Inzidenzen über 1.000 Ostbayern sperrt zu: Wo die Hotspot-Regeln wohl gelten werden

, aktualisiert am 24.11.2021 - 10:35 Uhr
Bayern will in Hotspot-Regionen mit einer Inzidenz über 1.000 deutlich strengere Regeln fahren. Darunter werden auch mehrere ostbayerische Landkreise sein. Foto: Martin Schutt/dpa

In bayerischen Landkreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 1.000 sollen in Kürze deutlich strengere Corona-Beschränkungen gelten: Keine Gastronomie, keine Veranstaltungen, keine Sport-Events. Sah es am Dienstag für Ostbayern noch eher finster aus, so sind am Mittwoch gleich vier Landkreise (vorerst) unter die kritische Grenze gefallen. Drei Landkreise werden allerdings nicht um die strengeren Regeln herum kommen. Ein Überblick. 

Die besonders strengen Hotspot-Regeln, die das Kabinett und der Landtag am Dienstag verabschiedet haben, sollen in Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 1.000 zur Anwendung kommen. In diesen Regionen muss das öffentliche Leben dann in weitern Teilen heruntergefahren werden. So müssen Gastronomie (außer Kantinen und Mitnahmeangebote) sowie Beherbergungsbetriebe aller Art, Sport- und Kulturstätten schließen. Auch Freizeit-, Sport- und Kulturveranstaltungen werden untersagt.

Hochschulen müssen in der Regel auf digitale Lehre umstellen. Schulen und Kitas bleiben offen, der Handel ebenso - dort gilt dann aber eine verschärfte Beschränkung: eine Person pro 20 Quadratmeter. Anders als zunächst geplant dürfen Friseure offen bleiben, auch Hotels dürfen für dienstliche Übernachtungen offen bleiben. Eine Ausnahme gilt zudem für Wettkampf und Training von Berufs- und Leistungssportlern. Die strengeren Regeln gelten ab Donnerstag, 25. November, da Kreisverwaltungsbehöden dies noch amtlich bekannt machen müssen. 

In Ostbayern sind Stand Mittwoch drei Landkreise von den Hotspot-Regeln betroffen. Unrühmlicher Spitzenreiter: Der Landkreis Freyung-Grafenau, der mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1.512 bundesweit auf Platz 2 liegt. Landrat Sebastian Gruber (CSU) hatte bereits am Wochenende strengere Maßnahmen als zwingend notwendig bezeichnet. "Unsere Kliniken und die Intensivkapazitäten sind nahe am Kollaps, es gibt schon einzelne Verlegungen in andere Regierungsbezirke", warnte er im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk (BR). Auch weniger dringende Operationen mussten bereits abgesagt werden. Im Freyunger Klinikum sei die Lage "mehr als angespannt", sagte auch der Pandemiebeauftragte und stellvertretende ärztliche Direktor Thomas Motzek-Noé. Die Intensivstation sei voll. Unter den schwerkranken Covid-19 fänden sich zunehmend auch Geimpfte – vor allem Über-75-Jährige, die noch keinen Booster bekommen hätten. Unter den jüngeren Patienten überwiege der Anteil der Ungeimpften, sagt Motzek-Noé. Im Landkreis Freyung-Grafenau ist die Impfqoute mit rund 57 Prozent deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt (66 Prozent).

Kliniken sind am Limit

Im Landkreis Dingolfing-Landau drohen ebenfalls verschärfte Regeln. "Aufgrund der hohen Inzidenz sind verschärfte Maßnahmen alternativlos", sagt Johannes Drexler, Pressesprecher des Landratsamts. Die Inzidenz im Landkreis liegt (Stand Mittwoch) bei 1.080. Auch Drexler beschreibt die Lage in den Kliniken als mehr als angespannt. Teilweise mussten Patienten mit mehrstündigen Transportern in andere Kliniken verlegt werden, um Kapazitäten für akute Notfälle zu schaffen. "Die Kapazitätsgrenzen sind erschöpft und das Personal am Limit", so Drexler. Das Gesundheitsamt des Landkreises musste ebenfalls personell stark aufgestockt werden, um die große Zahl an Corona-Fällen und Ermittlungen von Kontaktpersonen abarbeiten zu können. Aufgrund der hohen Belastung könne es auch vorkommen, dass manche Fälle nicht mehr am selben Tag über ihr positives Testergebnis kontaktiert werden.

