Krisenmanagement und Mut in der Corona-Krise Nicole Bauer: „Es ist Zeit, über Perspektiven zu diskutieren“

Sieht beim Krisenmanagement der Bundesregierung noch Luft nach oben: Die Veldener Bundestagsabgeordnete Nicole Bauer. Foto: FDP Landshut

Harte Zeiten für Liberale. Im Zuge der Corona-Krise mussten sie mehr Staat zulassen, als es sonst ihren politischen Ansichten entsprechen würde. Für den Moment war es zu Anfang der Krise richtig, sagt Nicole Bauer, Bundestagsabgeordnete für die Freie Demokratische Partei (FDP) aus Velden/Vils und ab 1. Mai Kreisrätin im Landkreis Landshut. Mittlerweile müssten viele Maßnahmen vom Beginn der Krise auf den Prüfstand, die Erstarrung müsse wieder der Zuversicht weichen. Darüber und welche niederbayerischen Leistungen in der Krise sie besonders beeindruckt haben, spricht Nicole Bauer im Interview mit idowa.

Frau Bauer, auch Sie haben die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus mitgetragen. Hat sich Ihre Haltung zu dem Thema in der Zwischenzeit verändert?

Nicole Bauer: Ich fand die Entscheidungen zu Beginn der Ausbreitung, als es tatsächlich auch in Landshut so massiv wurde, als richtig und wichtig an. Denn gerade für uns Liberale, die Freiheit befürworten, gehört auch das Thema Verantwortung und Vernunft dazu. Gerade für uns als Bayern, die direkt an Österreich grenzen und gleich zu Beginn am schwersten betroffen waren. Mittlerweile muss ich sagen, dass alles, was zu Beginn der Krise geboten war, heute nicht mehr zwingend verhältnismäßig sein muss. Trotzdem appelliere ich an die Bürgerinnen und Bürger, mit Vernunft zu handeln, Eigenverantwortung zu üben, gerade wenn es um das Tragen von Masken geht und um das Abstandhalten. Wir wissen nicht, wie sich die Situation entwickelt, aber jeder sollte diesen Beitrag leisten.

„Wir sollten jetzt über eine Öffnung nachdenken“

Setzt man als Liberaler nicht eher auf die Eigenverantwortung statt auf staatliche Eingriffe?

Bauer: Damals waren sie verhältnismäßig. Heute sind sie es aus meiner Sicht nicht mehr. Wir müssen uns heute überlegen, wie wir eine verantwortungsvolle Öffnungsstrategie hinbekommen. Dass wir den Menschen Mut machen und ihnen Perspektiven bieten. Wir brauchen für die Gastronomie, dass die Menschen wieder raus gehen und sich frei bewegen können. Für Eltern, für Familien, brauchen wir ein Datum, wann die Kinder wieder in die Kita oder Schule gehen können. Unternehmen müssen wissen, wann sie ihre Tätigkeit weiterführen können. Was damals richtig war, müssen wir heute auf einen neuen Prüfstand stellen. Die Zahlen haben sich verändert. Deswegen ist es jetzt wichtiger, über Perspektiven für die Menschen in Niederbayern zu diskutieren und nicht mehr zwingend überall Ausgangsbeschränkungen zu verhängen.

Am Donnerstag hat die Regierung die Ausgangsbeschränkung erst mal bis 10. Mai verlängert. Richtige Entscheidung?

Bauer: Jetzt wäre eigentlich der Zeitpunkt, die Strategie von damals auf den Prüfstand zu stellen und eine andere Krisenstrategie anzusteuern. Wir haben auch die Verantwortung für Arbeitsplätze. Ich würde gerne nicht nur über Ausgangsbeschränkungen, sondern verstärkt über Perspektiven im Bundestag diskutieren. Wir sehen es an Österreich, an denen wir uns immer ein Beispiel genommen haben. Sebastian Kurz hat in Europa ein Stück weit den Takt vorgegeben. Spätestens wenn Österreich eine Öffnung macht, sollten wir uns überlegen, wie die Öffnung bei uns stattfinden kann. Mit Verantwortung natürlich – was in Schleswig-Holstein richtig ist, muss nicht zwingend für Bayern gelten. Deswegen braucht es eine regional differenzierte Strategie.

In Krisenzeiten darf auch mal der Staat zu Hilfe kommen, sagt Nicole Bauer. Bei der Gestaltung sei allerdings Vorsicht geboten. Warum Nicole Bauer beim Krisenmanagement der Bundesregierung noch Luft nach oben sieht und warum die Bundesregierung aus ihrer Sicht in der Corona-Krise weitere Experten ins Boot holen sollte, lesen Sie im zweiten Teil des Interviews.

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