Jahn-Stürmer im Interview

Andreas Albers: "Mein Ziel sind über zehn Tore"


Will in seiner zweiten Jahn-Saison im Sturm noch mehr vorangehen: Andreas Albers (links).

Will in seiner zweiten Jahn-Saison im Sturm noch mehr vorangehen: Andreas Albers (links).

Jahn-Stürmer Andreas Albers im Interview über den Saisonauftakt, den Jahn-Fußball und sein zweites Jahr in Regensburg.

Als Andreas Albers vor der vergangenen Saison als neuer Stürmer des SSV Jahn Regensburg vorgestellt worden ist, war er in Fußball-Deutschland kaum jemandem ein Begriff. Der Jahn holte den Angreifer aus der zweiten dänischen Liga - und landete damit einmal mehr einen Treffer bei seinen Neuzugängen. Albers bestritt in seiner ersten Saison 33 der 34 Liga-Spiele und war mit acht Toren und sechs Vorlagen zweitbester Jahn-Scorer hinter Sebastian Stolze.

Nun hat sich Andreas Albers viel für seine zweite Saison in der Oberpfalz vorgenommen und will nach dem Abgang von Marco Grüttner auch eine neue Rolle in der Jahn-Offensive einnehmen. Im idowa-Interview spricht der 30-Jährige über den Saisonstart des Jahn, neue Nebenleute in der Offensive und seine Ziele.

Herr Albers, im Pokal weitergekommen, zum Liga-Start ein Remis gegen Nürnberg. Wie bewerten Sie den Saisonauftakt des Jahn?
Andreas Albers: Wir können soweit zufrieden sein. Unser erstes Pflichtspiel war gleich im Pokal, wo wir uns in den vergangenen Jahren oft schwer getan haben. Deshalb ist es gut, dass wir Kaiserslautern geschlagen haben. Mit einem Unentschieden gegen Nürnberg kann man auch zufrieden sein, auch wenn am Ende sogar mehr möglich gewesen wäre.

60 sehr gute Minuten gegen Kaiserslautern, nun ein guter Auftritt gegen den Club. Wie viel Mut macht der Auftakt mit Blick auf die gesamte Saison?
Albers: 60 gute Minuten wie gegen Kaiserslautern sind nicht genug. Du kannst in der 2. Liga nicht nur 60 Minuten gut spielen, dann verlierst du wahrscheinlich jedes Spiel. Nach dem Pokalspiel habe ich mir gedacht: Was ist nach 60 Minuten passiert? Warum konnten wir die Leistung nicht über 90 Minuten zeigen? Deshalb war das Nürnberg-Spiel für uns ein wirklich guter Schritt. Wir spielen zweikampfbetont, laufintensiv und mit viel Power. Da war es für uns als Mannschaft wichtig zu sehen, dass wir auch 90 Minuten Vollgas geben können.

Haben dafür gegen Nürnberg auch die Fans, die erstmals seit Monaten wieder ins Stadion durften, ihren Teil dazu beigetragen?
Albers: Das hat uns zu einhundert Prozent geholfen. Es war ein echt tolles Gefühl ins Stadion einzulaufen, die 3.000 Zuschauer haben wir auf dem Platz sofort gemerkt. Das hat uns gepusht, diese Leidenschaft von den Rängen spürst du einfach. Der Unterschied von null zu 3.000 Zuschauern ist enorm.

In der Vorbereitung gab es viele Verletzte sowie schwankende Leistungen und Ergebnisse. Waren Sie selbst ein Stück weit überrascht, wie gut es zum Saisonstart schon klappte?
Albers: Ich kann mich selbst noch an die ersten zwei, drei Monate in meiner ersten Saison hier erinnern. Das war wirklich anstrengend - körperlich, aber auch für den Kopf. Du musst das System verinnerlichen, das dauert. Es ist ein spezieller Fußball, der hier gespielt wird. Deshalb war ich nicht überrascht, dass wir in den ersten Testspielen auch weniger gute Leistungen hatten. Ich weiß, dass es für die neuen Spieler ein bisschen dauert, bis die Abläufe und das Anlaufen sitzen. Wenn du das System einmal kennst, dann greifen die Automatismen schneller. Deshalb war das Spiel gegen Nürnberg sehr wichtig, weil wir gezeigt haben, dass wir das 90 Minuten umsetzen können.

Sie fielen in der Vorbereitung mit einer Bänderverletzung aus. Sind Sie wieder komplett fit?
Albers: Ich bin bei fast 100 Prozent. Ein bisschen spüre ich es noch und verwende deshalb Tape an der Stelle. Aber Fußball spielen ist kein Problem.

Sie starten in Ihre zweite Saison beim Jahn. Was haben Sie sich nach acht Toren und sechs Vorlagen im ersten Jahr nun vorgenommen?
Albers: Die erste Saison war gut, ich konnte viele Tore und Vorlagen verzeichnen, das hat mich selbst ein bisschen überrascht. Im zweiten Jahr würde ich mich gerne weiter verbessern. Ich möchte gerne über zehn Tore erzielen, das ist mein persönliches Ziel. Ich weiß auch, dass meine Leistungen vergangene Saison nicht immer stabil waren. Oft sind auf ein gutes Spiel zwei, drei schwächere gefolgt. Ich will deshalb auch meine Leistung stabilisieren. Im zweiten Jahr hier kenne ich nun auch die Abläufe besser. Mit meiner Erfahrung sehe ich mich auch in der Pflicht, Mitspielern zu helfen. Zum Beispiel Kaan Caliskaner, mit dem ich zuletzt in der Offensive zusammengespielt habe. Das ist auch eines meiner Ziele.

