Interviewserie "Über den Rand" Agnes Fischer: "Influencer ist nicht gleich Model"

Agnes Fischers Look ist gefragt. Über ihre blonden kurzen Haare sagt sie: "Der Look ist sehr vielseitig. Man kann immer Extensions reinmachen, wenn ein Kunde etwas längere Haare haben will". Foto: Patrycia Lukas

London, New York, Mailand. Showrooms, Shootings, Designerklamotten: Das hört sich verlockend an, vor allem für die Ohren junger hübscher Mädchen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als Models zu werden. Nicht ohne Grund sucht Heidi Klum bereits zum vierzehnten Mal nach "Germany's next Topmodel". idowa hat mit einer jungen Frau gesprochen, die im beschaulichen Bayerischen Wald aufgewachsen ist – und mittlerweile ihr Geld bei Shootings auf der ganzen Welt verdient. Wieso sie für den Job nicht nach Sydney ging, was sie an ihren freien Tagen macht und ob sich der Laufsteg mit Nachwuchs vereinbaren lässt, erzählt Agnes Fischer im Interview.

Die 32-jährige Agnes Fischer ist in Eschlkam im Bayerischen Wald aufgewachsen und hat geschafft, wovon so viele junge Mädchen träumen. Agnes ist international erfolgreiches Model. Seit über zehn Jahren ist sie im Geschäft. Aktuell lebt sie in Kapstadt und hetzt von Casting zu Casting, von Job zu Job.  

Wann und wie haben Sie beschlossen, Ihre Heimat zu verlassen und als Model zu arbeiten? War das schon immer ein Traum?

Agnes Fischer: Model zu werden war nicht geplant. So viel kann ich sagen. Ich bin im Bayerischen Wald, genauer gesagt in Eschlkam im Landkreis Cham aufgewachsen. Ich wusste damals noch nicht, dass Modeln überhaupt ein Beruf ist. Ich kannte zwar die Models aus den Katalogen, aber es war nie ein Kindheitstraum von mir, Model zu werden. Das war nie eine denkbare Option. Aber als ich 16 oder 17 Jahre alt war, meinte ein Freund von mir, ob ich das nicht probieren möchte. Ich habe mich dann einfach bei einer Agentur in München beworben und die haben mich dann genommen. Und so fing alles an. Das war damals während meiner Ausbildung zur Bürokauffrau. Meine damalige Chefin war sehr nett und hat mir das durchgehen lassen. Als ich dann mit meiner Ausbildung fertig war, habe ich noch die BOS gemacht. Und dann ging es auf große Reise. 2007 war ich über die Agentur das erste Mal in Kapstadt für fünf Monate, davor war ich zwei Monate in Mailand.

Hatten Sie da überhaupt ein Mitspracherecht? Oder hieß es: „Du gehst jetzt nach Kapstadt!“

Fischer: Ich war mit der BOS fertig und wollte unbedingt weg. Ich konnte mich damals zwischen Sydney und Kapstadt entscheiden. Ich habe mich für Kapstadt entschieden, weil Südafrika eben nicht ganz so weit weg ist. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt auch nur eine Stunde. Wenn es nötig ist, kann ich innerhalb von elf Stunden mit dem Direktflieger daheim sein. Australien wäre da eine ganz andere Nummer gewesen. Damals habe ich immer im Wechsel in Kapstadt und Deutschland gearbeitet. 2008 war ich für drei Monate in London und 2009 für ein halbes Jahr in New York. Von da an war ich drei Jahre lang im Wechsel immer in New York und Kapstadt.

Kommen Sie bei all den Reisen noch nach Eschlkam zurück?

Fischer: Mittlerweile gar nicht mehr so oft. Leider. Aber ich komme jedes Jahr zu Weihnachten. Und wenn es sich einrichten lässt auch an Ostern. Oder zum Geburtstag meiner Eltern. Noch eher komme ich aber nach Regensburg, weil da viele meiner Freunde immer noch sind. Es ist schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen.

Können Sie sich überhaupt vorstellen, in den Landkreis Cham zurückzukehren?

Fischer: Wahrscheinlich nicht. Ich finde es zwar mega schön dort, aber ich liebe es, am Meer zu leben. Ich komme immer wieder zurück in mein Elternhaus. Aber dort leben kann ich mir nicht vorstellen. Ich weiß auch gar nicht, ob ich jemals wieder in Deutschland leben werde. Die letzten fünfeinhalb Jahre habe ich in Zürich gelebt. Aber später? Mal schauen.

Ihr Leben verbringen Sie in Kapstadt und Zürich. Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen? Wie sieht ein Arbeitstag aus?

Fischer: Gerade bin ich in Kapstadt. Hier ist aktuell Hochsaison. Das bedeutet, es kommen oft kurzfristig irgendwelche Castings oder Termine rein. Da muss ich flexibel reagieren können und präsent sein. Kapstadt ist nicht so groß. Mit dem Auto kann ich jedes Casting in fünf bis 15 Minuten erreichen. Da ich relativ zentral wohne, komme ich überall schnell hin.

Bei all den Terminen und den Reisen: Wie viel Zeit bleibt da noch fürs Privatleben?

Fischer: Ich habe einen normalen Fulltime-Job. Wenn mein Arbeitstag aus Castings besteht, dann habe ich zwischen den Terminen aber trotzdem noch Zeit zum gemeinsamen Mittagessen oder für Sport. Ich bin einfach viel flexibler. Termine können jeden Tag reinkommen, aber wenn man gut organisiert ist, dann bleibt auch genügend freie Zeit übrig. Was sich aber immer wieder als schwierig erweist, ist das Wegfahren. Ich kann eigentlich keine Ausflüge planen oder mal spontan wegfahren. Ich arbeite auf Abruf. Wenn dann genau an dem Wochenende ein Job reinkommt, dann bin ich gebunden. Der Job findet dann auch nur an diesem Wochenende statt und dann kann ich nicht weg. Man kann einfach nicht planen! Aber ich denke, dieses Problem haben die meisten Selbständigen! Wenn ich einen Auftrag bekomme, dann kann ich nicht sagen: „Ich kann erst in einer Woche!“. Ersatz ist immer schnell gefunden.

Wie sehr stören Sie die Einschränkungen durch Ihren Job?

Fischer: Auf Abruf zur Verfügung stehen, das stört mich eigentlich nicht. Dafür mache ich es schon zu lange. Das bin ich gewohnt und es gehört einfach zum Modeln dazu! Mein Freund und meine Freunde wissen das auch und haben viel Verständnis. Zum Beispiel beim Wegfahren übers Wochenende. Wenn es nicht klappt, dann ist es halt so.

Lesen Sie die Fortsetzung des Interviews auf den Folgeseiten.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading