Justiz Spezialeinheit ermittelt öfter wegen Kinderpornografie

Mit einer Spezialeinheit hat Bayern den Kampf gegen Kinderpornografie verstärkt. Neue Methoden helfen bei der Jagd nach den Tätern. Doch die Ermittler stehen auch vor neuen Problemen - und müssen immer häufiger aktiv werden.

In Bayern sind Spezialermittler im laufenden Jahr erneut öfter wegen Fällen von Kinderpornografie und Kindesmissbrauch aktiv geworden als in den Vorjahren. Bis Mitte Oktober habe das Zentrum zur Bekämpfung von Kinderpornografie und sexuellem Missbrauch von Kindern im Internet (ZKI) insgesamt 4037 Verfahren eröffnet, sagte Justizminister Georg Eisenreich (CSU) am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im Münchner Justizpalast. Im vergangenen Jahr waren es noch 3236 Verfahren - im Jahr 2020 nur 1122.

Bundesweit hat die Polizei laut Ministerium im Jahr 2021 fast 40.000 Fälle von Verbreitung, Besitz, Erwerb und Herstellung kinderpornografischer Inhalte erfasst. Dies seien mehr als fünfmal so viele wie im Jahr 2017.

Um dem Trend entgegenzuwirken, forderte der Justizminister ebenso wie der Leiter des ZKI, Oberstaatsanwalt Thomas Goger, eine Speicherung von IP-Adressen. "Fehlende Verkehrsdatenspeicherung kann verhindern, dass wir Straftaten aufklären und gegebenenfalls noch laufenden Kindesmissbrauch stoppen können", betonte Eisenreich. Die Datenspeicherung solle nur zeitlich befristet erfolgen und der Zugriff nur bei schweren Straftaten möglich sein. Wie lange die Daten gespeichert werden sollen, ließ der Minister offen.

Geholfen habe den Ermittlern bereits der Einsatz von computergenerierten Missbrauchsabbildungen, sagte Justizminister Eisenreich. Diese seien oft als "Eintrittskarten" für einschlägige Foren nötig. Dass die Ermittler dieses Material nun einsetzen dürften, erleichtere auch die Arbeit des ZKI.

Bei mehreren Ermittlungen half dem im Oktober 2020 gegründeten ZKI nach Angaben des Justizministeriums zudem ein Forschungsprojekt: der "Dark Web Monitor". Mit dieser Suchmaschine könne die Spezialeinheit, die unter dem Dach der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg arbeitet, gezielt Adressen im Darknet ermitteln. Ebenso helfe das Programm bei der Verfolgung von Geldflüssen, die zum Beispiel durch Kryptowährungen wie Bitcoins erfolgt sind.

Doch es gebe auch neue Probleme, die auf die Ermittler zukommen. So warnt Eisenreich vor sogenanntem Facebook-Hacking, bei dem Kriminelle Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs auf die Facebook-Konten von nichts ahnenden Nutzern spielen. Bis zum 24. Oktober waren dem Ministerium bereits 502 solcher Fälle bekannt. Die so erhaltenen Bilder dürften nicht weitergeleitet werden, da sich die Nutzer sonst strafbar machten.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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