Jahn-Torhüter im Interview Meyer: "Muss mir den Status jeden Tag neu erarbeiten"

Alexander Meyer ist die neue Nummer eins im Tor des SSV Jahn Regensburg. Foto: firo/Augenklick

Alexander Meyer ist die neue Nummer eins im Tor des SSV Jahn Regensburg. Am Sonntag stand er beim Heimsieg gegen den VfL Bochum erstmals seit über einem Jahr wieder in einem Pflichtspiel auf dem Platz. Im idowa-Interview spricht der 28-jährige Keeper über die Partie, den Dreikampf im Jahn-Tor sowie das anstehende Spiel gegen Bundesliga-Absteiger Hannover und seinen ehemaligen Teamkollegen Ron-Robert Zieler.

Herr Meyer, nach über einem Jahr standen Sie am Sonntag wieder in einem Pflichtspiel auf dem Feld. Wie hat es sich angefühlt?
Alexander Meyer: Richtig gut. Ich hatte schon während der Vorbereitung ein gutes Gefühl. Aber ein Pflichtspiel ist nochmal etwas anderes. Ich bin gut reingekommen und die Mannschaft hat insgesamt sehr gut verteidigt und die Vorgaben gut umgesetzt.

Sie wirkten von außen sehr ruhig und sicher. Waren Sie nicht nervös?
Meyer: Es war vor allem eine positive Vorfreude von mir auf dieses Spiel. Ich habe ja nicht nur lange nicht mehr gespielt, es war auch mein erstes Spiel im Trikot des SSV Jahn Regensburg und das erste in diesem Stadion. Deshalb war natürlich eine gewisse Aufregung dabei. Das ist aber auch gut, denn dadurch ist man noch einen Tick fokussierter.

Wie betrachten Sie das Spiel gegen Bochum im Rückblick?
Meyer: Wir haben es auf jeden Fall verdient gewonnen. Wir haben gut verteidigt und sind verdient in Führung gegangen. Nach der Halbzeit wollten wir weiter mutig agieren und haben das zweite Tor nachgelegt. Auch als Bochum dann in einer Phase etwas mehr Druck gemacht hat, haben wir kaum etwas zugelassen.

Das Zusammenspiel zwischen Ihnen und der Abwehr scheint also schon gut zu funktionieren…
Meyer: Das stimmt. Das hat sich auch in den letzten Testspielen gegen Hoffenheim und Mainz schon gezeigt. Wir harmonieren und haben ein gutes Gefühl dafür, wie wir in verschiedenen Situationen reagieren.

Was nehmen Sie nun aus dem Spiel mit für die kommenden Aufgaben?
Meyer: Wenn wir unsere Vorgaben umsetzen, dann können wir gegen jede Mannschaft in dieser Liga bestehen. Uns muss aber auch klar sein, dass es Woche für Woche bei null anfängt und wir viel Arbeit und Intensität reinstecken müssen, damit wir erfolgreich sein können. Wir sind gegen Bochum als Team über 120 Kilometer gelaufen, das sagt schon viel aus. Genauso müssen wir weitermachen. Wir müssen jeden Tag am Limit trainieren und uns gegenseitig pushen, damit wir dann am Wochenende alles reinwerfen können.

Sie wurden vor dem Bochum-Spiel als die neue Nummer eins des Jahn bestimmt. Wie haben Sie diese Entscheidung aufgenommen?
Meyer: Trainer Mersad Selimbegovic hat es uns Torhütern in Einzelgesprächen mitgeteilt. Ich war natürlich sehr glücklich über die Entscheidung. Aber es war auch vom ersten Tag an mein klares Ziel, dass ich mich hier durchsetzen und spielen möchte. Ich bin topfit und denke, dass ich im Training und in den Testspielen meine Leistung gebracht habe.

