Keller und Beierlorzer im Interview "Die 2. Liga ist momentan noch ein Geschenk"

Geschäftsführer Christian Keller (links) und Trainer Achim Beierlorzer blicken der neuen Zweitliga-Saison entgegen. Foto: imago

Der SSV Jahn Regensburg startet am Samstag mit einem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt in die neue Saison in der 2. Fußball-Bundesliga. Die Vorfreude ist groß. Wie verlief die Vorbereitung? Wie haben sich die Neuzugänge integriert? Ist das zweite Jahr wirklich immer das schwerste? Wie entwickelt sich der Jahn neben dem Sportlichen? Wohin soll der Weg des Jahn führen? Im großen idowa-Interview blicken Geschäftsführer Christian Keller und Trainer Achim Beierlorzer auf die Spielzeit voraus.

Die Vorbereitung des SSV Jahn geht zu Ende. Wie fällt Ihr Fazit aus, Herr Beierlorzer?
Achim Beierlorzer: Wir sind bereit. Wir freuen uns auf das Auftaktspiel gegen den FC Ingolstadt, für uns ist das ein Topspiel. Ich habe in den neun Testspielen viele gute Dinge gesehen. Die Mannschaft zieht hundertprozentig mit und wir haben bis auf die beiden Langzeitverletzten (Oliver Hein und Wastl Nachreiner, Anm. d. Red.) und Markus Palionis alle Spieler verletzungsfrei.

Wo lag der Fokus in der Vorbereitung?
Beierlorzer: Das Ziel in der Vorbereitung ist immer das erste Pflichtspiel – da will man voll da sein. Wir hatten im Fokus, dass wir weniger Gegentore bekommen. Das haben wir insbesondere gegen die starken Drittligisten Zwickau und Unterhaching gut hingekriegt und auch gegen Sandhausen haben wir nahezu nichts mit Ausnahme eines Standardgegentors zugelassen. Die Fitness ist da, die Abstimmung passt, die Mannschaft ist extrem willig. Da bin ich sehr zufrieden.

Bis auf Julian Derstroff war zu Vorbereitungsbeginn schon der gesamte Kader zusammen. Ein großer Vorteil, Herr Keller?
Christian Keller: Mit Sicherheit. Das Trainerteam hatte dadurch die Möglichkeit, von Anfang an mit fast allen Spielern zu arbeiten und gerade den Neuzugängen unsere Spielidee näherzubringen. Es war auch gut für die Gruppe an sich, dass sie zusammenwachsen kann. Die Mannschaft war zwar bereits intakt, aber die neuen Spieler müssen dennoch integriert werden. Hier hilft es, wenn man für diesen Prozess sechs statt zwei Wochen Zeit hat.

Inwieweit hat es Ihnen, Herr Beierlorzer, die Arbeit erleichtert?
Beierlorzer: Es ist ein Vorteil, wenn man über sechs Wochen Einfluss nehmen kann und nicht nur über eine oder zwei. Aber die Arbeit an sich macht es nicht leichter oder schwerer. Wir mussten genauso intensiv an den Aspekten arbeiten, die uns wichtig sind: mannschaftliche Geschlossenheit, die Abstimmung auf den einzelnen Positionen und die Integration der neuen Charaktere. Es verändert ja schon auch manchmal den Charakter einer Mannschaft, wenn man zwei, drei Neuzugänge drin hat. Hier war es uns sehr wichtig, dass uns die Art und Weise, wie wir arbeiten, und die Mentalität in der Mannschaft erhalten bleiben. Das ist uns absolut geglückt. Die Neuzugänge passen voll zu unserer Mannschaft und sind bestens integriert.

Worauf legen Sie Wert bei der Auswahl der Neuzugänge?
Keller: Uns ist wichtig, dass ein neuer Spieler als Persönlichkeit zu uns als Club, zu unserer Mannschaft und zu unserer Ausrichtung passt. Sportlich muss der Spieler in der Lage sein, in unserer Spielidee zu agieren. In Summe muss aus allen Komponenten die Überzeugung resultieren, dass uns der Spieler direkt oder auf Sicht besser machen kann.

Wie läuft die Suche der Neuzugänge, wie ist der Jahn inzwischen beispielsweise im Bereich Scouting aufgestellt?
Keller: Grundsätzlich haben wir mehrere Scouts, die unterschiedlichen Scoutingligen zugeteilt sind. Die gehen jedes Wochenende „on tour“, schauen sich Spiele an – zum Teil nach freier Auswahl, zum Teil auch nach Vorgabe, wenn uns ein Spieler besonders interessiert. Zu Wochenbeginn bekomme ich dann standardisiert Scoutingberichte. Wenn da ein Spieler besonders positiv dargestellt wird, schaue ich mir den im ersten Schritt auf einer Videoplattform an, die uns ermöglicht, weltweit jedes Spiel zu sehen. Deckt sich mein Eindruck mit jenem der Scouts, dann schaut sich Achim den Spieler ebenfalls an. Entsteht im Anschluss ein geschlossenes, einheitlich positives Bild aller Beteiligten, dann beobachte ich den Spieler auch selbst mal live. In der Folge laden wir den Spieler dann zum Gespräch ein und versuchen, ihn als Typ kennenzulernen. Uns ist die Persönlichkeit sehr wichtig. Deshalb holen wir uns vorher auch schon Meinungen von Wegbegleitern des Spielers ein, entscheidend ist aber immer der persönliche Eindruck.

Ist für Sie der Charakter wichtiger als die sportliche Qualität?
Keller: Die sportliche Qualität muss schon auch gegeben sein. Aber wenn nur die sportliche Qualität passt und wir den Eindruck haben, der Spieler passt nicht in unser Kollektiv, dann würden wir ihn nicht verpflichten.

Beierlorzer: Wir drehen es aber natürlich auch nicht um. Jemand, der einen super Charakter hat, uns aber sportlich nicht weiterhilft, kommt nicht in unsere Auswahl. Beides muss passen.

Teamgeist ist die größte Qualität des Jahn – stimmen Sie dieser These zu?
Keller: Teamgeist ist auf jeden Fall eine ganz wichtige Qualität. Teamgeist ist aber nicht per se gegeben, da muss man in jedem Training, in jedem Spiel und auch abseits des Platzes stetig daran arbeiten.

Beierlorzer: Das ist etwas, das unsere Mannschaft auszeichnet. Ein ganz großer Wert, den wir auch hüten.

 

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