Kommentar EHC-Wahl: Nutzt die Chancen

 Foto: EHC Straubing

Ein von den Straubing Tigers unterstütztes Team übernimmt die Vereinsführung beim EHC Straubing. Das bringt vor allem viele Chancen mit sich, aber auch Risiken. Ein Kommentar.

Die Mitglieder des EHC Straubing haben am Dienstagabend einen neuen Vorstand gewählt. Ein fünfköpfiges Gespann um Peter Zankl an der Spitze soll den Verein in die Zukunft führen. Das gewählte Team trägt ganz klar die Handschrift der Straubing Tigers. Das birgt Chancen und Risiken.

Von der Unterstützung, die das neue Vorstandsteam im Wahlkampf von den Tigers erhielt, hätte der bisherige Vorstand wohl nicht einmal zu träumen gewagt. Gleich zweimal war man großes Thema im "Talk am Pulverturm", dem clubeigenen Werbeformat der Tigers. Warf man zuletzt einen Blick auf die Homepage der Tigers, dann handelten die meisten der aktuellsten Meldungen vom Stammverein. In den sozialen Netzwerken wurde jeder der fünf Kandidaten einzeln vorgestellt.

Das neue Team erhielt – gerade in der Außendarstellung – schon reichlich Unterstützung, bevor es überhaupt gewählt wurde. Kurzum: Die Verantwortlichen der Tigers wollten dieses Team und sie bekamen es. Wie jede Medaille hat auch diese zwei Seiten.

Die Chancen des neuen Teams

Auf der einen Seite ist ein möglicher Schulterschluss, der in den letzten Jahren zwischen EHC und Tigers offensichtlich nicht gelang, nur zu befürworten. Es gibt viele Synergien, wie auch Axel M. Koch, neuer 2. Vorstand des EHC und Gesellschafter der Tigers, sagte. Diese gilt es zu erschließen. Ein Problem in der Straubinger Nachwuchsarbeit ist sicherlich die zu geringe Zahl an Kindern, gerade im jüngeren Bereich. Hier sollten sich, speziell nach der zurückliegenden historisch guten Saison der Tigers, nun im Zusammenspiel mit dem DEL-Club ganz andere Möglichkeiten der Selbstvermarktung ergeben. Auch für die Erschließung von neuen passiven Mitgliedern könnte die "Plattform Tigers" hilfreich sein. Die 1.000er-Marke wurde vom neuen Team ja bereits als Fernziel definiert. Offensichtliche, vermutlich persönlich geartete Differenzen dürften nun nicht mehr im Wege stehen.

Auf der anderen Seite fällt möglicherweise eine wichtige weil eigenständige Perspektive im Straubinger Eishockey weg. Reibung führt nicht selten auch zu guten Ergebnissen. Der EHC wollte viel Geld von den Tigers – dafür mussten die Verantwortlichen liefern und Rechenschaft ablegen. Dass sich der EHC trotz der Differenzen in den letzten Jahren so beachtlich entwickelt hat, spricht für die freigesetzten Energien. Die Ex-Vorstände Hannes Süß und Markus Böhm haben im idowa-Interview von den oft harten Verhandlungen für den Kooperationsvertrag berichtet. Ob es sinnvoll ist, wenn auf beiden Seiten des Verhandlungstisches ein Tigers-Vertreter sitzt, wird die Zukunft zeigen. Zwangsläufig wird, will man das aktuelle sportliche Niveau halten oder sogar ausbauen, mindestens das gleiche Geld benötigt werden.

Die neuen Vorstände des EHC übernehmen einen gesunden Verein, der sich – vor allem in den älteren Jahrgängen – in den letzten Jahren sportlich beachtlich entwickelt hat. Die vier Sterne, die die Nachwuchsarbeit des EHC im Fünf-Sterne-Programm zuletzt erreicht hat, sind die Benchmark, die es zu halten gilt. Denn die garantiert, dass die Tigers keine Strafzahlungen leisten müssen. Auch neben dem Sportlichen gibt es aber einige Punkte, die anzugehen sind, von einer Erhöhung der Mitgliederzahl bis zu einem Wiederbeleben des Vereinslebens. Die neue Konstellation bietet dafür große Chancen. Bleibt zu hoffen, dass diese genutzt werden.

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