Von außen hat es schon gegen Ende der Vorbereitung so geschienen, dass Sie die Nummer eins werden. Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie das Gefühl hatten, sich durchgesetzt zu haben?
Meyer: Tatsächlich erst, als das Gespräch mit dem Trainer stattfand. Ich wusste, dass er erst in der letzten Woche die Entscheidung treffen würde. Natürlich habe ich auch gelesen, was geschrieben wurde. Aber das hatte für mich keine Bedeutung, wichtig war mir nur die interne Kommunikation. Ich wollte einfach jeden Tag zeigen, dass ich die Nummer eins sein möchte. Mir ist aber auch bewusst, dass ich mir diesen Status jeden Tag neu erarbeiten und mich weiter beweisen muss.

Was, denken Sie, hat am Ende den Ausschlag für Sie gegeben?
Meyer: Der Trainer hat das ja auch öffentlich erklärt. Ich bin ein Torhüter, der offensiv und mutig spielt und gut in der Strafraumbeherrschung ist. Meine Präsenz ist eine meiner größten Stärken und das habe ich seit ich hier bin versucht, in die Waagschale zu werfen.

Wie haben Sie Ihre Torhüter-Kollegen Alexander Weidinger und André Weis während des „Dreikampfs“ wahrgenommen?
Meyer: Ich habe in erster Linie auf mich geschaut und habe mich auf das konzentriert, was ich beeinflussen kann: meine eigene Leistung. Aber ich verstehe mich unabhängig von der Konkurrenzsituation super mir Alex und André. Wir haben im Training einen guten Mix aus Konzentration und Spaß und beide haben ihre Sache auch sehr gut gemacht.

Gab es mit den Kollegen nach der Entscheidung noch einmal ein Gespräch, haben Sie zum Beispiel versucht, André Weis aufzubauen, der von der Nummer zwei zur Nummer drei abgerutscht ist?
Meyer: Konkret darüber gesprochen haben wir nicht. Aber ich weiß, dass André lange im Geschäft ist und schon lange Profi ist. Er weiß, wie er damit umgehen muss.

Richten wir den Blick nach vorne. Am Samstag sind Sie zu Gast bei Hannover 96, einem Bundesliga-Absteiger. Freut man sich auf ein solches Duell in einem großen Stadion besonders?
Meyer: Ich habe vier Jahre lang in Hannover gelebt, als ich in Havelse gespielt habe. Da hat man schon immer mal rübergeschaut zu 96, was beim „großen“ Verein passiert. Deshalb ist das Spiel schon eine tolle Sache für mich. Aber wir haben in dieser Saison einige Highlights. Das Spiel in Hannover, bei einem gefühlten Bundesligisten, gehört mit Sicherheit dazu.

Im Hannoveraner Tor steht Ron-Robert Zieler, mit dem Sie in den vergangenen beiden Jahren beim VfB Stuttgart zusammengearbeitet haben. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Meyer: Das war eine gute Zusammenarbeit. Es war klar, als ich nach Stuttgart gekommen bin, dass er die Nummer eins war. Schließlich ist er Weltmeister. Trotzdem haben wir uns gut verstanden.

Was haben Sie aus der Zeit mit ihm mitgenommen?
Meyer: An ihm bewundere ich, dass er in seinen letzten sieben Saisons in der Bundesliga kein einziges Spiel verpasst und immer alle 34 Saisonspiele absolviert hat. Das ist auch eine besondere Qualität, auf diesem Niveau immer fit und spielbereit zu sein.

Gab es schon eine Kampfansage in seine Richtung für das Spiel am Samstag?
Meyer: Nein. Wir haben nach den jeweiligen Wechseln nach Regensburg beziehungsweise Hannover miteinander geschrieben. Aber jetzt speziell wegen des Spiels gab es keinen Kontakt, ich bin aber auch nicht der Typ für große Kampfansagen (schmunzelt).

Was wird für den Jahn wichtig sein, um auch in Hannover punkten zu können?
Meyer: Wir müssen einfach wieder unseren Plan und unsere Taktik durchziehen. Wichtig wird sein, dass wir defensiv wieder richtig gut stehen und auch vorne unsere Qualitäten einbringen. Dann können wir auch in Hannover etwas holen.

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