Interview "Ich halte das für Quatsch"

Sie haben signalisiert, dass Sie sich gerne auch mit Privatleuten treffen und auseinandersetzen möchten. Auf sozialen Netzwerken haben Sie in der Vergangenheit aber Kommentare zum Teil unbeantwortet gelassen. Wieso?

Wolbergs: Ich habe bisher ja Folgendes gemacht: Ich habe in den Videos meine Email-Adresse bekanntgegeben. Die Emails, die ich gekriegt habe, habe ich beantwortet. Ich habe auch schon eine Menge Gesprächstermine, sowohl in der Stadt, als auch im Landkreis. Was zuletzt über Facebook gekommen ist, will ich auch zügig beantworten. Aber ich schaffe es leider nicht immer so schnell.

Wenn jemand Haft hinter sich hat, mit allen Konsequenzen, auch familiärer Natur, dann würde es nicht verwundern, wenn er öffentlichkeitswirksame Auftritte meidet. Sie scheinen da anders zu sein.

Wolbergs: Ich habe zuhause gelernt, dass man sich wehren muss, wenn es ungerecht zugeht. Das haben mir meine Eltern beigebracht. Und das kann ich nur deshalb tun, weil ich erstens felsenfest davon überzeugt bin, dass ich unschuldig bin. Und weil es zweitens eine ganze Menge Leute gibt, die menschlich zu mir halten. Und das ist für mich unglaublich schön. Ich weiß natürlich, dass Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, immer in Gefahr sind, dass sie aus einer bestimmten Schublade nicht mehr rauskommen. Mein Lebtag lang wird mein Name mit Korruptionsvorwürfen verbunden sein, zum Beispiel wenn man danach „googelt“. Ich mache aber auf jeden Fall weiter, auch, weil ich es meinen Kindern schuldig bin. Sie wurden jetzt gefragt, ob sie ihrer Schülerzeitung ein Interview geben. Und da ist mir das erste Mal so richtig bewusst geworden, was sich tatsächlich abgespielt hat. Wenn da ein Fünftklässler zu deiner Tochter sagt: „Dein Papa ist aber ein schwerer Verbrecher.“ Das ist auch etwas, was ich der Staatsanwaltschaft nicht verzeihe: Sie hätten sich mit der Benachrichtigung der Medien auch noch zwei oder drei Stunden Zeit lassen können – um wenigstens sicherzustellen, dass meine Frau meine Kinder von der Schule holt.

Immer wieder haben sich einzelne sehr kritisch Ihnen gegenüber geäußert. Zuletzt hat etwa der pensionierte Vizepräsident des Regensburger Landgerichts, Werner Ebner, in einem Beitrag, der zunächst in verschiedenen Regensburger Medien erschienen ist, Ihre generelle Eignung für das Amt des Oberbürgermeisters angezweifelt. Was sagen Sie dazu?

Wolbergs: Ich habe die Ausführungen des ehemaligen Vizepräsidenten des Regensburger Landgerichts einigermaßen verwundert zur Kenntnis genommen. Dass ein ehemaliger hoher Repräsentant des Landgerichtes sich während eines laufenden Verfahrens, ohne jemals die Verhandlung selbst besucht oder gar mit mir gesprochen zu haben, zu meiner Person äußert, ist nach meiner Einschätzung darauf zurückzuführen, dass dieser Herr unter der eigenen Bedeutungslosigkeit im Ruhestand leidet. Gerade einem Richter hätte man mehr Fingerspitzengefühl zutrauen müssen. Deshalb sind seine Äußerungen meiner Meinung nach weniger ein Affront mir gegenüber, als vielmehr dem Landgericht und der Justiz insgesamt gegenüber. Die Reaktionen vieler Menschen haben mir gezeigt, dass er kaum jemanden damit beeindruckt und sich eher selber disqualifiziert hat.

Joachim Wolbergs beim Interview

Hört man den Menschen auf der Straße zu, dann gibt es verschiedene Meinungen zu Ihrem Fall. Eine Meinung: Sie hätten bestehende Beziehungen zwischen der Spitze der Kommune und einzelnen prominenten Persönlichkeiten quasi geerbt. Was sagen Sie dazu? 

Wolbergs: Ich halte das alles für Quatsch. Als ich ins Amt gekommen bin, habe ich nie versucht, zu eruieren, was vor meiner Zeit passiert ist. Ich war gewählt, damit ich nach vorne schaue. Ich empfinde es aber auch skandalös, was mit meinem Vorgänger in den letzten Monaten gemacht worden ist. Er ist zweimal durchsucht worden. Er ist abgehört worden. Bei allen Unterschieden zwischen ihm und mir: Er hat auch 18 Jahre alles gegeben. Und nicht unerfolgreich für diese Stadt. Aber das zählt nicht. Die landläufige Meinung ist: Bauträger in Verbindung mit Politik ist immer korrupt. Es geht nur um Kohle und Vorteile. Das ist nur eines: klischeehaft. Wo wären wir heute in Regensburg, wenn nicht auch Bauträger in den letzten 20 Jahren Wohnungen gebaut hätten. Wohnungswirtschaft ist nicht so einfach, wie manche erzählen.

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