Kopfschmerztag Vorbeugung statt Medikamente: Der Weg aus der Migräne?

Manche beginnen schleichend, andere wiederum treten ganz plötzlich auf: Kopfschmerzen und Migräne machen vielen Menschen in Deutschland zu schaffen. Foto: imago/AntonioGuillem/Panthermedia

Stechender Kopfschmerz, starke Übelkeit, hohe Reizempfindlichkeit: Acht bis zehn Millionen Menschen leiden in Deutschland laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) unter Migräne. Die Mehrzahl der Menschen kennt zudem gelegentliche Kopfschmerzen. Zum Kopfschmerztag haben wir nachgefragt, woran man die Volkskrankheit Migräne erkennt und was man dagegen tun kann. Ein Artikel aus unserem Archiv.

Fast 70 Prozent der Menschen in Deutschland kennen das: Der Kopf tut weh, man fühlt sich ausgelaugt und kann sich kaum mehr konzentrieren. Doch wann sind es noch normale Kopfschmerzen und wo beginnt die Migräne?

„Die Migräne ist von sehr heftigen Schmerzattacken gekennzeichnet, dabei ist der Schmerz in der Regel stechendend oder pulsierend “, erklärt Dr. Stefanie Förderreuther, Vizepräsidentin der DMKG. Typisch für die Migräne sei dabei, dass schon kleine körperliche Belastungen wie Treppen steigen oder sich bücken die Intensität der Schmerzen verstärken.

„Anders als beim Spannungskopfschmerz ist, dass der Schmerz häufig nur halbseitig auftritt. Es treten zudem regelhaft Begleitsymptome wie Übelkeit oder heftiges Erbrechen auf. Man reagiert auf alle Reize empfindlich, die auf einen einströmen.“ Licht, das sonst als angenehm empfunden wird, sei laut Förderreuther plötzlich zu hell, jedes Geräusch überlaut.

„Viele Patienten berichten auch, dass sie Gerüche viel intensiver wahrnehmen. Die Sinnesorgane sind sozusagen überreizt und melden viel heftigere Wahrnehmungen, als das normalerweise der Fall ist.“ Unbehandelt kann eine Migräneattacke bis zu drei Tage dauern.

Sehstörungen als Vorboten einer Attacke

Ungefähr 20 Prozent der Patienten haben im Vorfeld solcher Kopfschmerzen zudem eine sogenannte Aura, die es bei normalen Kopfschmerzen nicht gibt. „Aura ist eine Form der Sehstörung, bei der die Leute erst einmal da, wo sie hinschauen, einen flimmernden und flackernden Punkt sehen. Der Punkt wird größer und wandert. Das kann dann für bis zu einer halben Stunde so sein, selten auch länger“, berichtet die Ärztin.

Diese Sehstörung könne auch in eine Gefühlsstörung übergehen und plötzlich ein Kribbeln oder Taubheitsgefühle auslösen. Diese breiten sich dann von der Hand auf den ganzen Arm aus. 

Das können Betroffene tun

„Die Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns, die man sowohl vorbeugend als auch in der Akutphase behandeln kann“, sagt Förderreuther. Die Betroffenen machen meist bereits automatisch das Richtige und versuchen, die Symptome mit Schmerzmitteln zu behandeln. Das sei in den meisten Fällen völlig in Ordnung, solange man nicht öfter als ein bis zwei Mal im Monat Migräne habe.

Patienten, die ihre Kopfschmerzdiagnose nicht kennen und Patienten, die häufiger unter Migräneattacken leiden, empfiehlt die Ärztin sich ärztliche Hilfe zu holen und sich über vorbeugende Maßnahmen zu informieren.

Prävention gegen Kopfschmerz-Attacken

Wer mehr als dreimal pro Monat an Migräne leidet, sollte hingegen gezielt vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Ein Schritt sei dabei nach Ursachen für die Migräne zu suchen, die man vermeiden kann.

„Viele Patienten merken, wenn sie Unregelmäßigkeiten in ihrer Tagesrhythmik haben, Schlafmangel oder auch zu viel Schlaf, dass das schon mal Attacken auslösen kann“, erzählt Förderreuther.

Aber auch das Auslassen von Mahlzeiten, zu viel Stress oder die Entspannungsphase nach Stress kann Attacken auslösen. Dagegen hilft vor allem, das Arbeitspensum vernünftig einzuteilen und nicht alles auf den letzten Drücker zu machen. „Bei manchen Patienten ist es nötig professionell, das heißt, mit Unterstützung durch Psychologen zu intervenieren, damit sie lernen, mit der Stressbelastung umzugehen.“

Mit Sport und Entspannungsübungen vorbeugen

Auch Sport kann vorbeugend gegen Migräne helfen, so die Ärztin. Man empfehle Patienten dabei, dreimal die Woche für jeweils 30 Minuten einen Ausdauersport wie Joggen, Radfahren oder Schwimmen zu machen.

„Gerade Menschen, die viel mit Stress zu tun haben, profitieren aber auch von Entspannungsübungen. Die kann man gut und einfach lernen“, sagt Förderreuther. Wer sie regelmäßig durchführe, bei dem ginge erfahrungsgemäß auch die Frequenz der Attacken zurück.

Wenn die Migräne gehäuft auftritt oder man sich nicht sicher sei, dass die Schmerzen von der Migräne kommen, sollte man dennoch den Arzt aufsuchen und sich untersuchen lassen. So könne der Betroffene sicherstellen, dass nicht was anderes, möglicherweise gefährlicheres, hinter den Kopfschmerzen steckt.

„Die Hauptkrux ist, dass die Migräne bei Patienten durch die Schmerzmittel selbst schlechter wird. Wer im Monat an mehr als neun Tagen Schmerzmittel braucht, gerät so in einen Teufelskreis“, so Förderreuther. Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, helfen oft nur die richtigen vorbeugenden Maßnahmen.

Hilfe durch Medikamente

Neben Entspannung und Sport kann eine medikamentöse vorbeugende Therapie helfen, um die Migräne in den Griff zu bekommen. „Das sind dann keine Schmerzmittel, sondern andere Substanzen, die man täglich nehmen muss und bei denen wissenschaftliche Untersuchungen erwiesen haben, dass bei regelmäßiger Einnahme die Migräne seltener kommt.“

Wenn die Therapie wirkt, können viele Patienten nach spätestens einem Jahr die Medikamente absetzen, ohne dass es ihnen schlechter geht.

Mehr Informationen zum Thema Kopfschmerzen und Migräne sowie Ansprechpartner finden Sie auch unter www.dmkg.de oder unter www.attacke-kopfschmerzen.de.

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