Kritik Wiesbaden-"Tatort": Die Zufälle sind noch größer

Felix Murot (Ulrich Tukur) in einer Szene aus "Tatort: Murot und das Gesetz des Karma". Foto: picture alliance/dpa/HR/ARD/Bettina Müller

Orientierungslos in einem Hotelzimmer aufwachen und nicht wissen, wie man da überhaupt gelandet ist – davon können die Münchner zur Wiesnzeit ein Lied singen. Beim hessischen LKA-Mann Felix Murot braucht es dafür kein Gruppenzechen unterm Zeltdach, da tun es ein Glas Wein an der Hotelbar – und ein paar K.o.-Tropfen, verabreicht von einer Trickdiebin (Anna Unterberger).

Eben noch hat er einen Vortrag über das Thema Prävention und Vorsicht gehalten, aber kaum zur Saaltür raus – Wissen schützt vor Fehlern nicht. Die Diebin fährt mit ihrer Beute – neben Murots Ausweis noch der Laptop eines anderen Herrn – zurück ins ländliche Räuberinnen-Höhlen-Idyll, wo sie an ihren beiden Beutestücken zwei erstaunlich folgenreiche Entdeckungen macht. Eine erstaunt nur sie (das wissen wir als Zuschauer schon), die andere auch den Zuschauer (obwohl wir nach den alten Urlaubs-Filmschnipseln zu Beginn geahnt haben, dass das Drehbuch diesen Schwenk macht).

Man muss bei „Murot und das Gesetz des Karma“ (Buch: Lars Hubrich und Matthias X. Oberg, Regie: Matthias X. Oberg) kurz ein Auge zudrücken, um den Zufall, den uns Max Frisch in „Homo Faber“ servierte, noch mal zu glauben: Die Welt ist groß, aber die Zufälle sind noch größer, und schon kommen zwei einander fremde Menschen mit besonderer Verbindung an einem Ort zusammen. Während Murot (Ulrich Tukur) also möglichen Vater-Unfreuden entgegensieht und sich durch die 90 Minuten grübelt, erledigt Madga Wächter (Barbara Philipp) die Arbeit.

Die führt sie unter anderem zu einer Investment-Firma, die mit dem erbeuteten Laptop erpresst werden sollte. Philipp Hochmair als Boss, der seinem schmierig-hasenfüßigen Handlanger (Thomas Schmauser) die Ohren verdreht wie einst auf dem Schulhof, sind ein seltsames, aber sehenswertes Paar. In beider Leben saust die Erpresserin Eva als wollumflorte, lächelnde Rollschuhläuferin. Sonstige Begegnungen: In der Hotellobby lernen wir gleich zu Beginn ein Kind mit einem Kinderspielzeug aus der Hölle kennen.

Später treffen wir auf einen unheimlichen Bauchredner, der nebenbei in einem Elektrogeschäft arbeitet und neben-nebenbei mit Waffen handelt. Wer Bauchredner schon immer unheimlich fand, wird ihnen nach diesem „Tatort“ nicht weniger voreingenommen begegnen.

 
 
 

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