dankbar, „dass sie mit mir überall hingekommen ist.“ In die Türkei kehrt die Familie immer wieder zurück, um Urlaub zu machen. „Die türkischen Menschen sind beeindruckend“, sagt er. Fußball sei für sie ganz klar die Nummer eins, als Profifußballer werde man überall erkannt.

In Istanbul hat Zapotocny nicht nur an der Seite von Spielern wie Ricardo Quaresma oder Guti gespielt, sondern auch unter dem deutschen Trainer Bernd Schuster. Für den Verteidiger ist Schuster der Trainer, der ihn während seiner Laufbahn am meisten beeindruckt hat: „Die Zeit unter Bernd Schuster war wunderbar. Er hat einen sehr guten Charakter und hat viel mit uns Spielern gesprochen.“

Im Winter 2011 kehrte Zapotocny in die tschechische Heimat zurück und spielte zweieinhalb Jahre für Sparta Prag. Dann wechselte er zu seinem Heimatclub 1. FK Pribram. In der Saison 2016/17 lief er noch ein Jahr für Banik Ostrau auf, mit denen er den Aufstieg von der zweiten in die erste Liga schaffte, kehrte nach einem Jahr nach Pribram zurück und schaffte dort das Gleiche. Damit hat sich für Zapotocny ein Kreis geschlossen. Mit dem Aufstieg seines Jugendclubs in die 1. Liga hat er seine Profilaufbahn beendet.

Neue Karriere als Trainer

Erhalten geblieben ist er dem Verein aber dennoch. Denn Zapotocny arbeitet derzeit an seiner zweiten Karriere als Trainer. Er macht gerade die A-Lizenz und will später auch die Profi-Lizenz machen. Derzeit coacht er die U17-Mannschaft Pribrams in der höchsten tschechischen Jugendliga und ist als Co-Trainer von Josef Csaplar beim Profiteam tätig. Schritt für Schritt wolle er die Laufbahn beginnen, sagt er. „Zunächst möchte ich ein guter Assistent sein und dann später selbst Profitrainer werden.“

Seinen Spielern will er vor allem eines vermitteln: eine gute Mentalität und einen guten Charakter. „Die Spieler haben Talent. Aber für mich stehen Mentalität, Charakter und Arbeitseinstellung an erster Stelle“, betont er. Seine Spieler dürften auch Fehler machen. „Aber ich will, dass sie arbeiten, arbeiten, arbeiten“, sagt der 38-Jährige, dessen Lieblingstrainer Jose Mourinho ist. Zapotocny lebt diese Einstellung auch als Trainer vor. „Trainer sein ist kein einfacher Job. Deshalb will ich jetzt viel lernen und arbeiten.“ Zudem wolle er sein Englisch aufbessern, damit er auch international als Trainer tätig sein könne. Am liebsten würde er einmal für einen türkischen Club arbeiten.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal stehen bei ihm die Trainer-Ausbildung, sein Job als Trainer in Pribram sowie der TSV Bogen im Fokus. Diese Saison bei der Rautenelf wird seine letzte als Aktiver sein. Derzeit steht die Mannschaft mit 27 Punkten nach der Hinrunde gut da. Zapotocny ist mit der bisherigen Saison zufrieden. 17 Spiele hat der Innenverteidiger mit Bogen nun noch vor sich. Danach wird er sich voll seiner neuen Laufbahn als Trainer widmen – und hat dann vielleicht auch wieder ein bisschen mehr Zeit für sein Hobby neben dem Fußball: Fischen.

 
 
 

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