Jahn-Gegner im Interview Florian Kastenmeier: "Früher warf ich Oli Hein die Bälle zu"

Florian Kastenmeier steht am Sonntag für Fortuna Düsseldorf gegen seinen Jugendverein SSV Jahn Regensburg zwischen den Pfosten. Foto: imago

Der SSV Jahn Regensburg reist am Sonntag zu Fortuna Düsseldorf. Für den Düsseldorfer Torwart Florian Kastenmeier ist es ein ganz spezielles Spiel. Im Interview blickt er voraus.

Florian Kastenmeier trifft am Sonntag mit Fortuna Düsseldorf auf seinen Jugendverein SSV Jahn Regensburg. Aus dem Fan, der die Spiele des SSV noch im alten Jahnstadion an der Prüfeninger Straße verfolgt hat, ist mittlerweile ein gestandener Profifußballer geworden.

Im idowa-Interview spricht der 23-jährige Familienvater über seine persönliche Entwicklung, die Besonderheit des bevorstehenden Spiels und seinen familiären Rückhalt.

Herr Kastenmeier, im April sind Sie Vater einer Tochter geworden. Sie sind nun also unter anderem auch mit Babysitten beschäftigt. Wie bringen Sie das Profifußballer- und Papa-Dasein unter einen Hut?
Florian Kastenmeier: Das ist eigentlich ganz entspannt. Vormittags kümmert sich meine Frau um unsere Tochter, nachmittags ist dann Papa-Time. Am Wochenende ist die Mama wieder dran. Letztens war meine Tochter sogar mit im Stadion dabei.

Ist es nach Niederlagen entlastend, wenn man nach Hause zur Familie kommt, dort einen gewissen Rückhalt hat und merkt, dass es am Ende des Tages „nur“ Fußball ist?
Kastenmeier: Ja, auf alle Fälle. Am Donnerstag war zum Beispiel auch so ein Tag. Du kommst dann nach Hause, siehst deine Familie und vergisst alles drumherum. Ich bin froh, das in dem Alter schon zu haben.

Vergangene Saison waren Sie in der Hinrunde noch Ersatztorhüter, ehe Sie in der Rückrunde alle Spiele gemacht haben. Welche Eigenschaften braucht man als Nummer zwei?
Kastenmeier: Durchhaltevermögen und Aufmerksamkeit. Das habe ich in der vergangenen Saison ganz gut hinbekommen. Mit dieser Truppe ist das allerdings auch nicht schwer gefallen. Alles in allem unterscheiden sich die Rollen des Stammtorhüters und des Ersatzkeepers aber nicht sehr.

In der aktuellen Saison sind Sie Stammtorhüter bei der Fortuna. Wie würden Sie Ihre persönliche Entwicklung im Jahr 2020 einschätzen?
Kastenmeier: Die war schon riesig. Vor ein paar Jahren hätte ich das nicht geglaubt, dass ich mal Bundesliga spielen werde. Von dem her war das Jahr für mich persönlich - abgesehen vom Abstieg natürlich – schon sensationell. Die 2. Bundesliga tut mir jetzt auch gut in meiner Entwicklung. Ich kann mich nicht beklagen, wie es aktuell ist und hätte bei meinem Wechsel zur Fortuna nicht damit gerechnet, so oft zu spielen.

Wie viel Kraft hat der Abstiegskampf vergangene Saison gekostet?
Kastenmeier: Die vergangene Saison war enorm kräftezehrend, aber es war schon vom ersten Spieltag an klar, dass es gegen den Abstieg gehen würde. Uns hat dann in den entscheidenden Situationen der „Lucky Punch“ gefehlt. Wir haben uns nicht immer clever genug angestellt und haben einige Führungen aus der Hand gegeben. Die Sommerpause hat dann geholfen, den Abstieg zu verarbeiten und abzuschalten. Ich habe viel Zeit mit meiner Familie und der Familie meiner Frau verbracht. Jetzt sind einige neue Spieler zu uns gestoßen, die der Mannschaft neue Impulse geben.

In dieser Saison läuft es allerdings noch nicht wirklich für Ihre Fortuna, ein Sieg aus drei Spielen steht zu Buche. Wo hakt es bei der Fortuna im Moment?
Kastenmeier: Das ist schwer zu sagen. Wir machen es eigentlich ganz gut, uns fehlt allerdings etwas das Glück. Gegen Kiel beispielsweise war die erste Halbzeit nicht gut von uns, die zweite war dann schon besser. Wir haben hart gearbeitet und jetzt müssen wir es besser machen.

Am Sonntag geht es gegen Ihren Jugendverein SSV Jahn Regensburg. Eine spezielle Partie für Sie?
Kastenmeier: Das Spiel wird schon besonders für mich. Damals habe ich als Balljunge Oli Hein noch die Bälle zugeworfen oder stand als Fan im alten Jahnstadion unterm Turm. Das waren schon Highlights. Es ist nur ärgerlich, dass das Spiel am Sonntag ohne Zuschauer stattfinden wird.

Dem Jahn kommt es in der Regel entgegen, wenn der Gegner gezwungen ist, das Spiel zu machen. Macht es das für Ihre Mannschaft noch schwieriger?
Kastenmeier: Das kann man so nicht sagen. Wir wissen, was wir können und werden zu hundert Prozent Vollgas geben. Egal wie der Gegner spielt, wir werden alles daran setzen, die drei Punkte zu holen.

Wie groß ist in Düsseldorf bereits der Druck, dieses Spiel gewinnen zu müssen?
Kastenmeier: Einen gewissen Druck haben wir immer. Nach dem Abstieg in der vergangenen Saison ist die Erwartungshaltung im Umfeld hoch. Wir mussten viele Abgänge mit neuen Spielern kompensieren. Jetzt ist die Kaderplanung abgeschlossen und am Sonntag wollen wir unbedingt punkten.

Sie selbst können dazu einen großen Beitrag leisten. Sind Ihnen Kumpels aus Regensburg böse, wenn Sie gegen den Jahn zu null spielen?
Kastenmeier: Ich glaube nicht. Außer vielleicht Tobi Rutzinger, der Physiotherapeut beim Jahn ist (lacht). Mir wäre es dann auch Wurst, was meine Kumpels denken. Aber sie freuen sich für mich, wenn ich gute Leistungen auf den Platz bringe.

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