Auf Seite 2 des Interviews spricht Andreas Albers über neue Nebenleute und seine neue Rolle im Jahn-Sturm

Andreas Albers über neue Nebenleute und seine neue Rolle im Jahn-Sturm

Mit Albion Vrenezi, Babis Makridis und Kaan Caliskaner hatten Sie zuletzt drei Spieler in der Offensive um sich herum, mit denen Sie maximal seit Winter zusammenspielen. Ist es schwierig, sich schnell neu zu finden?
Albers: Es ist schon etwas anderes. Letzte Saison hatte ich fast immer Marco Grüttner neben oder vor mir. Er hatte den Jahn im Herzen, hatte das Spiel komplett verinnerlicht. Deshalb ist das schon ein großer Unterschied, dass er nicht mehr da ist. Jetzt ist es eines meiner Ziele, noch mehr im Sinne der gesamten Mannschaft zu denken. Das muss ich auch lernen, den anderen noch mehr zu helfen. Es ist eine neue Situation mit drei neuen Spielern, aber das hat 60 Minuten in Kaiserslautern und 90 Minuten gegen Nürnberg schon gut funktioniert. Und ich bin mir sicher, das wird auch noch besser werden.

Marco Grüttner war der Leuchtturm im Sturm. Ist es schwierig, ihn als Anführer in der Offensive nicht mehr zu haben?
Albers: Das ist schwierig, klar. Deshalb ist es wichtig, dass wir alle zusammen helfen und das mit Charakter, Leistung und Cleverness wettmachen. Da müssen wir alle unseren Teil dazu beitragen, das müssen alle gemeinsam ein Stück weit auffangen.

Bildeten vergangene Saison oft das Sturm-Duo beim SSV Jahn: Andreas Albers (rechts) und Marco Grüttner. (Foto: imago)

Bildeten vergangene Saison oft das Sturm-Duo beim SSV Jahn: Andreas Albers (rechts) und Marco Grüttner. (Foto: imago)

Sehen Sie sich nach Grüttners Abgang in der Position, die Aufgabe als Chef im Sturm zu übernehmen?
Albers: Ich konnte vergangene Saison sehr viel von Marco lernen und wir haben offensiv ein paar neue Spieler, denen ich diese Erfahrung weitergeben möchte. Dem zweiten Stürmer, aber zum Beispiel auch unseren Außen, die zudem Unterstützung von den Außenverteidigern bekommen. Wir versuchen, alle zusammen auf dem Platz Kontakt zu halten - und dann auf Kommando in die gleiche Richtung zu marschieren.

Sie kommunizieren also auf dem Platz auch deutlich mehr als vergangene Saison?
Albers: Ja. Marco war jemand, der sehr viel kommuniziert hat und zwar mit allen. Jetzt ist es auch meine Aufgabe, das weiterzuführen, das geht nur über Kommunikation. Ich kann mich inzwischen auch mehr einbringen, weil ich die Abläufe besser kenne.

Nach einem Jahr in Regensburg: Wie viel Spaß macht Ihnen der Jahn-Fußball?
Albers: Es war für mich ein großer Unterschied, in Dänemark wird beispielsweise taktischer gespielt. Aber ich habe den Jahn auch genau wegen dieser Power und dieser Zielstrebigkeit in seinem Spiel ausgewählt. Als Stürmer liebt man es, wenn viele Bälle in den Strafraum kommen, das macht viel mehr Spaß.

Am Samstag ist der Jahn zu Gast in Darmstadt. Was erwarten Sie?
Albers: Das ist eine gute Mannschaft. Ich kann mich noch an unser Spiel letzte Saison in Darmstadt erinnern, da hatten wir auch ein bisschen Glück. Darmstadt spielt einen guten und schnellen Fußball. Ich hoffe, dass wir gegen den Ball das Gleiche leisten können wie zuletzt, das brauchen wir auch, damit wir ihr Spiel früh unterbrechen können. Wir werden auch noch mehr laufen müssen als gegen Nürnberg, weil sie schneller spielen. Unser Ziel muss es sein, die Bälle hoch zu erobern, um kurze Wege zum Tor zu haben. Dann können wir auch dort punkten. Die Basis muss sein, dass wir unsere Leistung über 90 Minuten bringen.

Sie haben Ihren Vertrag bereits bis 2022 verlängert. Es scheint Ihnen beim Jahn zu gefallen.
Albers: Ich hatte in der ersten Saison schon so viel erlebt hier, auch wenn es anfangs nicht leicht war, bis ich mich an alles gewöhnt hatte. Durch den Abgang von Marco Grüttner möchte ich meine Erfahrung in der Offensive noch mehr einbringen. Diese Rolle wollte ich gerne annehmen, auch für mehr als eine Saison. Ich bin mit meiner Familie hier und uns ist wichtig, dass wir ein bisschen Sicherheit haben. Wir fühlen uns in Regensburg sehr wohl, die Stadt gefällt uns richtig gut.