Kreativität in der Krise So gehen Menschen in der Region mit der Corona-Pandemie um

Die Menschen in Ostbayern gehen in sehr unterschiedlicher Weise mit der Ausnahmesituation um. Einige beweisen großen Einfallsreichtum. Foto: Bilder: Privat/Philipp Sutter/Lukas Sammetinger Collage: idowa

Die Coronavirus-Krise bringt bei vielen Menschen in der Region erstaunliche Kreativität zum Vorschein. idowa hat fünf von ihnen porträtiert.

Ausgangsbeschränkungen, Auftragseinbrüche für Unternehmen und der drohende medizinische Notstand haben in den letzten Tagen und Wochen gezeigt: Die Menschen sind im Angesicht der Pandemie zu großen Anstrengungen, kreativen Projekten und Solidarität fähig. Auch in der Region machen online zahlreiche Geschichten die Runde, in denen Bürgerinnen und Bürger mit einfallsreichen Aktionen versuchen, dem Coronavirus etwas entgegenzusetzen. Einige wollen helfen, andere sich ausdrücken – manche wollen aber auch einfach nur über die Runden kommen. idowa stellt hier fünf dieser Menschen und ihre Geschichten vor.

Die Hobby-Autorin

Dagmar Dietl aus Achslach im Landkreis Regen hat ein Problem: Die 44-Jährige führt einen Reiterhof, dem momentan aufgrund der Ausgangsbeschränkungen natürlich die Kunden abhanden gekommen sind. "Hinter dem Hof steckt ein immenser Kostenaufwand", sagt die gebürtige Münchnerin – ein Notfallplan musste her. Einen möglichen Ausweg aus der Krise hatte Dietl glücklicherweise schon in der Hinterhand: Letztes Jahr hat sie einen Fantasy-Roman mit dem Titel "Welten - Das Erwachen" geschrieben. "Das Buch war fertig, aber nie wirklich vermarktet", sagt die Pferdeliebhaberin. "Das war meine Idee zur Selbsthilfe." Also begann sie, ihren Roman via Facebook in die Öffentlichkeit zu tragen.

"Die Vorlage für meine Geschichte hat mir der Bayerische Wald mit seinen ganzen mystisch wirkenden Orten gegeben", erklärt die Hobby-Autorin. "Selbstzweifel und fehlende Selbstliebe" sind in ihren Augen ein großes Thema in der Gesellschaft, gerade für Frauen. "Das war die Vorlage für meine Potagonistin. Denn in jedem Menschen steckt etwas Besonderes." Die bisherigen Rückmeldung seien sehr positiv, sagt Dagmar Dietl, aber noch zu wenige. "Ich freue mich trotzdem über jedes verkaufte Buch", fügt sie an. "Jeder Euro zählt."

Der Tüftler

Auch Thomas Schütz aus Landshut hatte in der Krise eine zündende Idee. Der 28-Jährige arbeitet eigentlich als IT- und Steuerungstechniker bei BMW – aber es war sein Hobby, das ihn für viele Menschen in der Region zum Retter in der Corona-Not machte. Denn Schütz ist in der "First-Person-View"-Modellbauszene aktiv, die selbst gebaute Drohnen mit Kameras ausstattet und deren Bilder live auf einen "Piloten" mit 3D-Brille überträgt. Um dafür Bauteile herzustellen, besitzen Schütz und seine Hobby-Kollegen sogenannte "3D-Drucker", mit denen sich dreidimensionale Objekte nach Computer-Vorlage quasi "ausdrucken" lassen.

"Ich habe von einer Bekannten erfahren, dass Ihre Zahnärztin nicht mehr praktizieren kann, weil sie keine Schutzmasken mehr bekommt", sagt Schütz. Etwa zeitgleich habe er ein Projekt des 3D-Drucker-Herstellers "Prusa" im Internet entdeckt, bei dem kostenlos digitale Baupläne für Gesichts-Schutzschirme angeboten wurden, und einen Entschluss gefasst. "Ich habe auf Facebook in regionalen Gruppen einen Aufruf gestartet und gleichzeitig meine Kontakte in der Modellbau-Szene aktiviert", erzählt der 28-Jährige.

Die Drucker stehen nicht mehr still

An nur einem Wochenende stellte der junge Landshuter so ein niederbayernweites Netzwerk an 3D-Drucker-Besitzern auf die Beine, um Schutzschirme zu fertigen. Dann schmissen die Tüftler ihre Maschinen an – und die stehen seitdem nicht mehr still: "Ich selbst habe bereits 50 Maskenhalter gefertigt und das Team hinter mir schon über 150, Tendenz steigend", erklärt Schütz. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Landshut fand er auch schnell eine Menge Abnehmer für die Schutzschirme. "Mein Zugführer hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass andere Feuerwehrkameraden und der städtische Katastrophenschutz dieselbe Idee hatten wie ich", erinnert sich Schütz. Jetzt bezieht die Feuerwehr ebenso seine Schutzschirme wie andere Hilfsorganisationen, Ärzte und auch Krankenhäuser.

"Eine seelische Brotzeit"

"Es läuft unglaublich gut – und es ist eine seelische Brotzeit, wenn man mit seinen technischen Spielerein etwas Gutes in dieser schwierigen Zeit leisten kann", sagt der 3D-Tüftler. "Gleichzeitig ist es erstaunlich, wie schnell man wildfremde Menschen in einer Whatsapp-Gruppe für die Sache begeistern kann." Schlaf sei aktuell bei vielen Mangelware, fügt er an. Samstag vor einer Woche habe die Aktion begonnen, direkt am Montag darauf konnte Schütz bereits 100 Masken in der Region "ernten" und an den Katastrophenschutz übergeben.

Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Landshut ist stolz auf ihr findiges Mitglied: „Es ist für uns natürlich eine große Hilfe, dass wir in derart schwierigen Zeiten, in der überall händeringend nach Schutzausstattung gesucht wird, auf das Engagement und die Ideen unserer Aktiven zählen können", heißt es dort. "Wir sind sehr froh, dass unsere Aktiven hier eine derart tolle Aktion gestartet haben, gemeinsam mit vielen Mitstreitern schnell und unbürokratisch für Nachschub der dringend benötigten Masken gesorgt haben und weiter sorgen werden.“

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