Krisenmanagement und Mut in der Corona-Krise „Beim Thema Krisenmanagement ist Luft nach oben“

Wie sehen Sie es als Liberale, dass sich der Staat nun wirtschaftlich sehr stark einmischt. Das Ideal der Liberalen wäre doch eigentlich ein anderes…

Bauer: Dafür ist Lufthansa ein gutes Beispiel. Man hat Lufthansa große Beträge angeboten, an die zehn Milliarden Euro an Staatsbeteiligungen. Lufthansa sagt, sie würden das Geld lieber nicht nehmen, sondern einen Insolvenzantrag stellen. Das ist schon eine Ansage von einer der größten Beförderungsgesellschaften Deutschlands. Die Angst ist, dass der Staat sich in das unternehmerische Geschehen einmischt. Der Staat hat aus unserer Sicht andere Aufgaben. Er muss das Gesundheitssystem fit machen für eine mögliche zweite Welle. Er muss sich mit der Situation in den Kliniken auseinandersetzen. Ich war in Kliniken, die pflegebedürftige Menschen nicht mehr zurück in die Altenheime vermitteln können, weil die Altenheime sagen, dass sie sie nicht isolieren können. Der Staat sollte in diese Dinge investieren. Aber der Staat sollte nicht versuchen, der bessere Unternehmer zu werden.

Peter Altmeier würde Unternehmen verstaatlichen, um sie vor dem Bankrott zu schützen…

Bauer: In Form von stillen Beteiligungen durchaus eine Möglichkeit, aber der Staat sollte sich nie in unternehmerische Entscheidungen einmischen. Wichtig ist jetzt der Anschub, damit es weitergeht. Auch steuerliche Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger müssen ein Thema sein, damit die beim wirtschaftlichen Aufschwung mithelfen können.

„Man sollte sich unterschiedliche Einschätzungen und Meinungen anhören“

Christian Lindner hat Kritik daran geübt, dass die Bundesregierung für ihre Maßnahmen nur wenige Experten hört. Können Sie sich dem anschließen?

Bauer: Es ist notwendig, dass Institute wie das Robert-Koch-Institut täglich Verantwortung übernehmen und Zahlen veröffentlichen. Es ist aber auch so, dass es in der Wissenschaft immer unterschiedliche Sichtweisen gibt. Man sollte im zukünftigen Verlauf alle Einschätzungen und Meinungen anhören. Über Christian Lindners Ausführungen habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Ich bin der Auffassung, dass wir beim Thema Krisenmanagement Luft nach oben haben, etwa bei der Beschaffung von Schutzausrüstungen. In Zukunft sollten wir wissen, welche Expertise wir im Land haben und welche Unternehmen sich wie einbringen können. Da wäre es gut, eine Liste solcher Unternehmen zu haben, zu pflegen und zu nutzen. In den vergangenen Wochen haben wir alle mitbekommen, dass der Weg, den Jens Spahn in Bezug auf die Beschaffung von Ausrüstung eingeschlagen hat, nicht der richtige war. Das Krisenmanagement und die Aufarbeitung wird Deutschland noch lange beschäftigen. Aber ich möchte an dieser Stelle allen Menschen in den systemrelevanten Berufen danken, in Kliniken in der Pflege. Auch das THW und andere leisten eine fantastische Arbeit im Umgang mit Infizierten, gerade in Bayern und in Niederbayern.

Mit welchen Unternehmen aus der Region haben Sie da besonders gute Erfahrungen gemacht?

Bauer: Die Firma Ballistol in Aham im Landkreis Landshut zum Beispiel, die jetzt verstärkt Desinfektionsmittel herstellt. Aber wir haben so viele Lokalhelden. Auch die Firma Antholzer in Vilsbiburg, die Mundschutz produzieren oder im Nachbarlandkreis Erding die Firma Himolla in Taufkirchen, die ganze Schutzanzüge herstellt. So viele Firmen, die in der Krise Kurzarbeit anmelden mussten und sich trotzdem überlegt haben, wie sie ihren Beitrag leisten können. Das ist eine großartige Leistung unseres Mittelstands. Dieser Zusammenhalt und dieses Durchhalten werden uns letztlich aus der Krise führen.

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