Konzell Simon Gierl produziert eigene Hip-Hop-Musik

Seine Beats produziert Velour Simon im Keller. Foto: Melanie Nusko

Über 8 000 Streams hat er mit seinem ersten Song „Moody“ bereits erreicht (Stand Juli 2020). Simon Gierl alias Velour Simon produziert seine eigene Hip-Hop-Musik. Was seine Pläne für die Zukunft sind.

Konzentriert starrt Simon auf den Computerbildschirm. Die Haare sind zum Mittelscheitel gekämmt. An den Ohren trägt er große schwarze Kopfhörer. Mit der Maus schiebt er schmale grüne Tonspuren hin und her. Drückt auf „Play“. Nein, das hört sich nicht gut an. Er verschiebt wieder Tonspuren, dreht den einen Regler rauf, den anderen runter. Mischt den Bass nochmal neu ab. Hier ein Kick dazu, da ein Clap weniger. „Play“. Schon besser. An der Wand hinter dem Monitor hängen Bilder von Tupac, Shindy, XXXTentacion und anderen Hip-Hop-Größen – Simons Lieblingsrapper.

Der 16-Jährige aus Denkzell im Landkreis Straubing-Bogen produziert seit Oktober 2019 seine eigene Hip-Hop-Musik. Nach wenigen Monaten, Anfang Juni diesen Jahres, veröffentlicht er unter dem Künstlernamen Velour Simon seinen ersten Song „Moody“. Nach drei Tagen erreicht Simon damit schon knapp 7 000 Streams.

Gerechnet hat er damit nicht. „Das war schon ziemlich cool“, sagt er und grinst verschmitzt. Was ihn besonders freut: Über zwei Drittel der Zuhörer kommen aus Amerika. Genug Motivation, um dranzubleiben. Simon arbeitet jetzt an einer EP (Extended Play), also einem kleinen Album mit vier bis fünf Songs.

„Moody“ entsteht nur über WhatsApp-Chats

Das Rappen überlässt er den Profis. So wie Lil Kendy. Der kommt ursprünglich aus den USA und lebt in der Schweiz. Er rappt auch in Simons erstem Song „Moody“. Zueinandergefunden haben sie über Twitter. „Ich habe Lil Kendy meinen Beat geschickt und er hat den Text dazu geschrieben“, erklärt Simon. „An der ein oder anderen Stelle hat er mir dann noch Tipps gegeben, was ich verbessern könnte.“ Der Song entsteht nur über WhatsApp-Chats: „Wir haben nie miteinander telefoniert, sondern immer nur geschrieben oder Videos hin und her geschickt.“

Hier geht's zu "Moody".

Bis zum fertigen Beat braucht Simon gerade einmal vier Wochen, üblich ist das nicht. „Moody“ hatte er aber zuvor schon ein wenig im Kopf. „Manchmal geht das Produzieren eben schnell, ein anderes Mal dauert es dafür richtig lang.“

Weil Simon selbst viel Hip-Hop hört und darüber liest, weiß er einiges über den Aufbau der Songs. „Letztlich ist es aber einfach viel Übung und rumprobieren, was sich gut anhört.“

Die Musik hört sich bewusst anders an

Nach diesem Prinzip hat Simon auch seinen Künstlernamen gewählt. Velour Simon hört sich nicht nur gut an, sondern passt auch zu Simons Arbeit. Velours ist nämlich eine samtähnliche Stoffart, die früher viel von Hip-Hoppern getragen wurde. Der Vorschlag kam von seinem großen Bruder Dominik, den wir auch schon in der Freistunde vorgestellt haben. Er ist Künstler und die Brüder arbeiten gerne zusammen. Das Cover zu „Moody“ hat Dominik entworfen.

Und genauso wie Dominiks Kunst ist auch Simons Musik speziell. „Es hört sich bewusst anders an. Wir wollen eben nicht das Gleiche machen, wie alle anderen“, erklärt er. Auf 08/15-Einheitsbrei, der bei der Mehrheit vielleicht gut ankommen würde, hat Simon keine Lust. Seine EP wird wohl ähnlich speziell. Die möchte er in den nächsten Monaten veröffentlichen. Drei Beats dafür sind bereits fertig. Der Rapteil kommt wieder von Lil Kendy. Noch bevor die erste EP erschienen ist, denkt Simon schon über sein nächstes Projekt nach. Es soll eine Zusammenarbeit mit mehreren verschiedenen Rappern sein. Welche das werden, weiß er aber noch nicht. „Das wäre zumindest so ein Traum von mir.“ Genau wie das Produzieren später vielleicht mal hauptberuflich zu machen. „Ich müsste mir erstmal eine Fanbase aufbauen, die regelmäßig meine Songs hört, um erfolgreich zu werden“, sagt er.

Mit dem Song, an dem Simon gerade gebastelt hat, ist er jetzt zufrieden. Er drückt noch einmal auf „Play“. Hört sich gut an.

 

So entsteht ein Beat

Viele Beats bestehen aus Drum-Sounds, also Tönen, die normalerweise von einem Schlagzeug erzeugt werden. Die häufigsten sind Kick, Snare und Hihat. Beliebt sind auch die Claps, also Klatschgeräusche. Diese Töne legt der Produzent häufig auf eine bereits fertige Ton- oder Musikaufnahme, das sogenannte Sample. Aber nicht jeder Produzent arbeitet mit fertigen Samples. Beim Abmischen werden die Lautstärken der Tonspuren aneinander angepasst.

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