Kreditwirtschaft Corona-Krise beschleunigt Trend zum bargeldlosen Bezahlen

Egal, ob mit dem Smartphone oder mit EC- beziehungsweise Kreditkarte: Die bargeldlose Zahlung ist nicht erst seit der Corona-Krise auf dem Vormarsch. Foto: imago/Westend61

Immer mehr Verbraucher zahlen in Supermärkten und Geschäften bargeldlos mit der Karte oder dem Smartphone. Ein Trend, den die Corona-Krise laut Handelsverband Bayern noch verstärkt hat. Die Kreditwirtschaft sieht in Deutschland trotzdem noch Nachholbedarf.

Die Corona-Krise hat nach Einschätzung der Deutschen Kreditwirtschaft den ohnehin vorhandenen Trend zum bargeldlosen Bezahlen lediglich beschleunigt. "Der Anstieg im ersten Halbjahr ist nicht allein auf Corona zurückzuführen, sondern ist Teil eines Trends", sagte Matthias Hönisch, Experte für Zahlungsverkehr beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), gegenüber der Deutschen-Presse-Agentur. Der BVR hat in diesem Jahr die Federführung für die Deutsche Kreditwirtschaft.

"Seit 2016 die Möglichkeit eingeführt wurde, mit der Girocard kontaktlos zu bezahlen, beobachten wir einen deutlichen Anstieg bargeldloser Transaktionen. Mittlerweile erfolgt jede zweite Kartenzahlung kontaktlos." Beim kontaktlosen Bezahlen wird die Karte an der Kasse an ein Lesegerät gehalten und nicht mehr in das Gerät geschoben. Bei geringen Beträgen ist keine Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig. Der Einzelhandel ermutigt Kunden angesichts der Coronavirus-Pandemie, auf diese Weise zu bezahlen, um eine mögliche Übertragung zu vermeiden.

Schnell, bequem, sicher: Die Kartenzahlungen befinden sich auch Umfragen zufolge auf dem Vormarsch. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI entfielen im vergangenen Jahr erstmals mehr als die Hälfte der gesamten Ausgaben an der Ladenkasse auf Giro- und Kreditkarten. Die Kunden des stationären Einzelhandels bezahlten Einkäufe im Volumen von 224,6 Milliarden Euro mit einer Karte. Das waren 50,5 Prozent des Einzelhandelsumsatzes von 445 Milliarden Euro. Bei kleinen Beträgen war das Bargeld laut EHI aber das beliebteste Zahlungsmittel. Fast drei Viertel (73 Prozent) der 20 Milliarden Einkäufe seien 2019 bar bezahlt worden.

Superschub für Kartenzahlung

Auch Bernd Ohlmann, Pressesprecher beim Handelsverband Bayern, bestätigt, dass die Zahl der Transaktionen mit Giro- beziehungsweise Kreditkarten bereits vor der Krise zugenommen hat. "Die Corona-Krise hat dann noch einmal wie ein Katalysator gewirkt und dem Ganzen einen Superschub verpasst." Immer mehr Kunden hätten wegen der Ansteckungsgefahr lieber auf kontaktlose Bezahlmöglichkeiten zurückgegriffen. Viele Geschäfte werben zudem seit Beginn der Pandemie mit Schildern im Kassenbereich für die Karten- oder Smartphone-Zahlung.

So böten inzwischen 90 Prozent der Geschäfte eine bargeldlose Zahlung an - dieser Wert habe sich laut Ohlmann seit März durchaus gesteigert. "Auch die Mindestbeträge, ab denen eine Kartenzahlung möglich ist, sind oft weggefallen oder wurden stark reduziert." Das mache es auch bei kleineren Beträgen für die Kunden möglich, ohne Bargeld zu zahlen.

Kritik von der Kreditwirtschaft

Ingo Limburg von Euro Kartensysteme geht diese Entwicklung jedoch noch nicht weit genug. Gerade bei Kleingeld sehe er der dpa zufolge Luft nach oben. "Es gibt noch viele Einzelhändler, die keine Kartenzahlung anbieten", kritisiert er.  Für Ohlmann liegt dieses Phänomen an dem traditionellen Kaufverhalten der deutschen Kunden. "Die Deutschen sind traditionell vorsichtiger als beispielsweise unsere skandinavischen Nachbarn. Die Verfügbarkeit von Bargeld ist hierzulande im Vergleich mit anderen Ländern auch sehr gut."

Dennoch geht er davon aus, dass die Digitalisierung weiter voranschreiten wird. Die Akzeptanz steige, mittlerweile werde auch die Bezahlung mit dem Smartphone alltäglicher, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom herausfand. Demnach habe jeder Dritte im August 2020 mindestens einmal in der Woche kontaktlos mit einem Smartphone oder einer Smartwatch bezahlt. 16 Prozent nutzen deutschlandweit ihr Mobiltelefon oder ihre Uhr regelmäßig mehrmals die Woche zum Bezahlen, wie aus der repräsentativen Befragung von 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren hervorgeht. 

Kontaktlose Bezahlmethoden als Zukunftsträger

„Digitale Bezahlverfahren sind nicht nur in der Pandemie eine sinnvolle Ergänzung zum Bargeld. Gerade das Smartphone eignet sich ideal zum Bezahlen: Wir haben es immer dabei und dank biometrischer Schutzmechanismen wie etwa dem Fingerabdruckscan ist es auch besonders sicher“, bestätigt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Ohlmann schätzt, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzen wird. "Durch die Corona-Krise werden die bargeldlosen Bezahlverfahren trainiert und ich denke, dass sie deswegen auch nach der Krise weiter verwendet werden. Bargeldlos zahlen ist bequemer, das wird die Zukunft sein." Eine Welt ganz ohne Bargeld kann sich der Wirtschaftsexperte dennoch nicht vorstellen. "Letztendlich ist nur Bares Wahres, wie man so schön sagt. Daher wird es auch zukünftig einfach verschiedene Bezahlmöglichkeiten geben."

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading