Kanada Rocky Mountains: Süchtig nach Schnee

Imposante Kulisse der Rocky Mountains von Icefields Parkway aus betrachtet. Foto: Tobias Wolf

Seit 40 Jahren ist der 63-jährige Engländer Andy Skilehrer im Jasper-Nationalpark in den Rocky Mountains.

Ein breites Lächeln huscht über Andys Gesicht. "Was für ein Panorama!" Sein Blick schweift über die weiß gezuckerten Gipfel der Rocky Mountains. Auch nach 40 Jahren hat er sich nicht sattgesehen. Der 63-jährige sympathische Mann mit weiß-grauem Vollbart ist Skilehrer aus Leidenschaft. Andy stammt aus Nord-England, mehr als ein paar Hügel gibt es dort nicht. Doch von Kindesbeinen an ist Skifahren seine Leidenschaft. So verschlug es ihn 1980 nach Jasper, eigentlich nur für eine Wintersaison - aber es wurde länger, deutlich länger. Der kleine, charmante Ort im gleichnamigen Nationalpark in der kanadischen Provinz Alberta hat es ihm angetan.

Was Andy so reizt? "Ich bin süchtig, süchtig nach Schnee", sagt er mit einem breiten Grinsen. Wer einmal in den Rocky Mountains Ski gefahren ist, versteht, was der 63-Jährige meint. Federleicht und trocken ist die weiße Pracht hier. Eisige Pisten gibt es nicht, sanft gleiten die Ski durch den Pulverschnee.

Andy ist nicht der einzige "Süchtige". Im Marmot Basin Ski Resort hoch oben über Jasper trifft man viele, die nur für eine Saison bleiben wollten - und bis heute hier sind. US-Amerikaner, Australier, Briten, Franzosen, Deutsche. Sie alle hat der feine Pulverschnee der Rockies verzaubert. Auch Andys Frau, eine Kanadierin, teilt mit ihrem Mann die Leidenschaft Skifahren.

"Die Einheimischen regen sich auf, wenn nur sechs Leute vor ihnen stehen"

Mit den riesigen Skigebieten in den Alpen kann Marmot Basin zwar nicht mithalten - zumindest was Größe und Pistenkilometer anbelangt. Dafür hat es neben der feinen weißen Pracht etwas anderes zu bieten: familiären Charme. Hier kennen die Skifahrer sich, Neulinge werden freundlich empfangen und Nachnamen spielen keine Rolle, jeder ist gleich beim "Du".

Lange Warteschlangen an den Liften gibt es in Marmot Basin ebenfalls nicht - nicht mal zur Hochsaison zwischen Weihnachten und Neujahr. "Die Einheimischen regen sich ja schon auf, wenn nur sechs Leute vor ihnen stehen", erklärt Andy lachend. Vor allem am späten Nachmittag hat man die Pisten fast ganz für sich allein.

680 Hektar Pisten und Tiefschnee-Abfahrten bietet Marmot Basin

Auch wenn Marmot Basin, das auf knapp 1.700 bis 2.600 Metern Höhe liegt, nicht das größte Skigebiet ist, so kommen dank etlicher schwarzer, abwechslungsreicher Pisten und Tiefschnee-Abfahrten auch erfahrene Brettlfans zu ihrem Vergnügen. Insgesamt gibt es knapp 680 Hektar Pisten und Tiefschnee-Strecken sowie sieben Lifte.

Im Vergleich zu den kanadischen Wintersport-Metropolen Vancouver, Calgary oder Whistler wirkt das Örtchen Jasper mit seinen rund 4.000 Einwohnern geradezu verschlafen, genau das verleiht dem einstigen Handelsposten für Felljäger aber seinen Charme. In einem breiten Tal gelegen durchziehen der Miette River und der Athabasca River die Landschaft, Wasserfälle stürzen von den Gipfeln der Rockies. Die Wälder scheinen schier endlos. Der Jasper-Nationalpark ist der größte in den kanadischen Rocky Mountains und gehört zum UNESCO Weltnaturerbe.

Polarlichter spiegeln sich in dunklen Nächten in den gefrorenen Seen

Mit ein bisschen Glück begegnet man auf dem Weg zum Skilift Elchen, Wapiti-Hirschen oder Dickhornschafen. Auch Schwarzbären, Grizzlybären, Luchse, Wölfe, Kojoten und die seltenen Waldkaribus, eine Rentierart, leben im Nationalpark.

In und um Jasper gibt es viele urige Lodges. Sie liegen oft idyllisch an tiefblauen, gefrorenen Seen, in denen sich in dunklen Nächten Polarlichter spiegeln und surreale Bilder an den Himmel zaubern. Da versteht man schnell, warum es bei Skilehrer Andy nicht nur bei einer Saison blieb.

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