Interviewserie Über den Rand Sea-Eye-Einsatz: Jonas (26) rettet 17 Menschenleben

Der Regensburger Jonas Baumgartner (26) hat über ein Dutzend Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Gut einen Monat war er für Sea-Eye unterwegs. Foto: Alexander Draheim

Von der Theorie in die Praxis: Jonas (26) schreibt eine Seminararbeit über Seenotrettung für die Uni, ein Jahr später ist er mit der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye unterwegs und rettet Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer. Jonas Baumgartner aus Regensburg war über Weihnachten als Ehrenamtlicher auf hoher See. Zu zwei Einsätzen rückte er mit der Crew aus. Wir haben mit ihm über sein Engagement, die Einsätze und das Christfest auf dem Meer gesprochen. 

Jonas Baumgartner war einen Monat mit der Rettungsorganisation Sea-Eye unterwegs. Am 14. Dezember begann seine Reise. Gut eine Woche später lief die "Professor Albrecht Penck" aus dem Hafen von Málaga aus. Jonas war drei Wochen an den Seenotrettungen beteiligt. Am 11. Januar verließ die ehrenamtliche Crew die "Professor" wieder. Das Schiff allerdings durfte in keinen Hafen einlaufen und es durfte auch keine neue Crew von Malta aus auf die "Professor" kommen. Die Mission glich zeitweise einer Odyssee. 

Herr Baumgartner, aus welchem Grund haben Sie sich der Sea-Eye-Mission angeschlossen? 

Jonas Baumgartner: Ich verfolge den Verein seit seiner Gründung und kenne den Chef Michael Buschheuer auch persönlich. Aktiv miteingebracht habe ich mich im Vorfeld nicht. Mit der Entscheidung, mitzufahren, habe ich lange gehadert. Eigentlich wollte ich im Sommer mitfahren, nur da wurden alle Missionen abgesagt. Etwas Hintergrundwissen konnte ich mitbringen: Ich habe Erfahrung im RHIB-Fahren (Festrumpfschlauchboote). Ich dachte mir: Wenn ich an Bord gehe, möchte ich auch eine Position einnehmen, bei der ich helfen kann. Auf die Frage, warum Sea-Eye und keine andere NGO (Nicht-Regierungsorganisation): Ich kannte den Verein eben. Außerdem finde ich die Einstellung und Arbeitsweise von Sea-Eye sehr gut.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Baumgartner: Naja, ich kenne mich mit RHIBs aus, deswegen konnte ich eben auch als Fahrer eingesetzt werden. Bei einem Einsatz war ich der Erste im Schlauchboot. Und als das Rettungsschlauchboot ins Wasser gelassen wurde, war ich der Fahrer.

Gab es im Vorfeld einen Schlüsselmoment, der Sie dazu bewegt hat, mitzufahren?

Baumgartner: Einen richtigen Schlüsselmoment gab es nicht. Dennoch: Ein Zeichen zu setzen, war mir wichtig. Ich habe damit gerungen, mitzufahren, weil der Termin ausgerechnet über Weihnachten ging. Aber grundsätzlich stehen für mich Themen wie Menschenrechte an oberster Stelle. Das Recht zu leben ist elementar. Es ist unvorstellbar, dass Menschen ertrinken und weit und breit niemand da ist, der hilft. Jan Ribbeck, unser "Head of Mission", nannte mir das geplante Datum für unseren Einsatz. "Kein anderer fährt, der Platz für dich wäre frei", hat er gesagt. Da war mir klar, ich fahre mit. Ich konnte mir nicht vorstellen, Weihnachten zu Hause zu verbringen und immer wieder daran erinnert zu werden, dass ich gerade auf dem Mittelmeer gebraucht werden könnte.

Lesen Sie die Fortsetzung des Interviews auf den Folgeseiten. 

 

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