Interviewserie "Über den Rand" Thomas Haug: Das Gedächtnis von Stephansposching

Geschichte in großen Stapeln: Ortsheimatpfleger Thomas Haug in seinem Archivraum in der Schule von Stephansposching. Foto: Stefan Karl

Als Ortsheimatpfleger verwaltet er das kollektive Gedächtnis seiner Gemeinde: Thomas Haug aus Stephansposching. Im Interview spricht der 52-Jährige darüber, wie ein gebürtiger Esslinger zum Ortsheimatpfleger in Stephansposching wurde.

Wie muss man sich das Amt eines Ortsheimatpflegers in Stephansposching vorstellen?

Thomas Haug: Im Prinzip bin ich das Bindeglied zwischen der Bevölkerung und der Gemeinde. Die meisten Leute haben eher eine Scheu davor, mit einem Bild oder anderen interessanten Sachen zur Gemeinde zu gehen. Dann lassen sie es lieber in der Schublade oder schmeißen es weg. Mich kennen in der Bevölkerung halt einige Leute durch meine Buchrecherche für „ Geschichte der Wirtshäuser Stephansposchings – Geschichte und Geschichten aus dem Gemeindebereich Stephansposching“. Meist rufen die Leute an und sagen „Ich hab was für Dich – kannst Du mal vorbeikommen?“. Dann ratscht man ein bisschen, man kriegt nicht nur neues Material, sondern auch die Geschichte dazu. Das ist mein Vorteil, dass ich kein „Offizieller“ von der Gemeinde bin, sondern eher das Bindeglied zwischen Gemeinde und Bürgern, was das Archiv angeht.

Kommen Sie selber aus Stephansposching?

Thomas Haug: Nein, ganz woanders her. Man hört‘s auch ein bisschen (lacht). Aber das ist oft so, dass die Zugereisten sich mehr mit einem Ort identifizieren als die Einheimischen. Geboren bin ich in Esslingen bei Stuttgart. Seit meinem 13. Lebensjahr bin ich in Bayern. Meine Frau ist eine gebürtige Plattlingerin und in Stephansposching sind wir seit 1998. Die Kinder sind hier geboren und aufgewachsen und ich möchte hier auch nicht mehr weg. Die Arbeit als Heimatpfleger und Archivar ist auch eine Art Dankeschön an die Gemeinde, weil wir uns hier so wohl fühlen.

Wie viele Stunden Arbeit hängen an diesem Amt?

Thomas Haug: In Stunden ist das schwer zu sagen. Man ist eigentlich ständig an irgendwas dran. Zwei bis drei Leute rufen pro Woche mindestens an, die interessante Objekte beisteuern wollen oder die Informationen brauchen. Außerdem bin ich natürlich auch berufstätig.

War Geschichte immer eine Leidenschaft von Ihnen?

Thomas Haug: Das Interesse war eigentlich schon immer da. Schuld war eigentlich mein Geschichtslehrer damals in der vierten Klasse. Er hat immer zum Geschichtsunterricht Anschauungsobjekte mitgebracht wie Pfeilspitzen oder Versteinerungen. Er hat gewusst, dass das die Kinder begeistert. Diese Art der Geschichtsvermittlung hat mich begeistert und ist mir dann sozusagen geblieben. Ich war dann zunächst ein begeisterter Sammler und „Flohmarkt-Geher“. Mit der Zeit haben mich dann die Geschichten dahinter mehr interessiert als die Objekte selbst. Was man so herausfindet, will man dann natürlich unbedingt festhalten, auch an die Öffentlichkeit bringen, indem man zum Beispiel einen Artikel schreibt. Das ist die Entwicklung vom Sammler, der daheim für sich sammelt, zum Archivar. Das kommt vielleicht auch mit dem Alter (lacht).

Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews mehr zu den Arbeitstechniken und zur technischen Ausstattung eines Ortsheimatpflegers.

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