Viele Helfer im Einsatz Unwetter führen zu Hochwasser im Süden und Osten Bayerns

Der Landkreis Berchtesgadener Land hat nach starkem Regen den Katastrophenfall ausgerufen. Foto: Kilian Pfeiffer/dpa/dpa

Heftiger Dauerregen hat viele Bäche und Flüsse in Bayern anschwellen lassen. Am heftigsten hat es Oberbayern erwischt. Aber auch in Passau gibt es Hochwasser. Und es soll den Tag über weiter regnen.

Bei der Hochwasserlage in Bayern ist erstmal keine Entspannung in Sicht. Im besonders betroffenem oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land galt auch am Sonntag noch der Katastrophenfall. Im Laufe des Tages sollte es erneut stark regnen. In Passau stiegen die Pegelstände von Donau und Inn nach Angaben der Stadt massiv. Uferpromenade und Parkplätze wurden überflutet.

In München und Umgebung besteht Hochwassergefahr für die Isar. Am Pegel München/Isar werde am frühen Sonntagnachmittag die Meldestufe 1 überschritten, Montagfrüh könne auch kurzzeitig die Meldestufe 2 überschritten werden, teilte der Hochwassernachrichtendienst Bayern am Sonntag mit. Auch am Pegel Freising sei das Überschreiten der Meldestufe 1 am frühen Morgen nicht auszuschließen. Meldestufe 2 bedeutet eine Warnung vor Überschwemmungen und "Ausuferungen". Bei Meldestufe 3 wird vor Überschwemmungen in bebauten Gebieten gewarnt.

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Im Süden des Landkreises Berchtesgadener Land zeigte sich am Sonntag das ganze Ausmaß der Verwüstungen. Sintflutartige Regenfälle hatten am Samstagabend den Fluss Ache über die Ufer treten und Hänge abrutschen lassen. Häuser drohten einzustürzen. Die Einsatzkräfte mussten 130 Menschen in Sicherheit bringen.

Tote nach Unwettern

Zwei Menschen kamen ums Leben. Ein Opfer starb nach Angaben von Landrat Bernhard Kern (CSU) an einer natürlichen Ursache. Ein Zusammenhang mit dem Unwetter sei aber nicht ausgeschlossen. Weitere Details wollte er nicht nennen.

890 Hilfskräfte sind inzwischen in Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im Einsatz, viele davon seit Samstagabend ohne Pause. Bis zu 500 Mal mussten sie ausrücken.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) wollen am Sonntagnachmittag ins Hochwassergebiet in Südostbayern fahren. Das verlautete am Vormittag aus Regierungskreisen in München. Die beiden Politiker wollten sich in der vom Hochwasser betroffenen Region ein Bild von der Lage machen, hieß es. Ort und Zeit waren zunächst offen.

Gegend um Königssee betroffen

Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Feuerwehr und andere Hilfskräften mussten zu bis zu 500 Einsätzen ausrücken - auch um Menschenleben zu retten.

Häuser mussten geräumt werden, weil sie vom Einsturz bedroht waren. 130 Menschen wurden in Sicherheit gebracht, darunter 80 aus einer Siedlung in Schönau am Königssee, sagte Kern. Unklar sei, ob die Siedlung länger gesperrt werden müsse. Auch der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden ist eingestellt, Straßen sind zum Teil gesperrt.

Zugverkehr im südlichen Oberbayern beeinträchtigt

Durch das Hochwasser und Murenabgänge kommt es im Süden Oberbayerns zu Störungen im Zugverkehr. Die Strecke zwischen München und Innsbruck sei beeinträchtigt, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Sonntag. Aufgrund des Unwetters wurde am Sonntagvormittag der Betrieb zwischen Eschenlohe und Oberau eingestellt. Die Orte Ohlstadt und Eschenlohe könnten nicht angefahren werden. Zwischen Weilheim und Oberau fährt ein Schienenersatzverkehr.

