Seit Ausbruch der Corona-Pandemie vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vom Robert-Koch-Institut (RKI) die Rede ist. Gleichzeitig werden Stimmen laut - etwa die des Historikers Jürgen Zimmerer -, die fordern, man müsse die Leitforschungseinrichtung der Bundesregierung umbenennen. Hintergrund sind die hochumstrittenen medizinischen Experimente des Mikrobiologen und Nobelpreisträgers Koch bei der Erforschung der Schlafkrankheit in Lagern der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika. Ein neues Buch von Michael Lichtwarck-Aschoff erzählt davon.

Herr Lichtwarck-Aschoff, Sie haben gerade einen Roman vorgelegt, der sich mit Robert Kochs Zeit in Deutsch-Ostafrika beschäftigt. Sind Sie auch der Meinung, das RKI sollte umbenannt werden?

Michael Lichtwarck-Aschoff: Ich bin da zwiegespalten. Mir geht es vor allem darum, dass klar wird, was Robert Koch in Ostafrika getrieben hat und dass sein Tun als das Verbrechen gekennzeichnet wird, welches es war. Ich halte nichts davon, Dinge aus dem Weg zu schaffen und dann zu glauben, man habe die Vergangenheit damit schon bewältigt. Eine Namensänderung, die wirklich einen Schlussstrich darstellt, kann nur das Ende eines langen Aufklärungsprozesses sein.

Koch hat in Ostafrika Menschenexperimente zur Erforschung der Schlafkrankheit durchgeführt, die Infizierten waren dabei in speziellen Lagern untergebracht.