Am Ende des Interviews krempelt Edgar Walth das rechte Hosenbein hoch. Stolz präsentiert der 30-Jährige sein jüngstes Tattoo. Auf dem hinteren Unterschenkel zeigt sich die Silhouette von Straubings Wahrzeichen: Stadtturm, Jakobskirche, Volksfest-Riesenrad. Es ist eine Liebeserklärung. An die Stadt, in der seine Familie seit ihrer Übersiedlung aus der früheren Sowjet-Republik Moldawien im Juni 1993 - da war er zwei Jahre alt - eine neue Heimat gefunden hat. An die Stadt, in der er als kleiner, schmächtiger Boxer eine große Karriere startete mit vier deutschen Meisterschaften in Folge. An die Stadt, für die er zum sportlichen Botschafter geworden ist. Jetzt hängt Edgar Walth die Boxhandschuhe an den Nagel. Und sagt im Rückblick: "Ich würde alles noch mal genauso machen."

Viele seiner Rivalen im Ring hat Walth in die Knie gezwungen. Von seinen 220 Kämpfen hat er 180 gewonnen. Ein Gegner aber war unbezwingbar: Corona. "Dass ich jetzt endgültig aufhöre, liegt an diesem Virus", sagt Walth. Die Pandemie ließ keine Kämpfe mehr zu. "Boxveranstaltungen ohne Zuschauer lohnen sich nicht", sagt der dreifache Familienvater, der 2017 ins Profilager gewechselt war. Drei Tage vor Heiligabend 2019 bestritt Walth den letzten seiner zehn Profikämpfe. Die vorherigen neun Duelle hatte er alle gewonnen, nun setzte es gegen den Ukrainer Wladyslav Melnyk erstmals eine Niederlage. Die Hoffnung auf eine Revanche machte Corona zunichte. "Es ist sehr schade, dass ich jetzt mit einer Niederlage abtreten muss", sagt Walth.