Interview Buchvorstellung: Die Leiden der Generation Y

Maren und Vela haben keine Lust mehr. Weder auf den Schimmelfleck in ihrem Bad noch auf die steigende Miete ihrer engen Stadtwohnung noch auf ihre dürftig bezahlten Übergangsjobs. Das Paar will raus, seinen Ort finden und sich endlich den lang gehegten Kinderwunsch erfüllen.
Als ein Platz in einer alternativen WG frei wird, scheint die große Chance gekommen zu sein. Hatten die beiden nicht schon immer davon geträumt, in einem Haus am Stadtrand zu leben, in absoluter Ruhe, umgeben von üppigem Grün? Zusammen mit Menschen, die füreinander einstehen? Während Maren voll in der neuen Lebenssituation aufgeht, fühlt sich Vela zunehmend unwohl. Sie ahnt, dass hier etwas nicht stimmt. Das vermeintliche Idyll entpuppt sich als Prüfung für die Beziehung der jungen Frauen. Der Freiraum droht, sie zu erdrücken.
Wie in ihrem Debüt „Das Rauschen in unseren Köpfen“ zeichnet Svenja Gräfen auch in „Freiraum“ ein präzises Bild der Generation Y. Sie lässt den Leser tief in die Gefühlswelt ihrer Protagonistinnen eintauchen. Mit Maren und Vela erlebt er die wechselnden Befindlichkeiten typischer Millennials, zwischen Träumen und Desillusionierung. Es wird erfahrbar, wie belastend es sein kann, zwischen scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten wählen zu können.
Svenja Gräfens Buch ist auf unaufdringliche Weise politisch. Es fragt: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? „Freiraum“ besticht dabei durch seine stilistisch ausgereifte und kraftvolle Sprache.  
 

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