Interview MrWissen2Go über seine YouTube-Karriere

Beim Videodrehen ist Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go meist alleine – vor dem Greenscreen. Foto: Stefan Daub

Er ist der Erklärer auf YouTube: MrWissen2Go, im echten Leben Mirko Drotschmann. Wir haben ihn interviewt.

Hallo Mirko! In deinem ersten YouTube-Video als MrWissen2Go erklärst du, was du auf deinem Kanal vorhast. In deinem zweiten stellst du König Ludwig XIV. vor und erklärst den Absolutismus. Wie blickst du darauf zurück?

Mirko Drotschmann: (lacht) Wenn ich mir die ersten Videos anschaue, denke ich mir: Hätte ich doch damals nur mehr Ahnung von der Technik gehabt! Technisch sind die nicht so berauschend. Aber ich denke gleichzeitig: Gut, dass ich die Idee hatte und drangeblieben bin. Das hat mir damals Spaß gemacht und macht es mir heute noch. Geschichtsthemen mache ich mittlerweile ja auf einem anderen Kanal (MrWissen2Go Geschichte, Anm.d.Red). Ich schaue immer noch so zurück, dass ich mir denke: Es ist nicht superpeinlich. Diese ersten Videos sind auch inhaltlich nicht peinlich. Nur technisch ist noch viel Luft nach oben.

Seit fast acht Jahren bist du mittlerweile bei YouTube. Warum hast du damit angefangen?

Mirko Drotschmann: Ich habe damals schon als Journalist für den SWR (Südwestrundfunk, Anm.d.Red) gearbeitet und hatte YouTube vor allem durch meine Frau kennengelernt. Für mich war das als Medienmacher ein spannendes Feld. Und ich wollte mich auf YouTube ausprobieren, weil man auf der Plattform ja vor allem junge Menschen anspricht. Die Idee war von Anfang an, dass ich Leute erreiche, die sowieso da unterwegs sind, sich Unterhaltungsvideos anschauen und die ich zwischendurch mit einem etwas ernsteren Inhalt überzeugen kann.

Wann wurde dir bewusst: Das mit YouTube wird was ernsteres, das kann ich dauerhaft machen oder sogar davon leben?

Mirko Drotschmann: Davon leben konnte ich lange nicht. Das war lange ein Verlustgeschäft, bis ich dann zu funk (Netzwerk von ARD und ZDF für junge Menschen, Anm.d.Red.) kam und mein Kanal öffentlich-rechtlich wurde. Davor habe ich im Monat vielleicht tausend, tausendfünfhundert Euro verdient. Aber damit konnte man so einen Kanal nicht finanzieren. Ich hatte immer das Glück, dass ich den Kanal nebenbei gemacht habe und einen Job hatte. Mit funk konnte ich den Kanal auf wirtschaftlich sichere Beine stellen. Seitdem kann ich auch Leute beschäftigen, die mich bei technischen Dingen unterstützen, die ich nicht kann: Schnitt, Animation, Thumbnails, so etwas.

Im vergangenen Jahr hast du die Eine-Million-Abonnenten-Marke geknackt. Was bedeutet es für dich, so viele Menschen auf deinem Kanal versammelt zu haben?

Mirko Drotschmann: Das ist unglaublich! Ich habe es vor fünf oder sechs Jahren geschafft, die 100 000 Abonnenten zu knacken. Da haben manche geschrieben, der nächste Schritt ist die Million. Ich habe gelacht und gesagt, das wird nie eintreffen. Und dann ist es doch passiert! Es gab immer wieder Videos, die Schub gegeben haben, auch kurz vor der Million. Ich dachte, dass es Richtung September so weit sein wird. Im Juli kamen dann wegen zwei, drei Videos rund um die Europawahl und Rezo viele Abonnenten dazu. Und plötzlich hatte ich die Million früher erreicht und nichts vorbereitet. Eine Million kann man gar nicht richtig begreifen. Ich bin Fußball-Fan und wenn ich im Stadion bin, sitzen da 40000 oder 50000 Fans. Da denke ich: Wow, sind das viele Leute! Da würde ich mich überhaupt nicht trauen, auf dem Rasen zu stehen und was zu erzählen. Meine Videos schauen aber viel mehr Leute an. Man sieht sie nicht, aber sie sind da.

Mittlerweile hast du über 600 Videos veröffentlicht. Gab es da eines, das heraussticht?

Mirko Drotschmann: Da gibt es einige, die ziemlich aufwendig waren. Wir hatten vor einiger Zeit eines zum Thema weibliche Genitalverstümmelung. Darüber wusste ich am Anfang gar nichts. Wir haben uns eingelesen und gemerkt, dass das echt ein krasses Thema ist. An den Rückmeldungen auf das Video haben wir gemerkt, dass das für die wenigsten bisher bekannt war. Das ist auch das Ziel meines Kanals: Über Themen aufzuklären, über die man bisher noch nichts weiß und im besten Fall auch zu einem Umdenken beizutragen. Ich glaube, bei diesem Video ist das ein gutes Stück gelungen.

Was macht für dich ein gutes Thema für ein Video aus?

Mirko Drotschmann: Es ist dann gut, wenn es die Leute interessiert (lacht). 70 bis 80 Prozent der Themen auf meinem Kanal sind Vorschläge von Zuschauern. Das deckt sich häufig damit, was aktuell passiert. Und ein gutes Video ist eines, das den Leuten Inhalte vermittelt. Dinge, die sie vorher nicht wussten. Meinungsbildung ist mir dabei auch wichtig. Die Zuschauer sollen angeregt werden, sich durch meine Videos eine eigene Meinung zu bilden – ohne dass sie in eine bestimmte Richtung gedrängt werden.

Was war dein bisheriges Highlight auf YouTube?

Mirko Drotschmann: Große Highlights waren die Interviews, die ich mit anderen YouTubern mit Martin Schulz und Angela Merkel vor der Bundestagswahl 2017 machen durfte. Wie diese aufgebaut und gestaltet waren, darüber lässt sich streiten. Das hat eine Produktionsfirma gemacht, ich hätte das ein wenig anders gemacht. Trotzdem war es ein großes Highlight. Und dann gibt es auch immer wieder kleine Highlights. Wenn Videos gut ankommen oder Leute schreiben: Oh das wusste ich gar nicht.

 

Mirko war am Freitag, 7. Februar 2020, zu Besuch beim Freistunde-Talk bei Bücher Pustet in Straubing. Hier geht's zur Bildergalerie. 

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