Konzert in Regensburg Interview: Rea Garvey erzählt, welche Botschaft ihm als Musiker wichtig ist

Auf seinem aktuellen Album „Neon“ schafft Rea Garvey eine „urban-streetlike“ Atmosphäre. Foto: Olaf Heine

Am 2. August spielt Rea Garvey im Rahmen seiner „Neon Summer Tour“ auf Schloss Pürkelgut in Regensburg. Im Interview erzählt er, welche Botschaft ihm als Sänger wichtig ist, was er neben der Musik macht und erinnert sich an einen Abend in einer irischen Kneipe in Regensburg.

Rea, du bist extrem aktiv: Producer, Songwriter, Soundtracks, Kollaborationen, das neue Album, die Tour, Coach und Juror … Wird es dir nicht ab und an zu viel?

Rea Garvey: Ich glaube, die Mischung ist wichtig für mich, aber immer in einer Reihenfolge. Mein Privatleben ist natürlich an erster Stelle, neben meinem Glauben und meiner Existenz. Meine Liebe zur Musik ist dann der nächste Schritt. Die anderen Projekte sind immer unterschiedlich und kommen und gehen. Aber die Musik bleibt.

 

Du bist seit einigen Jahren solo unterwegs. Vermisst du das Bandleben oder gefällt es dir solo besser?

Es gibt Pro und Contra. Pro ist, dass man alle Entscheidungen für sich treffen kann. Das habe ich irgendwann gebraucht. Als Bandmitglied muss man ab und zu Kompromisse eingehen. Das ist auch okay, aber irgendwann wurden diese Kompromisse zu schwer. Ich habe dieses Musikgefühl, dass ich mich austoben will. Ich will was erleben, ich will immer meine beste Musik rausholen. Da hat man mehr Freiheiten als Solokünstler. Die Zeit als Solokünstler liebe ich und die Zeit mit Reamonn habe ich auch geliebt.

 

Du bist Coach im Fernsehen: Verfolgst du den Werdegang deiner Schütz- linge, die du gecoach hast?

Es kommt drauf an, wer das ist. Man verbindet sich mit manchen mehr als mit anderen. Manche wollen Hilfe haben, manche wollen nur einen freien Weg haben. Als Coach ist man eher dazu verpflichtet, rauszufinden, was das Beste ist für den, der gerade vor dir steht. Mit manchen bin ich befreundet. Manche, die nicht mal in meinem Team waren, schreiben mich an. Und bei manchen ist eigentlich keine Verbindung. Du kannst niemandem Erfolg schenken. Du kannst nur eine Plattform anbieten.

 

Welche Botschaft ist dir als Sänger wichtig?

Ganz ehrlich, ich frag mich selber manchmal: „Was will ich denn sagen?“ Meine erste Pflicht ist, Musik zu bieten. Ich glaube aber: Das Glück im Leben, glücklich zu sein, wird zu wenig geschätzt. Ich begegne vielen Menschen, die viel gearbeitet haben für ihren Traum, die dann enttäuscht sind, weil es nicht das ist, was sie gedacht haben. Was ich versuche, daraus zu lernen, ist, dass man jeden Tag so nimmt, wie er ist. Es ist so wichtig, dass man das Leben genießt. Jeden Tag. Wir werden von allen Seiten zugeballert mit so viel Negativität und so viel Angst, und ich denke, das führt nicht zu etwas Positivem. Ich will, dass jeder das Leben genießt. Und ich will, dass jeder ein Lächeln in sich selbst findet, weil das so viel wert ist.

 

Ist das das Wichtigste an deinem Beruf, diese Message?

Es ist wichtig, das nicht zu ignorieren. Die Musik ist der Schlüssel, die Verbindung zwischen mir und meinem Publikum. Das ist das Wichtigste. Dass ich Musik in die Welt bringe, die anderen Freude bringt, und wir das gemeinsam erleben. Wenn wir dann wie Freunde reden, gibt es Themen, die man ansprechen muss – Klimawandel, Glaube, Politik oder die Welt, wie sie heute ist. Unsere Verantwortung als Musiker ist schon, diese Zeit zu richten. Aber jeder muss auf seine eigenen Kompetenzen achten. Ich weiß nicht, wie gut ich darin bin. Ich gebe mein Bestes, aber versuche nicht zu sagen: „Ich weiß es genau“. Ich sage eher meine Meinung und versuche, Gedanken zu inspirieren.

 

Was macht Rea Garvey, wenn er nicht Musik macht?

Ich habe tatsächlich mehrere Hobbys, ich komme aber zu wenig dazu! (lacht) Ich mag Sport – nein, das ist eine Lüge – ich mag’s nicht, ich find’s wichtig! (lacht) Das ermöglicht sehr vieles, was ich mache. Ich bin in alle Richtungen interessiert. Ich liebe es, mit Holz zu arbeiten. Ich bin ziemlich gut mit meinen Händen, ich mache zumindest weniger kaputt, als ich repariere. Ich liebe Maschinen – ob Motorräder, Autos oder Flugzeuge – die beeindrucken mich. In einer Zeit, in der man die ganze Motorenindustrie überholen muss, damit es das Klima nicht so betrifft, das ist spannend. Das wird sich auch geben, da brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Wir müssen nur aktiv dranbleiben.

 

Was passiert in den nächsten Jahren bei dir? Welche Ziele und Wünsche hast du?

Ich bin auf jeden Fall durchgeplant bis Ende 2021. Ich weiß, dass ich „The Voice“ wieder mache, dass Touren anstehen. Festivals, die ich in diesem Jahr nicht gespielt habe, will ich dann nächstes Jahr spielen. Ich weiß, dass ich ein Album in mir habe – ich weiß nicht, wie es heißt und wo es mich hinführt, aber ich merke es. Ich war schon mehrmals im Studio und habe gemerkt: „Nee, zu früh, zu früh“. Irgendwann gehe ich ins Studio und sage: „Jetzt ist es soweit.“ Diesen Prozess liebe ich. Ich habe die Ruhe auch nicht in mir. Ich will auf jeden Fall arbeiten. In Frankfurt mache ich drei Shows mit Michael Mittermeier und Sasha, „Christmas Chaos“. Irgendwann dreht sich die Uhr und dann will ich, keine Ahnung, auf ein Fahrrad steigen und nach Polen fahren … Alles ist möglich! (lacht)

 

Am 2. August bist du in Regensburg. Was weißt du über die Stadt? Warst du schon dort?

Ja, ich war in Regensburg schon mehrmals! Wunderschöne Altstadt! Am Anfang meiner Karriere war ich da in irgendeiner irischen Kneipe. Ich kann mich erinnern, dass wir da sehr schön gefeiert haben. Sie haben ja auch diese riesige Stadtmauer. Und da gibt’s auch diese Brücke und zwei Türme – es ist schon eine Weile her, aber ich glaube, da entlang war diese Kneipe. Ich freue mich, da zu spielen. Ich mag ältere Städte und die Region – es ist wunderschön da.

 

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