Die Europäische Zentralbank bleibt sich treu, und das ist für die Sparer eine schlechte Nachricht. An der Null-Zins-Strategie wird nicht gerüttelt, und die Anleihekäufe im Rahmen des Pandemie-Notfallprogramms werden nur zaghaft abgebremst. Grundsätzlich also setzen die europäischen Notenbanker ihre ultralockere Geldpolitik fort. Im EZB-Rat haben sich die Interessenvertreter der hoch verschuldeten Länder vor allem im Süden der Eurozone durchgesetzt, denen eine höhere Inflation sehr gelegen kommt, weil sich scheinbar viele Milliarden Euro des in der Coronakrise wieder angewachsenen Staatsschulen-Bergs in Luft auflösen.

Der Preis für diese von EZB-Präsidentin Christine Lagarde verantwortete Politik ist sehr hoch. Die von ihr geduldete Inflation frisst die Löhne auf. Die Bürger bekommen die höheren Preise zum Beispiel an der Tankstelle schmerzhaft zu spüren. Was den Druck auf die Tarifpartner erhöht, denn die Abschlüsse sollen ja mindestens die Inflation ausgleichen. Eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale, vor der viele Volkswirte warnen, könnte die Folge ein. Dann könnte auch bei den Finanzministern die Freude über hohe Preise bald verflogen sein. Auch die öffentliche Hand muss die Preissteigerungen durch höhere Löhne oder teurere Bau- und Infrastrukturprojekte stemmen.