Interview mit Bond Art Director Neal Callow: "James Bond muss dem Zeitgeist voraus sein"

Neal Callow hat als Kreativdirektor an mehreren James-Bond-Produktionen mitgewirkt. Foto: Anton Klocker/Bergbahnen Sölden
Neal Callow hat als Kreativdirektor an mehreren James-Bond-Produktionen mitgewirkt. Foto: Anton Klocker/Bergbahnen Sölden

Ein Sandsturm in Marokko oder Dreharbeiten auf 3.000 Metern Höhe: Neal Callow wirft so schnell nichts um. Der smarte Brite wirkt seit 2006 im Art Department verschiedener James-Bond-Produktionen mit, zuletzt bei "Spectre" (2015). Im Gespräch erzählt er von den Herausforderungen in seinem Beruf als Kreativdirektor, der Zusammenarbeit mit Regisseur Sam Mendes und der neuesten Bond-Attraktion, den "007 Elements" in Sölden, die Callow zusammen mit dem Architekten Johann Obermoser und Chefdesigner von Optimist Inc. Tino Schaedler schuf.

Warum sind James Bond Filme so populär?

Neal Callow: Die Leute wollen diesen Protagonisten sehen - sie wollen sehen, wohin er unterwegs ist und welche Abenteuer er erlebt. Sie wollen nicht so sehr eine in sich abgeschlossene Geschichte sehen, sondern lieber wissen, was er als Nächstes machen wird, was für ein Szenario ihn erwartet. Ich denke, er ist eine Art Richtungsanzeiger für unsere Zeit. James Bond muss immer dem Zeitgeist voraus sein und dem, was in der Welt vor sich geht - wie zum Beispiel die politische Situation, Modetrends, Technologie. Außerdem besucht Bond Orte, die viele Leute noch nie gesehen haben oder wo sie nicht selbst hinfahren können.

Wie sind Sie Art Director geworden?

Ich wollte schon immer im Filmgeschäft arbeiteten und wusste nicht, dass das auch in Großbritannien möglich ist. Ich dachte, ich müsse dafür nach Hollywood gehen. Ich besuchte daher mit 19 Jahren eine Kunstakademie und machte einen Abschluss in Grafikdesign. Nachdem ich eine Zeit lang als Grafikdesigner gearbeitet hatte, bekam ich einen Job als Setrunner im Art Department von "Lara Croft: Tomb Raider‟. Ich habe mich von dort aus hochgearbeitet. Mittlerweile ist das schon fast 18 Jahre her.

Was war für Sie am James-Bond-Dreh besonders?

Ich habe mit "Casino Royale‟ begonnen und verbrachte vier Monate auf den Bahamas. Ich war noch nie an einem so großen Außendreh beteiligt. Ich dachte: Das ist absolut fantastisch. Ich habe sogar meine Frau am Set kennengelernt (die auch im Filmgeschäft arbeitet, Anm. d. Red.). Das Ganze war für mich ein Traum, der wahr wird.

Haben Sie bei den Dreharbeiten ungewöhnliche Situationen erlebt?

Es gab eine unerwartete Situation in Marokko. Wir waren seit zehn Wochen dabei, in der Sahara das Set für den Dreh von "Spectre‟ zu bauen. Schönes Wetter - natürlich kochend heiß, aber alles war perfekt. In dem Moment, in dem die Crew mit dem Dreh beginnen wollte, brach ein biblischer Sandsturm herein: Windgeschwindigkeiten von 80 Meilen die Stunde und die Luft voller Sand. An Dreharbeit war nicht mehr zu denken: Die Kamera-Linsen wären zerkratzt und die Fahrzeuge ramponiert worden. Es gab nichts, was wir daran hätten ändern können.

Mögen Sie solche Abenteuer?

Das ist es, was das Filmemachen interessant macht. Jeder hat ein gemeinsames Ziel vor Augen und möchte die Arbeit so gut wie möglich erledigen. In solchen Situationen fühlt sich das wie eine gemeinsame Anstrengung an.

Sie haben mit Sam Mendes an "Spectre‟ gearbeitet. Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Regisseur?

Die besten Regisseure sind die, die klar und präzise sagen, welche Vorstellung sie vom Film haben. Sam Mendes ist einer dieser Regisseure. Er hat eine klare Vorstellung davon, wie die jeweilige Szene aussehen soll. Er hört sich alle Beteiligten an und erörtert mit ihnen, wie man die Aufnahmen am besten umsetzt. Letztlich entscheidet aber er, in welche Richtung man geht.

Wie hat sich der Beruf des Art Directors in den letzten Jahrzehnten verändert?

Früher, sogar noch in den Siebzigern, gab es viel weniger computergenerierte Bilder, viel weniger 3D-Modelle. Die künstlerische Abteilung hatte viel weniger Möglichkeiten, ihre Ideen zu präsentieren. Heute kann man ein nahezu fotorealistisches Bild vom Set erstellen, noch bevor irgendetwas im Studio oder am Drehort gebaut wurde.

Was macht die Installation "007 Elements‟ besonders?

Von Anfang an wollten wir etwas anderes erschaffen - wir wollten kein herkömmliches Museum. Jüngere Leute interessieren sich mehr für Erlebnisse als für Ausstellungsstücke. Und das war es, was wir mit der Marke James Bond umsetzen wollten. Bei James Bond ging es schon immer um moderne Technologie, glamouröse Drehorte, kühne Architektur. Wir haben versucht, all dies mit der Architektur und dem Inhalt des Gebäudes zu zelebrieren und etwas zu erschaffen, das noch nie jemand gemacht hat. Soweit wir wissen, gibt es keine andere filmische Installation an einem Ort mit einer so extremen Umgebung.

Was sind die Vorteile von einem solchen Drehort?

Wir haben diese unglaubliche Landschaftskulisse, die total real ist - echtes Wetter, echte Windgeräusche, authentisches Licht, und es fühlt sich an wie ein Ort, an dem man James Bond trifft. Wir hätten die ganze Kulisse auch mit dem Computer generieren können, aber es hätte nie genauso ausgesehen. Wir hätten niemals die richtige Atmosphäre erzielt.

Und was ist mit den Schwierigkeiten?

Eine Herausforderung war dabei natürlich, dass wir hier in einer Höhe von 3.000 Metern sind. Der einzige Weg, hier hinaufzukommen, ist mit der Seilbahn oder mit einem Schneefahrzeug. Wir haben hier Sets aus Stahl gebaut, die wir im Sommer vor dem ersten Schnee hinaufschaffen mussten.

Was war für Sie als Art Director das Besondere an der Gestaltung der "007 Elements‟-Installation?

Ich habe noch nie eine Besuchererfahrung designt. Wir haben dort die technische Ausrüstung installiert und so einen gewissen Rahmen vorgegeben. Die Inhalte, die dort präsentiert werden, können wir nach Bedarf ändern. Es wird immer einen neuen Bond Film geben. Die Installation muss dazu passen und die jeweils aktuellen Charaktere und Drehorte enthalten. Die Decke in der "Action Hall‟ ist zum Beispiel so stark, dass wir dort Fahrzeuge aufhängen können. Die nachgebauten 3D-Modelle vom Filmset können wir dort auch ändern. Auch die Filme im "Lair‟ und "Screening Room‟ können auf den neuesten Stand gebracht werden. Wir können die Requisiten im "Tech Lab‟ austauschen. Unsere Aufgabe bei "007 Elements‟ war es, Räumlichkeiten mit flexibler Technik zu schaffen, so dass die Inhalte problemlos aktualisiert werden können und sich die Installation weiterentwickeln kann.

 

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