Knapp 16 Jahre lang regierte Kanzlerin Angela Merkel. Eine Zeit, in der sie auch viele europäische Krisen miterlebt hat. Seinen persönlichen "Merkel-Moment" hatte er während der Euro-Krise, erinnert sich der ehemalige Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Merkel unterstützte ihn dabei, Griechenland im Euro-Raum zu halten. Letzten Endes war sie es, die Athen dazu brachte, die Reformen zu akzeptieren.

Herr Juncker, US-Präsident Joe Biden hat die Kanzlerschaft Angela Merkels vor einigen Tagen als "historisch" bezeichnet. War sie das?

Jean-Claude Juncker: Ich bin mit dem Wort "historisch" immer vorsichtig. Aber es war eine gute Zeit für Deutschland und infolgedessen auch eine gute Zeit für Europa. Sie hat die deutschen Interessen oft knallhart vertreten - ähnlich wie Helmut Kohl oder Gerhard Schröder. Angela Merkel war von Anfang an Europäerin. Sie wusste um die Verantwortung, die Deutschland als größtes Land dieser Gemeinschaft für alle hat. Ich habe an ihr stets bewundert, dass sie immer genau Bescheid wusste. Sie hat dieses Detailwissen genutzt - sehr zum Leidwesen derer, die den Sachstand nicht so gut kannten.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit ihr?