Der 57-jährige Geschichtsprofessor Michael Brenner forscht und publiziert auf den Gebieten jüdische Geschichte und jüdische Kultur. Er unterrichtet an der LMU in München und der American University Washington. Brenner ist in Weiden geboren, wo er als Sohn zweier Schoah-Überlebender aufwuchs. Im Interview erklärt er die Anfänge der Juden in Deutschland und warum er mit etwas Sorge in die Zukunft blickt.

Herr Professor Brenner, in diesem Jahr wird 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland gefeiert. Was empfinden Sie als Deutscher jüdischen Glaubens angesichts dieser langen Geschichte? Vielleicht so etwas wie Stolz?

Brenner: So ist das. Man weiß sehr wenig über die Antike. Es gibt dieses berühmte Dokument aus Köln aus dem Jahre 321. Und dann noch einige archäologische Funde, unter anderem aus dem Raum Augsburg, die aber nicht unbedingt sehr aussagekräftig sind. Man weiß generell recht wenig über das, was in unseren Gefilden passiert ist.

Sie haben das Dekret des römischen Kaisers Konstantin angesprochen: Ist es nicht ein seltsamer Zufall, dass ausgerechnet ein Dokument des ersten christlichen Kaisers des Römischen Reichs die früheste erhaltene schriftliche Quelle zum jüdischen Leben in Europa nördlich der Alpen ist?