Kemper und Reinert Großfusion auf dem Wurstmarkt: Kartellamt gibt grünes Licht

Die Fleischverarbeiter Kemper und Reinert dürfen fusionieren. Das hat das Bundeskartellamt entschieden. Foto: Henning Kaiser/dpa/dpa

Der Wettbewerb unter Fleischverarbeitern ist hart. Seit Jahren dreht sich deshalb das Fusionskarussell. Durch den Zusammenschluss zweier Mittelständler entsteht nun ein neuer Branchenriese.

Bonn - Der Wurstmarkt in Deutschland ordnet sich neu: Das Bundeskartellamt hat den mittelständischen Fleischverarbeitern Kemper und Reinert grünes Licht für die Fusion zum zweitgrößten Fleisch- und Wurstwarenhersteller der Bundesrepublik gegeben.

"Auch nach der Fusion gibt es für Abnehmer und Lieferanten noch hinreichende Alternativen", begründete der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, den Schritt.

Das neue Unternehmen mit dem Namen "The Family Butcher" wird einen Umsatz von mehr als 700 Millionen Euro haben. Größer ist in Deutschland nur noch die Tönnies-Gruppe. Auch gemeinsam kommen Kemper und Reinert nach Angaben der Wettbewerbsbehörde aber lediglich auf Marktanteile zwischen zehn und 20 Prozent.

Angesichts der hohen Nachfragemacht der Lebensmittelketten wie Edeka, Rewe oder Kaufland, die zum Teil sogar über eigene Fleischwerke verfügten, sei das nicht besorgniserregend, betonte Mundt. Hinzu komme, dass es trotz des seit Jahren andauernden Konzentrationsprozesses in der Branche auch weiterhin eine ganze Reihe größerer mittelständischer Fleisch- und Wurstwarenhersteller gebe, die für Wettbewerb sorgten.

Der Zusammenschluss von Reinert und Kemper ist nur der jüngste Schritt in einem seit Jahren zu beobachtenden Konzentrationsprozess auf dem durch harten Wettbewerb und schrumpfende Gewinnmargen geprägten deutschen Wurstmarkt. Erst Ende Juni hatte die schweizerische Bell-Gruppe ihr deutsches Wurstgeschäft - bekannt unter dem Namen Zimbo - an Tönnies verkauft. Auch der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé signalisierte im vergangenen Frühjahr die Absicht, sich von seiner Wurstsparte Herta zu trennen.

Kemper mit Sitz im niedersächsischen Nortrup und Reinert mit der Firmenzentrale im nordrhein-westfälischen Versmold wollen nach dem Zusammenschluss "ein breites Sortiment von Preiseinstiegsprodukten bis hin zu Pemimum-Herstellermarken" anbieten. Die Erfahrungen der Unternehmen ergänzten sich gut, heißt es. Denn das 1931 gegründete Familienunternehmen Reinert ist als Markenhersteller positioniert und nicht zuletzt durch seine Bärchenwurst bekannt. Der bereits 1888 gegründete Partner Kemper verfügt dagegen über große Erfahrungen als Hersteller von Handelsmarken für große Lebensmittelketten. Marktführer Tönnies könnte durch den Zusammenschluss im harten Wettbewerb mit Wurstprodukten also mehr Konkurrenz bekommen.

Das neue Unternehmen verfügt über neun Produktionsstätten und 2600 Mitarbeiter. Die Inhaber-Familien Kühnl und Reinert werden nach früheren Angaben je die Hälfte der Anteile des neuen Unternehmens halten.

 

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