Interview mit Christina Pletowski IsarMUN: Politik zum Nachspielen

Christina Pletowski studiert Amerikanistik mit Schwerpunkt Politik und Jura in München. Foto: MUNAM e. V.

Junge Leute und Politik – für viele passt das nicht zusammen. Autorin Lena Völk (19) aus Straubing beweist das Gegenteil. Sie nimmt an der Konferenz „IsarMUN“ in München teil und hat darüber mit Christina Pletowski gesprochen. Die 22-jährige Studentin organisiert die Veranstaltung zusammen mit anderen.

Hinter der Konferenz „IsarMUN“ steckt der Verein MUNAM e. V. – ein klangvoller Name. Wofür steht er?

Christina Pletowski: MUNAM steht für „Model United Nations Association“ und ist ein Verein, der 2007 von Studenten in München gegründet wurde und mittlerweile über 150 aktive Mitglieder hat. Wir sind eine englisch-sprachige Gemeinschaft, die internationales Verständnis sowie kulturellen und akademischen Austausch fördert und sich mit Fragen internationaler Politik und den Vereinten Nationen beschäftigt. Das Ziel des Vereins ist, Teilnehmern in unseren MUN-Konferenzen einen möglichst realen Einblick in die Arbeit und Struktur der Vereinten Nationen zu geben und mit Delegierten aus aller Welt in Kontakt zu treten. Durch verschiedene Veranstaltungen innerhalb des Vereins entstehen enge Freundschaften. Außerdem organisiert MUNAM seit 2007 jährlich die Konferenz „IsarMUN“ in München.

 

Du wirkst seit 2017 bei MUNAM mit. Wie bist du dazu gekommen?

Meine MUN-Karriere hat während meines Auslandsstudiums 2016/2017 in den USA an der Northern Kentucky University begonnen. Dort habe ich mich erfolgreich für den MUN-Club der Universität beworben. Nach meiner Rückkehr wollte ich auf jeden Fall weiterhin in der MUN-Welt aktiv bleiben. Ich wurde damals von einem MUNAM-Alumni angesprochen, ob ich nicht Interesse hätte, mich bei MUNAM e. V. zu bewerben. Daraufhin wurde ich Teil des Delegationsprojektes 2017/18.

 

Auf Konferenzen werden politische Themen diskutiert und Lösungen gesucht. Haben die Diskussionen einen Mehrwert für die reale Politik?

Jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass „Model United Nations“ ein Planspiel ist, bei dem zwar versucht wird, politische, wirtschaftliche und soziale Probleme durch Diplomatie zu lösen, aber natürlich dadurch nur die Arbeit der Vereinten Nationen möglichst realistisch abgebildet wird. Der Mehrwert liegt darin, dass junge Menschen sich mit politischen Geschehnissen befassen und neue Perspektiven auf diese erhalten. Die Erfahrung zeigt, dass einige der Teilnehmer im späteren Leben tatsächlich in der Politik landen und die durch MUNs gelegte Basis zur effektiven Umsetzung politischer Ziele hilfreich sein kann.

 

Eine dieser Konferenzen findet jedes Jahr im Herbst statt: die „IsarMUN“. Was bringt es mir, dort mitzumachen?

Die Teilnahme bei einem Verein wie MUNAM bereitet die Teilnehmer intensiv auf „IsarMUN“ und weitere Konferenzen vor. Durch wöchentliche Seminare und Workshops wird den Studenten nicht nur Wissen rund um die Geschichte, Aufgabe und Struktur der Vereinten Nationen sowie Wissen über internationale Politik im Allgemeinen vermittelt, sondern auch zahlreiche Fähigkeiten ausgebaut und gestärkt. Man lernt, freier zu sprechen, improvisierte Reden vor Publikum zu halten und geschickter zu verhandeln. Außerdem verbessert man seine interkulturelle Kompetenz, knüpft Freundschaften mit anderen Teilnehmern aus aller Welt und zukünftige Arbeitgeber sehen Engagement, Einsatz und Interesse neben dem Studium.

 

Unserer Generation wird oft Politikverdrossenheit vorgeworfen. Woher kommt das und wie könnte man das Interesse wieder wecken?

Seit Jahren kann man beobachten, dass die verantwortlichen Politiker immer weniger die Sorgen der Bevölkerung wahrnehmen – sei es, dass die Handhabung des Flüchtlingsproblems offensichtlich nicht den Vorstellungen des größten Teils der Bürger entspricht oder es über ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl gedauert hat, bis eine Regierung gebildet war. Das ist nur blamabel. Ein aktuelles Beispiel ist der Fall des Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Anstatt sich mit den wirklich wichtigen Themen wie Mietpreisentwicklung, Bildungspolitik, der Flüchtlingskrise oder den Problemen im Bereich der Pflege zu beschäftigen, wird im Fall Maaßen wochenlang Parteipolitik betrieben. Das versteht der Bürger nicht mehr. Dabei entfremden sich die Politiker mehr und mehr vom Wähler. Eine zunehmende Politikverdrossenheit ist da die logische Konsequenz. Vereine wie MUNAM e. V., solche Konferenzen oder Events sind eine gute Möglichkeit, um wieder mehr junge Menschen zu erreichen.

„IsarMUN“ findet von 22. November bis 25. November in München statt. Wenn du Student bist und auch Lust bekommen hast, an der Konferenz teilzunehmen, kannst du dich unter www.isarmun.org bewerben.

 
 

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