Eine Umarmung für einen Ironman-Läufer in Landau - das sorgt seit Kurzem für Ärger auf Social Media. Unsere Landauer Redaktionsleiterin kommentiert.

Stellungnahme Umarmung - so lautet der Betreff der E-Mail, die das Landratsamt am Mittwoch verschickte. Es ist so weit gekommen, dass Gesten wie eine Umarmung eine Rechtfertigung erfordern. Was wie aus einem schlechten Film klingt, ist bittere Realität.

Ja, für eine öffentliche Umarmung in Zeiten der Corona-Pandemie kann einem das Verständnis fehlen. Ich verstehe auch vieles nicht. Ich wundere mich zum Beispiel darüber, dass ich ohne Corona-Test bei gewissen Inzidenzzahlen in kein Schuhgeschäft mehr darf, dafür aber ungetestet eine Arztpraxis mit kranken Menschen betreten kann. Ich wundere mich darüber, dass eine Fußball-EM längst beschlossene Sache war, wohingegen Kultur- und Kreativschaffende lange darum bangen mussten, ob sie in diesem Jahr überhaupt noch einmal irgendwo auftreten dürfen. Ich wundere mich über vieles, kritisiere es offen und lege großen Wert auf eine hinterfragende Sichtweise.

Wofür ich aber überhaupt kein Verständnis habe, ist eine neunmalkluge Fingerzeigerei auf das vermeintliche Fehlverhalten anderer in sozialen Medien. Für derlei Stimmungsmache, gerne noch in anonymisierter Form, wirkt die Pandemie wie ein  Brandbeschleuniger.

Das Paradoxe: Diejenigen, die da so deutlich auf die Fehler der anderen hinweisen, tun dies überwiegend vor allem deshalb, weil sie eine Rechtfertigung dafür suchen, sich selbst nicht an bestimmte Regeln halten zu müssen.