Eine Frau wacht eines Morgens in einer Jagdhütte auf und findet sich eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand, hinter der kein Leben mehr existiert. Was ihr bleibt, sind ein Hund, eine Katze, eine Kuh, eine Waldschlucht, die Berge, eine Alm. Marlen Haushofers Roman hält viele Deutungsmöglichkeiten bereit. Die Wand als Symbol für Barrieren, die uns von den Mitmenschen trennen; Krankheit, Depression, Ausgrenzung, Einsamkeit. Die Bedrohung und zugleich die Sehnsucht, gezwungen zu werden, ohne andere Menschen zu leben.

Der Roman "Die Wand" erschien 1963, als weltweit Angst vor dem Ausbruch eines Atomkriegs herrschte. Vor dem Hintergrund einer weltweiten Pandemie inszenierte jetzt Sven Grunert diesen großen Roman am Kleinen Theater Landshut. Als ein Zeitstück der Gegenwart, "als Reise zum eigenen Ich" möchte er Haushofers Text verstanden wissen. Unter Sven Grunerts Regie spielt Julia Koschitz die namenlose Romanheldin. Premiere (ausverkauft) ist am 17. September um 20 Uhr im Kleinen Theater.

Frau Koschitz, wann haben Sie Haushofers Roman zum ersten Mal gelesen? Und wie hat er auf Sie gewirkt?

Julia Koschitz: Ich bekam ihn vor 15 Jahren als Geschenk in der Reha-Klinik, wo ich nach einem Skiunfall unglücklich vor mich hin sinnierte. Ich stand kurz vor einem Dreh, den ich unbedingt machen wollte und der zu kippen drohte, wenn ich nicht schnell genug auf die Beine komme. Meine Arbeit war mir wichtiger als meine Gesundheit. Bei der Lektüre von der "Wand" haben sich viele Fragen aufgedrängt, die wir uns auch während der Proben gestellt haben. Wer bin ich und warum? Wie definiere ich mich als Mensch? Abgesehen davon, hat mich das Buch umgeworfen.

Was macht diesen Roman zu einem Stück Gegenwartstheater, zum Zeitstück, in dem wir Antworten auf aktuelle Fragen finden können?