Ekel-Museum in Malmö Ausstellung menschlicher Grausamkeit

Es ist also nicht nur eine reine Speisen-Schau, sondern auch eine Ausstellung menschlicher Grausamkeit. Darüber sollen Besucher nachdenken, sagt Samuel West, während er zwischen den Exponaten herumspringt und zum Anfassen, Riechen und Probieren animiert. Was essen wir eigentlich? Wo kommt es her? Und welche Auswirkungen haben unsere Essgewohnheiten auf die Umwelt?

Klar ist, sagen West und Kompagnon Andreas Ahrens, die Menschheit muss ihre Fleischproduktion verringern. Und eine nachhaltigere Proteinquelle liefern sie gleich mit. Larven, Heuschrecken und Maden seien ebenso gut essbar, aber ihre Produktion nicht so schädlich für die Umwelt.

Beim Gang durch die Ausstellung wird nicht nur die Nase durch zahlreiche Geruchsproben gefordert, etwa am Altar des stinkenden Käses. Auch die Emotion des Ekels an sich wird erforscht und erklärt. Den Machern geht es um die Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen. Besucher sollen sehen, dass Ekel in jedem Land anders ist. "Ekel ist eine kulturelle Sache", sagt Samuel West. Man mag das Essen, mit dem man groß wird. Was des einem Delikatesse ist, mag beim anderen allerdings zu heftigen Würgereaktionen führen.

Interesse vor allem aus China, Japan und Kanada

Beispiel Root Beer: Als halber US-Amerikaner liebt West das süße Gebräu. Seine schwedischen Freunde können es nicht leiden. Salziges Lakritz, für viele Skandinavier ein Leckerbissen, finden dagegen viele andere Menschen auf der Welt ganz und gar nicht lecker. Es muss nicht immer gleich ein in Tomatensoße schwimmendes Schafsauge sein.

West hofft, dass wenn sich Menschen mit der Ambivalenz von Ekel auseinandersetzen, sie eines Tages vielleicht auch bereit sind, Insekten als Nahrung zu akzeptieren. "Ich erwarte keine Wunder", sagt er. "Aber ich hoffe das Museum setzt einige Diskussionen in Gang."

Am Probiertisch warten an diesem Tag Schweinehirn, Insektenlarven, stinkende Durianfrucht, Gammelhai oder Tausendjährige Eier aus China. Das Interesse ist groß, für besonders wagemutige Besucher gibt es teils Szenenapplaus - auch wenn mancher Bissen dezent in der Spucktüte landet. Der übelriechende Gammelhai jedenfalls schmeckt dem Vernehmen nach viel besser, als er riecht.

Das Museum des ekligen Essens in Malmö hat noch bis Ende Januar geöffnet und will dann in eine andere Stadt ziehen. Wo das sein wird, steht noch nicht fest. Samuel West berichtet von Interesse aus Japan, China oder Kanada, aber auch aus Süddeutschland.

 
 

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