Landeskirche Vorbereitungen für Missbrauchs-Kommission auf Zielgeraden

Die evangelische Kirche ist erst nach der katholischen vom Thema Missbrauch eingeholt worden. Hunderte Fälle sind ans Licht gekommen, die Dunkelziffer wird als hoch eingeschätzt, die Aufarbeitung läuft. Ein wichtiger Schritt - auch für die Betroffenen - steht nun bald an.

Die Vorbereitungen für eine Missbrauchs-Kommission der evangelischen Landeskirchen in Baden, Württemberg, der Pfalz und Bayern sind auf der Zielgeraden. "Eine entsprechende Vereinbarung ist in Bearbeitung", sagte ein Sprecher der bayerischen Landeskirche. Die Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs müsse den Plänen noch zustimmen. Bis zum Sommer soll der Entwurf auch mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) abgestimmt werden, teilte eine Sprecherin der badischen Landeskirche in Karlsruhe mit.

Ein wesentliches Ziel sei, dass Betroffene in die Arbeit der Kommission eingebunden werden. "Personen aus dem Kreis der Betroffenen werden gleichberechtigte Mitglieder der Kommission sein", hieß es. Um eine unabhängige Aufarbeitung zu gewährleisten, solle eine kirchlich unabhängige, gesellschaftlich bekannte und anerkannte Person den Vorsitz der Aufarbeitungskommission übernehmen. Die Landesregierungen sollen diese und weitere Experten benennen.

"Das Gelingen der Aufarbeitung hängt entscheidend davon ab, dass die Arbeit der Kommission die Bedürfnisse und Situation von Betroffenen berücksichtigt und auf Augenhöhe einbezieht und unabhängig benannte Mitglieder mit kirchenleitenden Personen zusammenarbeiten", sagte die badische Landesbischöfin Heike Springhart. Sie sei froh, dass nun ein Entwurf vorliegt. Im Laufe des Jahres sollten konkrete Schritte folgen.

In der bayerischen Landeskirche sind bislang nach Angaben eines Sprechers 166 Fälle von sexuellem Missbrauch seit den 1950er Jahren bis November 2021 bekannt. Seit 2015 seien in 54 Fällen Anerkennungsleistungen gezahlt worden - insgesamt 1,1 Millionen Euro.

"In unserer Landeskirche arbeitet inzwischen ein Team von zehn Personen an dem Thema Aufarbeitung und Prävention", sagte der Sprecher. "Es ist eine Aufgabe, der wir uns selbstverständlich stellen, das bereits seit vielen Jahren, und die uns leider noch länger beschäftigen wird."

Die katholische Kirche ist bei dem Thema schon etwas weiter, weil der Missbrauchsskandal hier früher ans Licht kam. Die bisher bekannten Zahlen lassen auch auf eine größere Dimension schließen. Ein Aufsehen erregendes Gutachten listete im Januar dieses Jahres mindestes 497 Opfer und 235 mutmaßliche Täter im Zeitraum zwischen 1945 und 2019 auf - allein für das katholische Erzbistum München und Freising.

Nicht zuletzt wegen der Missbrauchsfälle und der schleppenden Aufarbeitung verlieren die christlichen Kirchen zusehends Mitglieder.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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