Interview mit Medienminister Herrmann Digitaler Fortschritt im Regionalfernsehen

Wir haben Medienminister Dr. Florian Herrmann zur Zukunft digitaler Medien und das Regionalfernsehen interviewt. Foto: Bayerische Staatskanzlei

Die Medienlandschaft in Bayern befindet sich derzeit im Wandel. Klassische Zeitungen werden durch Onlineberichterstattung ergänzt, das TV sendet nicht nur über Kabel und Satellit, sondern erweitert auch digitale Angebote. NIEDERBAYERN TV schreitet dabei mit großer Energie voran und erreicht immer mehr Zuschauer und Leser. Doch wie wird das Fernsehen der Zukunft nun aussehen und welche Rolle spielt Crossmedialität dabei? Dazu haben wir für das NIEDERBAYERN TV Magazin Dr. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Medien, befragt.

Haben Sie als Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Medien überhaupt noch Zeit, fernzusehen?

Dr. Florian Herrmann: Ich sehe wirklich gerne fern, besonders Nachrichtensendungen und Serien. Das passiert bei mir auch als Ausklang spät abends. Es ist ein großer Vorteil, dass Mediatheken und Streaming-Portale die Zuseher unabhängig vom linearen Programm machen. Für mich ist das ideal und ich nutze es regelmäßig.

TV und Hörfunk befinden sich mitten im digitalen Wandel. Wie beurteilen Sie die Lage im Medienstandort Bayern?

Herrmann: Bayern ist deutschland- und europaweit eine der Top-Adressen für Medienunternehmen. Das gilt für sämtliche Teilbranchen der Medienwirtschaft, gerade auch für den Rundfunk. Bedeutende bundesweite Rundfunkanbieter sitzen in Bayern - aber was uns im Ländervergleich besonders auszeichnet, ist die große lokale und regionale Vielfalt. In Bayern gibt es über 90 private Hörfunkprogramme und mit 14 Lokal-TV-Anbietern sowie neun lokalen Spartenprogrammanbietern existiert auch eine bundesweit einzigartige TV-Landschaft. Die Digitalisierung verändert die Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer. Ziel der Bayerischen Staatsregierung und der bayerischen Medienpolitik ist es deshalb, einen flexiblen und modernen Ordnungsrahmen für alle Medienanbieter zu schaffen und diese gleichzeitig durch gezielte Standortinitiativen in Bayern weiter zu stärken. Die bayerische Medienförderung ist einzigartig, allein für die Förderung lokaler und regionaler TV- und Hörfunkangebote stellt der Freistaat über 15 Millionen Euro jährlich bereit. Die Vergangenheit hat gezeigt, wie resistent und kreativ lokale und regionale Radio- und TV-Sender sind. Daher bin ich als bayerischer Medienminister sehr zuversichtlich, dass die bayerischen Sender auch den digitalen Wandel und damit verbundene Herausforderungen gut meistern werden.

NIEDERBAYERN TV hat gemäß der Funkanalyse an allen drei Senderstandorten grandios an Zuschauern dazugewonnen, teils konnten die Zahlen mehr als verdoppelt werden. Worauf sind diese Erfolge Ihrer Meinung nach zurückzuführen?

Herrmann: Erstmal ist das ein toller Erfolg und ich gratuliere NIEDERBAYERN TV natürlich ganz herzlich zu den erfreulichen Zahlen. Aus meiner Sicht sind Qualität und Bürgernähe zwei ganz wichtige Faktoren im Bereich des Lokal-TV. Wir leben in turbulenten Zeiten und gerade dann wird deutlich, wie wichtig vertrauenswürdiger Journalismus ist, ganz speziell im Lokalen. Jeder will wissen, wie ihn die aktuelle Situation persönlich betrifft und dazu muss man erfahren, was vor Ort los ist. Es gilt, Vertrauen aufzubauen, den Bürger langfristig vom Programm zu überzeugen und einen echten Mehrwert gegenüber anderen Programmen zu bieten. Und das scheint NIEDERBAYERN TV sehr gut geschafft zu haben.

Was wird für regionale Fernsehprogramme künftig am wichtigsten sein?

Herrmann: Die größte Herausforderung sind meines Erachtens der zunehmende Wettbewerb und die steigende Zahl an Informationsangeboten. Klar ist, dass vor allem Inhalte aus dem Internet immer bedeutender und attraktiver werden. Somit steigt der Druck, im Wettbewerb zu bestehen. Aber auch dann gilt es, mit Qualität und Bürgernähe zu überzeugen. Jeder Sender muss seine „Nische“, seinen eigenen Platz finden. Wahrheit, sorgfältige Recherche, objektive Berichterstattung, Trennung von Meinung und Sachbericht, das alles bietet der Rundfunk. Er ist – anders als zum Beispiel soziale Netzwerke – an die Einhaltung journalistischer Prinzipien gebunden. Für mich ist profunder Qualitätsjournalismus der Schlüssel, um Menschen wirklich langfristig vom Programm zu überzeugen und sich von der Masse abzuheben. Und regionale Fernsehprogramme haben zweifelsohne eine ganz eigene und besondere DNA, die sie im Wettbewerb nutzen können und müssen: Lokale Inhalte und die damit verbundene, besondere Nähe zum Bürger – das macht sie gegenüber anderen einzigartig und unverwechselbar.

Als Sender arbeiten wir intensiv mit unserer Mediengruppe zusammen und geben auch dieses Printmagazin heraus. Welche Rolle wird Crossmedialität, also das Vernetzen von Hörfunk, Print, Onlineangeboten und TV, in Zukunft spielen?

Herrmann: Ich gehe davon aus, dass Crossmedialität eine sehr große Rolle spielen wird, sie sogar jetzt schon spielt. Die steigenden Informationsangebote resultieren vor allem aus dem veränderten Nutzerverhalten. Wir sind es gewohnt, immer, überall und in jeder erdenklichen Form auf Informationen zugreifen zu können. Dieser Gewohnheit und damit dem Bedürfnis der Nutzer entspricht man mit Crossmedialität. Auf diese Weise erzeugt man Reichweite, behauptet sich wiederum im Wettbewerb und wird zukunftsfähig. Wichtig ist für mich bei all den verschiedenen Verbreitungswegen nur, dass die Inhalte und die Qualität nicht aus den Augen verloren werden.

Lesen Sie das vollständige Interview im NIEDERBAYERN TV Magazin, Ausgabe 12.

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