Joseph Vilsmaier über "Bayern - sagenhaft" "Ich wollte Musiker werden."

, aktualisiert am 12.02.2020 - 18:40 Uhr

Stimmt es, dass Ihre Töchter Schauspielerinnen sind…

Das ist eine dieser Unwahrheiten. Meine älteste Tochter lebt seit sechs Jahren in London und arbeitet als Sales-Managerin bei HanWay. Sie war jetzt in Südkorea und verkauft Filme für Ihren Arbeitgeber. Die haben 18 Oscar-Filme, also ganz groß. Die mittlere Tochter ist Gynäkologin, die jüngste hat Social Media in Berlin studiert. Sie ist gerade bei Bulgari.

Wollten Ihre Töchter alle nicht selber Filme machen?

Die Mittlere hatte als Mädchen die Hauptrolle im „Fliegenden Klassenzimmer“. Die Josi war bei „Bergkristall“ die Hauptdarstellerin. Die wollte gerne. Dann habe ich ihr gesagt: ‚Pass auf, wenn du zu den 90 Prozent HartzIV-Empfängern in der Branche gehören willst, dann machst du es.‘ Ich weiß ja genau, wie es bei den Schauspielern ist, denn ich kriege ja die Anfragen. Es tut mir wahnsinnig in der Seele weh, dass die so kämpfen müssen. Es gibt vielleicht zwanzig, die Kohle verdienen, und die anderen halt nicht.

Haben Sie selbst jemals Ihren Weg bereut?

Bei mir war das anders. Ich habe 300.000 Schulden bei „Herbstmilch“ aufgenommen. Das war mein erster Film. Ich habe mir gesagt: Wenn es nicht funktioniert, dann werde ich die Schulden über 10 Jahre wieder abzahlen, und zwar mit meiner Arbeit als Kameramann. Ich habe mir genau ausgerechnet, dass das so hingekommen wäre. Dann war es aber der erfolgreichste Film 1989. Dann habe ich weiter gemacht. Der eigentlich erfolgreichste Film ist „Stalingrad“ – nicht in Deutschland, aber im Ausland.

Warum haben Sie sich überhaupt dazu entschlossen, diesen Weg zu gehen? Sie hätten doch einfach Kameramann bleiben können.

Es hat mich einfach gereizt, als mir das Buch von der Wimschneider untergekommen ist. Da habe ich gesagt: Das ist meine Gegend, da bin ich aufgewachsen, ich weiß, wie die Leute ticken. Also mache ich das. Zu mir hat mal jemand im Kino gesagt: ‚Sie haben ja keinen Moslem in Ihrem Film.‘ Darauf habe ich gesagt, dass Bayern ein christlich geprägtes Land ist, mit jüdischen Einflüssen. Mit Juden, die 1945 die Flucht überstanden hatten, bin ich aufgewachsen, weil wir in einer gemeinsamen Wohnung waren. Ich kann heute alles sagen, und darf auch mit der Frau Knobloch schimpfen. Das trauen sich andere gar nicht. Was man nun im Film noch hat, ist der Buddhismus durch den Nepal-Park. Das ist ein sehr friedlicher Glaube, so wie wenn man schwebt. Aber am besten daran gefällt mir, dass es so gut riecht. Zu dem Moslem-Frager habe ich dann noch gesagt: ‚Wissen Sie, ich kenne die Moslems zwar ein bisschen. Aber ich würde mich nie trauen, sie darzustellen.‘

Sie sind Jahrgang 1939. Das heißt, Sie haben die Kriegs- und Nachkriegszeit erlebt…

Ich war fünf Jahre alt, da hat uns kleine Buben ein englischer Tiefflieger gejagt. Ich kenne Krieg ganz genau. Ich war im Hochbunker, mit meiner Tante. Da waren die Türen wegen dem Luftdruck zugesperrt. Wenn man zu spät gekommen ist, dann ist man draußen gestanden. Das habe ich in „Rama Dama“ verarbeitet. Dreißig, vierzig Kinder in Korbkinderwägen, die nicht mehr reingekommen sind. Und überall hat es gekracht und gebrannt. Ich kann mich ganz genau erinnern.

Wie sind Sie damals in die Filmbranche gekommen?

Ich wollte Musiker werden. Das hätte auch funktioniert. Aber ich wollte nicht ein halbes Jahr nach Stockholm in ein Hotel mit der Band. Es war schon klar, dass ich eventuell zur Bavaria kommen könnte. Da haben Sie einen neuen Pianisten gesucht. Die anderen sind alle Berufsmusiker geworden. Ich war dann am Anfang der Depp, der Kaffeeholer. Das hat mir aber auch nichts ausgemacht. Ich habe die „hohen“ Kameramänner gesehen und für sie Aufgaben erledigt – damals war ein Kameramann noch viel mehr als ein Regisseur. Ich habe dann gemerkt: Irgendwie geht da was. Und die merkten wohl, dass ich nicht maule.

 
 
 

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