Antisemitismus-Skandal documenta: Forderungen reichen von Dialog bis Schließung

Nach dem Abhängen des umstrittenen Großbanners "People's Justice" bleiben auf dem Friedrichsplatz in Kassel das leere Gerüst sowie die Ständer für die ebenfalls entfernten Pappfiguren zurück. Foto: Uwe Zucchi/dpa

Gespräche mit Vertretern jüdischer Gemeinden sollen den documenta-Skandal in konstruktive Bahnen lenken. Gleichzeitig kritisiert Hessens Kunstministerin aber die Form, die der Streit um die Verantwortlichkeiten inzwischen angenommen hat.

Während der Streit um die Verantwortlichkeiten bei der documenta weitere Wellen schlägt, sollen Gespräche von Hessens Kunstministerin mit Vertretern jüdischer Gemeinden die Aufarbeitung des Antisemitismus-Skandals voranbringen.

"Wir haben unseren Standpunkt sehr deutlich gemacht, dass es nun nach der allgemeinen ersten Empörung auch personelle Konsequenzen geben muss", teilte der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, Salomon Korn, am Donnerstag mit. Zuvor fand am Dienstag ein Treffen der Vorstände des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Hessens und der Jüdischen Gemeinde Frankfurt mit Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) statt.

Wer ist verantwortlich?

Dorn sagte der dpa am Donnerstag, ihre Priorität sei es derzeit, "Gespräche zu führen, unter anderem mit Vertretern der jüdischen Gemeinden in Hessen und des Zentralrates der Juden, und die Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten innerhalb der documenta gGmbH voranzubringen". Gleichzeitig kritisierte sie den Streit von Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) und Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) über die Verantwortlichkeiten bei der documenta.

"Es braucht aktuell ein Wirken beider Gesellschafter in Kooperation mit dem Zuwendungsgeber des Bundes, die der Bedeutung der documenta als einer der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt gerecht werden und der Tatsache Rechnung tragen, dass hier üble antisemitische Bildsprache zu sehen war", erklärte Dorn, die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der documenta ist.

Nachdem ein als antisemitisch eingestuftes Kunstwerk auf der documenta in Kassel abgebaut worden war und es bereits seit Monaten Antisemitismus-Vorwürfe gegen das indonesische Kuratorenkollektiv Ruangrupa gegeben hatte, forderte Roth mehr Einfluss der Bundesregierung auf die Schau. Sie droht, andernfalls den Geldhahn zuzudrehen. Während die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Dorn die Forderungen Roths unterstützt, lehnt der Aufsichtsratsvorsitzende, Kassels Oberbürgermeister Geselle, sie vehement ab. In einem Brief an Roth zeigte er sich "stark irritiert" von deren Verhalten und kündigte an, notfalls auf die finanzielle Unterstützung Berlins zu verzichten.

Bessere Aufstellung der Gremien verlangt

Dorn sagte, ihr fehle auch deshalb das Verständnis dafür, "wie einige die Debatte über die dringend nötige bessere Aufstellung der documenta-Gremien jetzt führen", weil sich das Land Hessen und die Stadt Kassel als Gesellschafter schon nach der documenta 14 im Jahr 2017 einig darüber gewesen seien, zusätzlich zu den eigenen Vertretern auch bundesweite und internationale Expertise in den Aufsichtsrat einzubeziehen. "Auch Herr Geselle hatte sich der Sicht angeschlossen, dass sich die Rolle der documenta als eine der weltweit bedeutendsten Kunstausstellungen im Aufsichtsrat widerspiegeln muss."

Es brauche eine ernsthafte Beschäftigung damit, warum die Bilder gezeigt werden konnten und wie in Zukunft dafür gesorgt wird, dass die documenta nicht von weiteren antisemitischen oder anderen menschenfeindlichen Ausfällen überschattet werde.

Die Verantwortlichen, allen voran die documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann, hätten grob fahrlässig gehandelt und nach Bekanntwerden des antisemitischen Eklats durch relativierende Äußerungen wenig Einsicht bewiesen, sagte Korn von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. "Nun gilt es die Versäumnisse aufzuarbeiten, damit so etwas nie wieder passieren kann."

Die AfD-Fraktion im Hessischen Landtag forderte derweil erneut, die documenta sofort zu schließen und erst nach einer gründlichen Überprüfung wieder freizugeben. "Solange die Gefahr besteht, dass auf der documenta Kunstobjekte mit antisemitischen Aussagen gezeigt werden und sie damit zur Bühne für antijüdische Ressentiments degradiert wird, darf sie ihre Pforten nicht noch einmal öffnen", sagte der kulturpolitische Sprecher der Partei, Frank Grobe, laut Mitteilung.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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