Die Strecke zwischen Mittenwald und Scharnitz wurde am Vormittag ebenfalls gesperrt. Züge aus Innsbruck enden in Scharnitz. Die Züge aus München fahren wegen einer geplanten Baustelle nur bis Weilheim. Weil die Bundesstraße 2 wegen des Unwetters nicht befahrbar ist, sei zwischen Garmisch-Partenkirchen und Scharnitz kein Ersatzverkehr möglich.

Touristen sollen Gebiet meiden

Wegen der Hochwasserlage im Berchtesgadener Land sollen Ausflügler die Region im Südosten Bayerns meiden. Dazu hat Landrat Bernhard Kern am Sonntagvormittag bei einer Pressekonferenz in Bad Reichenhall vor allem Tagestouristen aufgerufen. Die Einsatzkräfte hätten alle Hände voll zu tun. Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden sei eingestellt, sagte Kern. Auch Straßen seien "extremst in Mitleidenschaft gezogen" worden.

Ebenso ist in Chamerau in der Oberpfalz der Roßbach wegen Starkregens über die Ufer getreten. Ein Gebäude sei mit Sandsäcken vor den Wassermassen geschützt worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Im gesamten Landkreis gab es fünf weitere Einsätze der Feuerwehr aufgrund von vollgelaufenen Kellern oder überschwemmten Straßen.

Schaden geht in die Millionen

Der Schaden lässt sich nach Angaben von Kern noch nicht abschätzen. Dieser gehe aber in die Millionen, sagte er. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren am Sonntag damit beschäftigt, Straßen wieder befahrbar zu machen, Keller auszupumpen und mit Sandsäcken weitere Überschwemmungen zu verhindern. Mehrere Bahnstrecken wurden in Oberbayern gesperrt.

Nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes sollte es im gesamten Alpenraum am Sonntag den ganzen Tag über stark regnen. Erst in der Nacht sollte es trockener werden.

In Passau schleppte die Polizei Autos ab, die die Besitzerinnen und Besitzer trotz Hochwasserwarnungen nicht umgeparkt hatten. Anwohnerinnen und Anwohner brachten Hochwassersperren an ihren Grundstücken an. Straßen wurden gesperrt.

Bei der Donau stiegen die Pegelstände so stark, dass Meldestufe 3 erreicht wurde - das bedeutet, dass Grundstücke überflutet werden und Keller voll Wasser laufen. "Im Moment haben wir noch nichts Größeres", sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion Passau. "Die Menschen hier sind auch schon einiges gewöhnt." In der Drei-Flüsse-Stadt kommt es regelmäßig zu Überschwemmungen.

Land unter in Österreich

Sintflutartige Regenfälle haben in der Nacht zum Sonntag auch weitere Teile Österreichs erfasst. Sowohl in Salzburg als auch in Tirol und der Bundeshauptstadt Wien waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, wie die Agentur APA meldete. Im Stadtgebiet von Hallein sei Zivilschutzalarm ausgelöst worden, ebenso wie in Mittersill im Pinzgau sowie in Kufstein in Tirol. In der Stadt Salzburg wurde der Hochwasserschutz entlang der Salzach aufgebaut

In Hallein überfluteten die Wassermassen Teile der Altstadt. Ein Bach hatte sich am Abend zu einem reißenden Strom entwickelt, bestätigte die Polizei am Samstag entsprechende Videos, die im Internet zu sehen waren. Nach Angaben der Feuerwehr lagen am späten Abend keine Meldungen über Vermisste, Verletzte oder gar Tote vor.

In Kufstein werden die Menschen aufgefordert, Gebäude nicht zu verlassen und sich in höhere Stockwerke zurückzuziehen. Im Stadtgebiet erreichte das Wasser der Zulaufbäche des Inns bereits die Straßen. Wegen möglicher Erdrutsche wurde ein Teil der Felbertauernstraße gesperrt.

In Wien sorgten starker Regen und Gewitter für Hochbetrieb bei den Feuerwehren. Meist wurden die Feuerwehrleute wegen überfluteter Keller oder Unterführungen gerufen, bis zum Sonntagmorgen berichtete die Berufsfeuerwehr von über 500 Einsätzen.

 

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