Interview THW-Einsatzkräfte „Früher hat man einfach geholfen“

Tobias Weber (30), der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit beim THW in Straubing, und Stefan Bayer (52), der Ortsbeauftragte des THW im Interview (von links nach rechts) Foto: as

Tobias Weber (30), der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit beim THW in Straubing, und Stefan Bayer (52), der Ortsbeauftragte, erklären im idowa-Interview, was die Herausforderungen bei ihrer Tätigkeit sind, wie sich ihre Arbeit über die Jahre verändert hat und was sie von „Handy-Gaffern“ halten.

Das Technische Hilfswerk (THW): 1950 in Zusammenhang mit Maßnahmen des Zivilschutzes gegründet, übernimmt es heute wichtige Aufgaben im Katastrophenfall. Etwa 80.000 Helfer, die sich überwiegend ehrenamtlich engagieren, sind deutschlandweit registriert. Was die Arbeit ausmacht und was die Motivation dahinter ist, das erläutern zwei THW-Ehrenamtler im idowa-Interview.

Sie waren bei dem großen Schneechaos im Januar zur Unterstützung in Oberbayern. Wenn Sie an diesen Einsatz denken, welches Bild haben Sie vor Augen?

Weber: Der technische Zug bei uns in Straubing war in Berchtesgaden. Die Fachgruppe Führung und Kommunikation war zur Unterstützung zwei Tage im Landratsamt in Bad Tölz und dann auch nochmal in Berchtesgaden. Wenn man Schneekatastrophe hört, dann denkt man zunächst: Da muss ja wahnsinnig viel Schnee sein. Als wir dort waren, war es vielleicht ein Meter Schnee. Aber durch die verschiedenen Schneedichten war die Last auf den Häusern überschritten. Das erste Haus, das wir geräumt haben, war ein Wirtshaus mit angrenzender Stallung beziehungsweise Lagerhalle. Das war schon viel Arbeit, viel Schnee. Wir haben es zusammen mit der Wasserwacht geräumt.

Wie lange waren Sie insgesamt vor Ort?

Weber: Der technische Zug war von Freitag bis Sonntag im Einsatz. Wir sind in der Nacht um zwei Uhr losgefahren, waren um sieben Uhr in Berchtesgaden und hatten dann gleich unseren ersten Einsatz.

Haben Sie vor Ort mehr oder minder durchgearbeitet?

Weber: Genau. Wir haben um halb acht auf dem ersten Dach begonnen und bis zum Einsetzen der Dämmerung geschaufelt. Dann hat unser Zugführer beschlossen, dass es zu gefährlich wird. Im Dunkeln und ohne Beleuchtung könnte jemand abrutschen. Auch wenn man mit Sicherung arbeitet, ist es nicht ganz so einfach in dieser Situation. Jeden Tag sind wir in der Früh um 6.30 Uhr aufgestanden und um 7 Uhr ging es wieder los.

Wie kann man sich denn die Koordination vor Ort vorstellen?

Bayer: Bei jeder Katastrophe muss das jeweilige Landratsamt einen Stab bilden. Und dieser Stab kümmert sich um das große Ganze und setzt örtliche Einsatzleitungen ein. Die kümmern sich dann um ein gewisses Gebiet. Von oben nach unten werden die Meldungen verteilt und es wird dann entschieden, wie es weitergeht.

Insgesamt scheint die Organisationsstruktur im Katastrophenfall sehr effizient zu sein…

Weber: Ja, im Großen wie im Kleinen. Zum Beispiel beim Rathausbrand hier in Straubing. Da sind wir auch angefordert worden. In so einem Fall gibt uns die Feuerwehr die Aufträge. Und wir teilen dann unsere Leute selber ein. Beim Rathausbrand haben wir das Ausleuchten übernommen. Wir waren die ganze Woche vor Ort und haben abends ausgeleuchtet. Das unterscheidet uns auch von anderen Einsatzkräften. Wir haben keine große Masse an Einsätzen und rücken in der Regel nicht jeden Tag oder jede Woche aus. Aber wenn wir zum Einsatz kommen, dann sind wir oft länger vor Ort.

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