Der dritte Landkreis, der ab Donnerstag nicht um strengere Regeln herum kommt, ist Rottal-Inn. Er weist aktuell eine Inzidenz von 1.274 auf und liegt bundesweit auf Platz 8. Dementsprechend angespannt ist die Lage vor Ort. In den Krankenhäusern mussten bereits "in erheblichem Umfang" Patienten in andere Kliniken verlegt werden, sagte der ärztliche Direktor der Rottal-Inn-Kliniken, Dr. Klaus Kienle, unserer Redaktion vergangene Woche. "Die Lage ist sehr bedrohlich, da innerhalb kurzer Zeit und nicht vorhersehbar Patientenströme auftreten können, die die allgemeine und coronaspezifische Versorgung kapazitätsbezogen gefährden", so der Arzt. Das Infektionsgeschehen sei diffus und lasse sich nicht konkret bestimmen, wie Bettina Rapp von der Pressesetelle des Landratsamts kürzlich im Telefoninterview mitteilte. Daher begrüßt auch Dr. Kienle die Verschärfungen in der Coronapolitik.

Vier weitere Landkreise aus Ostbayern lagen am Dienstag noch über dem Grenzwert, haben ihn mittlerweile aber unterschritten. Der Landkreis Landshut liegt seit heute bei 908. Schon gestern Abend hatte das Landratsamt mitgeteilt, dass man den strengeren Regeln wohl vorerst auskommen würde. Landrat Peter Dreier hatte sich bereits zuvor unglücklich darüber gezeigt, dass die Regeln möglicherweise im Landkreis bald in Kraft treten könnten, in der Stadt Landshut jedoch nicht. Die liegt mit einer Inzidenz von 623 noch ein gutes Stück unter dem kritischen Grenzwert. "Wir haben uns mehrfach dafür eingesetzt, dass diese praxisfremde Trennung aufgehoben und stattdessen eine gemeinsame, regionale Inzidenz Grundlage für die weiteren Maßnahmen sein sollte", erläutert Dreier. Dieser Vorschlag sei jedoch abgelehnt worden. 

Ernst ist die Lage im Landkreis trotzdem: Der starke Anstieg der Corona-Fälle in der Region spiegelt sich leider mehr und mehr auch in den Kliniken wieder. Bislang hätte zwar für jeden Patienten noch ein freies Bett gefunden können, obwohl dafür bereits Verlegungen notwendig waren. Ob dies aber in wenigen Tagen noch der Fall sein wird, könne niemand beurteilen, so das Landratsamt. "Langfristig kann uns nur eine höhere Impfquote und die Auffrischungsimpfung aus dieser schwierigen Situation führen", sagt Landrat Peter Dreier.

Auch im Landkreis Passau bleibt eine solche Situation vorerst aus. Der Landkreis lag am Dienstag noch über dem Grenzwert, die Stadt nicht. Mittlerweile haben Stadt (576) und Landkreis (903) den Wert unterschritten. 

Regen und Deggendorf vorerst nicht betroffen

Auch der Landkreis Regen hat den kritischen Grenzwert am Mittwoch noch unterschritten. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank von 1.066 auf 993. Warum die Neuinfektionen auf recht hohem Niveau sind – dafür hat auch das Landratsamt keine konkrete Erklärung: Das Infektionsgeschehen sei diffus, die gleiche Entwicklung sehe man auch in allen Nachbarlandkreisen sowie im benachbarten Tschechien. "Ein Punkt, der sicher eine Rolle spielt, ist der langsame Fortschritt bei den Impfungen" sagt Pressesprecher Heiko Langer. "Wir würden uns wünschen, dass mehr Bürgerinnen und Bürger sich zur Erstimpfung entschließen." Auch Landrätin Rita Röhrl (SPD) hatte zuletzt immer wieder an die Impfbereitschaft der Bürger appelliert.

Der Landkreis Deggendorf konnte die Einstufung als Hotspot ebenfalls noch abwenden: Er lag am Dienstag mit einer Inzidenz von 1.007 minimal über dem Grenzwert, ist mittlerweile aber auf 976 gesunken. Im Landkreis selbst kann derzeit laut dem Landratsamt kein besonderer Hotspot ausgemacht werden, die Infektionen würden sich auf Schule, Kindergarten und Arbeit verteilen. "Insofern handelt es sich um das berühmte diffuse Infektionsgeschehen", sagt Pressesprecher Oliver Menacher. Die Kontaktnachverfolgung im Landkreis ist aktuell noch sichergestellt, allerdings musste man dafür bereits Kräfte von anderen Behörden anfordern. Aus den Kliniken gibt es dagegen nur wenig Erfreuliches zu vermelden: Am Mittwoch war im Landkreis Deggendorf nur noch ein einziges Intensivbett frei.

Die übrigen Landkreise in Ostbayern sind aktuell noch ein gutes Stück unter dem Grenzwert. 

Hinweis (24. November): 

Wir haben den Text mit den Inzidenzen vom Mittwoch durchgehend aktualisiert. 

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