Interview mit dem Pascha-Krimi-Autor Su Turhan: "Ich habe hier ein Stück Heimat"

Su Turhan, der Autor der Krimis um den Münchner Ermittler Zeki Demirbilek, lebte in Straubing, bis er 18 war. Seine ersten beiden Romane wurden verfilmt und von der ARD ausgestrahlt. Foto: imago, Michael Westermann

Der Autor der Pascha Krimis, Su Turhan, hat am Donnerstag bei Pustet in Straubing aus seinem aktuellen Roman, "Getürkt", gelesen. Seine beiden ersten Romane wurden verfilmt und im März bei der ARD ausgestrahlt. Der 1966 in Istanbul geborene Regisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller ist im Alter von zwei Jahren zusammen mit seiner Familie nach Straubing gekommen. Bis er 18 war, lebte er in der Stadt an der Donau, dann ging er nach München. Im Interview mit idowa erzählt er von seinen Straubinger Wurzeln, von seiner unerfüllten Sehnsucht und seiner dunklen Schreibstube.

Sie kommen gerade aus München, Herr Turhan?

Su Turhan: So ist es.

Sie leben ja in München…

Ich lebe in Giesing! Giesing, das ist ein bisschen was Anderes als München. In Obergiesing lebe ich, um genau zu sein, seit vielen Jahren.

Wie ist es, wieder nach Straubing zu kommen?

Ich merke schon, weil alles so vertraut ist, dass hier meine Wurzeln sind.  Ich war heute eingeladen in meinem alten Gymnasium, im Luggy, also im Ludwigsgymnasium. Ich habe mich dort im W-Seminar deutsch mit den angehenden Abiturienten über Kriminalromane unterhalten. Und da habe ich eben auch mein Abitur gemacht. Es kommen schon Gefühle hoch und Kindheitserinnerungen – vieles was man so an Schmarrn erlebt – und erledigt hat – als Jugendlicher. Ich habe von zwei bis knapp 18 hier gelebt – und das ist schon eine wichtige Zeit.

Was war dann als Sie 18 wurden?

Dann war ich ganz kurz in Regensburg und bin dann nach München zum Studieren an die LMU.

Wenn man nach längerer Zeit wieder zurückkommt und man so erfolgreich ist, wie Sie, dann ist das wahrscheinlich einfach toll, oder?

Ja, das ist schon eine tolle Sache. Und heute kommen ganz viele Menschen, die mich aus früheren Tagen kennen, und die verfolgt haben, wie es mir so erging. Sowas ist ja nicht planbar, so ein Erfolg. Ich merke auch, wie ehrlich die Freude der Leute ist. Viele, mit denen ich Abitur gemacht habe, sind da, meine Familie ist da. Es ist schon ein Stück weit ein Heimspiel, weil ich hier auch ein Stück Heimat habe.

Das heißt, es ist für Sie nicht so, dass schlagartig alles außer München provinziell wirkt?

Ich wohne ja in Giesing und das ist strukturell ähnlich. Man kann es natürlich nicht vergleichen mit Straubing, aber es ist auf jeden Fall auch ein relativ heimeliges, kuscheliges Viertel – obwohl wir derzeit auch stark gentrifiziert werden. Natürlich ist neben dran die U-Bahn, die Trambahn, die Großstadt. Aber in dem Viertel, in dem wir wohnen, ist es fast schon vergleichbar mit Straubing. Heute sind verschüttete Kindheitserinnerungen an meine Zeit hier hochgekommen. Von daher war der Tag für mich ganz spannend.

Diese verschütteten Kindheitserinnerungen waren dann?

Zum Beispiel sind wir damals heimlich auf den Sportplatz vom Lugi gegangen und haben da diverse Sachen gemacht, die nicht so viel mit Sport zu tun hatten. Mehr darf ich nicht erzählen. (lacht lang und herzhaft)

 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading