Tatort-Kritik zu "Saras Geständnis" Plötzlich ein überzeugendes Beziehungsdrama

Eva Löbau spielt Kommissarin Franziska Tobler und Hans-Jochen Wagner spielt Kommissar Friedemann Berg. (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Die Täterjagd ist beim Tatort "Saras Geständnis" nicht gerade fesselnd – eher das zunächst verworrene Beziehungsgeflecht der Figuren, das sich langsam löst. Die beiden Kommissare aus dem Südwesten überzeugen mit badischer Gemächlichkeit in einer sonst so lauten Welt.

Vier Jahre lang war Verleger-Erbin Sara Manzer (Johanna Wokalek, "Die Päpstin") wegen Totschlags im Suff an ihrem Vater in Haft. Nach der Entlassung will sie nach vorn schauen, hofft auf Unterstützung für ihr neues Leben – vor allem durch Freundin Marlene (Sophie Lutz), die ihr Unterschlupf gewährt. Sara wird aber auch von ihrem Ex-Mann Derek (Michael Klammer) und Tochter Evi (Samirah Breuer) gütig aufgenommen.

Aus dem einstigen sexy Partygirl aus gutem Hause ist eine introvertierte Frau geworden, die kaum Nähe zulässt. Nur kurz spielen Autorin Astrid Ströher und Regisseur Kai Wessel diesen Gegensatz aus, denn die Gegenwart scheint spannender. Ines Kaiser (Annette Strasser) ist seit dem Gefängnis mit Sara befreundet und hat ihr einen Spülküchenjob verschafft.

Sara will ihre Vergangenheit eigentlich ganz schnell abschütteln, doch erneut ist sie in einen Todesfall verwickelt. Die Polizei steht vor der Tür. Ein Beamter wurde erstochen. Saras alte Akten wurden bei ihm gefunden. Die zurückhaltende Frau beharrt darauf, dass sie mit dem Tod des Polizisten Benno Rose nichts zu tun hat. Saras neu begonnenes Leben und damit ihre Resozialisierung wird auf den Kopf gestellt – auch durch Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) und Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner). Zögernd gibt Sara zu, mit Rose vor dessen Tod gesprochen zu haben.

Der Freiburg-"Tatort" kommt mit einer soliden Krimi-Geschichte daher. Getragen wird er von der erstklassigen Johanna Wokalek, welche die Hauptfigur Sara weder als geldgierige Erbin noch als gefallenen Engel oder als wehrloses Opfer spielt. Zudem macht das Buch auf die Diskriminierung von Frauen aufmerksam, die wegen eines ausschweifenden, exzessiven Lebensstils im Boulevard-Sprech allzu oft als "Hure" bezeichnet wurden und noch immer werden.

Stark ist auch Saras Kussszene sowie die Abbildung der Sandkasten-Freundschaft von Sara und Marlene. Nach der Haft müssen sich beide Frauen ganz neu kennenlernen. Das von Autorin Ströher gesponnene feine Beziehungs-Netz der Figuren (und deren Entwicklung) sorgt in diesem ARD-Krimi neben der Tätersuche ebenso für die Spannung. Beruhigend: Die badische Gemächlichkeit der Freiburger Kommissare in einer heutzutage so lauten und turbulenten Welt tut gut. Erst recht sonntagabends.

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